Uhrencup
«Die Vorfreude ist so gross wie noch selten zuvor»

Der Turnierdirektor des Uhrencups, Sascha Ruefer, erklärt, auf welches Spiel er sich besonders freut und sagt auch, was ihm am meisten Sorgen macht. Dass der deutsche Meister Borussia Dortmund teilnimmt, ist für ihn eine besonere Wertschätzung.

Hans Peter Schläfli
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Sascha Ruefer hofft auf schönes Wetter und «dass wir vor negativen Einflüssen bewahrt werden».

Sascha Ruefer hofft auf schönes Wetter und «dass wir vor negativen Einflüssen bewahrt werden».

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Sascha Ruefer, morgen Freitag beginnt in Grenchen der 50. Uhrencup mit dem Match der Young Boys gegen Hertha Berlin. Haben Sie ein gutes Vorgefühl?

Sascha Ruefer: Ja, ein sehr Gutes sogar. Die Vorfreude ist so gross wie noch selten zuvor. Nicht nur bei mir, auch bei den Fussballfans, das belegen die Vorverkaufszahlen.

Mit YB, West Ham, dem FC Basel, dem FC Zürich, Borussia Dortmund und Hertha Berlin sind sehr attraktive Teams in Grenchen zu bewundern. Auf welches Spiel freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich auf alle, auch wenn ich selber kaum dazu komme, mir die Spiele anzusehen. Dass wir mit West Ham erstmals eine englische Mannschaft am Uhrencup haben, freut mich besonders. Dass der deutsche Meister Dortmund trotz vieler Anfragen und anderer, lukrativerer Möglichkeiten, zum Gala-Spiel erscheint, ist eine besondere Wertschätzung für mich.

Wie ist der Vorverkauf gelaufen? Wie viele Zuschauer sind zu erwarten, und hat es an der Abendkasse noch für alle Spiele genügend Tickets?

Das Uhrencup-Programm

Grenchen. 50. Uhrencup. Freitag, 8. Juli, 19.30: Young Boys - Hertha Berlin. - Samstag, 9. Juli, 18.00: Borussia Dortmund - FC Zürich. - Montag, 11. Juli, 18.00: Young Boys - West Ham. 20.30: FC Basel - Hertha Berlin. - Mittwoch, 13. Juli, 19.30: FC Basel - West Ham.

Im Vergleich mit den letzten acht Uhrencups hat der Vorverkauf heuer Spitzenwerte erreicht. Eine Woche vor dem Uhrencup hatten wir bereits so viele Tickets abgesetzt, wie beim gesamten Uhrencup 2010. Stehplätze sind noch vorhanden, Sitzplätze dagegen werden knapp. Die Haupttribüne ist an zwei von vier Tagen ausverkauft. Das ist noch keine Garantie für einen Top-Uhrencup, aber doch eine klare Tendenz.

Manchmal locken beliebte Mannschaften auch unangenehme Fangruppen an. Wie sieht es mit der Sicherheit beim Uhrencup aus?

Die zunehmende Aggressivität bei einzelnen, sogenannten «Fan-Gruppen» besorgt auch uns. Und wir zahlen die Zeche dafür, dass sich Politik und involvierte Instanzen noch immer schwer tun damit, Mittel gegen das zunehmende Gewaltproblem zu schaffen. Noch nie haben wir so viel in die Sicherheit, in Infrastruktur und Sicherheitspersonal investiert, wie 2011. Wegen dem unschönen Treiben einer Schar halbwüchsiger Krimineller investieren wir Tausende von Franken, erörtern in Strategie- und Sicherheitssitzungen ohne Ende Lösungen. Das ist absurd. Der Uhrencup kann dieses Problem aber nicht lösen. Ich wünschte mir, die richtigen Fussballer hätten die Courage von Schwingern. Wenn dort einer aus der Reihe tanzt, regeln die das ohne Tamtam.

Sie haben für den 50. Uhrencup nochmals ein tolles Teilnehmerfeld nach Grenchen gebracht. Wie schaffen Sie das? Und wie gross ist der Aufwand?

Wir profitieren davon, dass sich der Uhrencup mit einer Mischung aus Tradition und guter Organisation wieder einen Namen über die Landesgrenzen hinaus geschaffen hat. Mittlerweile erhalten wir Anfragen aus ganz Europa und können so auch besser planen. Damit verbunden steigen aber auch jedes Jahr die Anforderungen, Erwartungen und damit auch der Aufwand. Wären im OK nicht alles Routiniers am Werke, wäre das Ganze nicht mehr zu bewerkstelligen.

Ganz Grenchen scheint während des Uhrencups auf den Beinen zu sein. Wie viele Helfer machen mit, und wie rekrutieren Sie so viele Freiwillige?

Die Helfer kommen aus allen Himmelsrichtungen. Von Schwestern einer Abteilung des Spitals Grenchen über die Guggenmusik bis hin zu Skiklubs und Wanderfreunden helfen alle mit. Helfer kommen aus Grenchen und Umgebung, aber auch aus Biel, vereinzelte aus Basel, Zürich, Bern, Thun, eine Gruppe Fussballer sogar aus dem luzernischen Gunzwil. Zudem arbeiten wir mit dem Volunteers-Projekt von Swiss Olympic zusammen, aus dem sich viele Einzelhelfer rekrutieren. Pro Tag gilt es, knapp 220 Helferpositionen zu besetzen.

Früher lagen Sie oft mit der Stadt Grenchen im Clinch, heute unterstützt die Stadt den Uhrencup finanziell. Wie kam das Umdenken zustande?

Der Uhrencup hat sich das Vertrauen der Stadt erarbeiten müssen. Über die finanzielle Unterstützung sind wir extrem froh, wobei ein Grossteil der Gelder über die Rechnungen für Strom, Infrastruktur, Wasser und andere Dienstleistungen wieder zurück an die Stadt fliessen. Das Engagement der Stadt ist ein Zeichen dafür, dass Grenchen hinter dem Uhrencup steht. Das ist enorm wichtig.

Der Uhrencup ist das älteste Turnier in Europa, eine solche Tradition verdient es, weiter gepflegt zu werden. Das Jubiläumsturnier soll Ihr Letztes als Turnierdirektor sein. Konnten Sie die Nachfolge schon regeln?

Die Frage nach der Zukunft ist eine äusserst komplexe Angelegenheit. Wir sind seit Monaten daran, aber noch nicht so weit, dass wir eine Lösung präsentieren könnten. Hierfür sind weitere Gespräche notwendig, wobei Absichten von Stadt, Sponsoren und Vermarktern, aber auch die Entwicklung im Fussball an sich von Bedeutung sein werden. Zuerst wollen wir jetzt mit einem tollen Turnier noch einmal Werbung für diesen Anlass machen.

Wenn Sie für den Uhrencup bei der guten Fussballfee einen Wunsch frei hätten, wie würde dieser Wunsch lauten?

Dann würde ich mir einzig wünschen, dass die Fee schützend die Hand über die Eventperle Uhrencup hält und all das, was viele Helfer toll vorbereitet haben, vor negativen Einflüssen bewahrt. Und dann soll sie mit Petrus mit einem Glas Wein anstossen. Darauf, dass er fünf Tage die Sonne scheinen lässt.