Wenn er seine PS auf dem Eis ausfährt, erinnert Colton Fretter an den Zuger Kanadier Josh Holden. Dann fliegt er tiefer gelegt als ein eh tief liegender Vollblut-Sportwagen übers Eis und versprüht eine eminente Dynamik. Eine Power, die bis auf die Sitz- und Stehplätze spürbar ist. In dem Moment ist er kaum noch von der Scheibe zu trennen.

Auch ein Alan Haworth, von 1988 bis 1992 Publikumsliebling beim SC Bern und später Assistenzcoach in Olten, war ein derartiger «Energiebomber». Spieler, die auf dem «Peak» allein das Eintrittsgeld wert. Holden ist ein hervorragender Spieler, danke fürs Kompliment, freut mich», sagt der 30-jährige Kanadier zum Vergleich.

Immer «better» geworden

Fretter spielte zuletzt bei den Iserlohn Roosters, die ihn gerne noch eine Saison länger behalten hätten. Iserlohn-Manager Karsten Mende sagt von ihm: «Colton ist ein herausragender Powerplay-Spieler mit einem guten Schuss, der das Angriffsspiel bereichert.» Nichtsdestotrotz entschied sich Fretter auf diese Saison hin für einen Wechsel nach Olten. «Mir gefällt es sehr gut», sagt der Mann aus dem 3000-Seelen-Dorf Harrow, Ontario. Er fühle sich wohl – im Team und in der Stadt. «Im Vergleich zu meinem Heimatort ist Olten fast eine Grossstadt», so der Kanadier. Er geniesse es, mit Kollegen in der Stadt zu sein oder nach dem Match jeweils im «Sisième», der Bar hoch über den Dächern Oltens, den Abend ausklingen zu lassen.

Ein Wohlgefühl, das sich auf die Leistung des Stürmers auswirkt. Nachdem er in den ersten vier Meisterschaftsspielen zwei Assists gebucht hat, ist Fretter seither viel «better» geworden. «Ich habe Zeit gebraucht, mich an die Mitspieler und an die Spielweise zu gewöhnen.» In Deutschland werde viel starrer im taktischen System gespielt als in der Schweiz. Fretter, 2002 von Atlanta gedraftet, aber in der NHL nie zum Einsatz gekommen, geniesst daher seine Freiheit auf Schweizer Eis. «Ja, speziell in offensiver Hinsicht kommt mir das sehr entgegen», sagt er. In der Tat. An der Seite von Truttmann und Sertich punktet der Neo-Oltner seither im Akkord. «Meine Mitspieler ermöglichen mir durch ihre Qualität viele dieser Skorerpunkte», gibt sich Fretter bescheiden und kollegial. So wie es durchaus seinem Naturell entspricht. Da ist nichts von Starallüren spürbar. Auch diesbezüglich ist er ein Pendant zu Holden.

Bald mit Holden auf dem Eis?

Seit Fretter im ersten Derby dieser Saison zu Hause gegen Langenthal sein erstes Meisterschaftstor erzielt hat, hat Olten kein Match mehr verloren. Zwölf Siege in Folge sind es mittlerweile und daran soll sich auch heute in Visp genau rein gar nichts ändern. Die erste Partie gegen die Walliser gewann Olten heuer, auch dank zwei Fretter-Toren im letzten Drittel, mit 7:6. Wenn es so läuft wie derzeit, «sind wir alle happy», hält Fretter fest. «Aber», räumt er postwendend ein, «wir dürfen nicht zufrieden sein mit dem Erreichten und müssen hart weiterarbeiten, dann kommt es gut.» Dann, ist Fretter überzeugt, «ist für uns diese Saison alles möglich.»

Wer weiss – vielleicht am Ende ja so viel, dass er nächstes Jahr Josh Holden in der National League A als Gegenspieler kennen lernt.