Er galt bislang als der liebe, nette Freund von nebenan, von den Spielern als Motivator geschätzt. Nun müsse er die Zügel anziehen und die Regeln festlegen, meinte Chris Bartolone nach seiner Beförderung vom Assistenztrainer zum Headcoach, während die Spieler befanden, dass er bereits neuen Schwung ins Team gebracht und taktische Anpassungen vollzogen habe.

Doch genau dieses aus Oltner Sicht schon fast gekränkt anhörende Wort «Taktik» war wiederum der grosse Knackpunkt an diesem Freitagabend beim derzeit schier übermächtig anmutenden zweitplatzierten SC Langenthal.

Der Unterschied war nicht zu übersehen: Hier der völlig überforderte, desolat auftretende EHC Olten. Dort der organisierte, taktisch versierte Derbygegner. Die Oberaargauer vermochten die bei den EHCO-Spielern eingebrannte Verunsicherung eiskalt auszunutzen und liessen die Scheibe derart gut zirkulieren, dass die oft nicht mehr als nur ratlos rumstehenden Oltner lediglich noch versuchen konnten, Fehler auf Fehler auszubügeln.

Die EHCO-Niederlage war letztlich nur noch Formsache, sodass es auch dem neuen Trainergespann Bartolone/Tobler bei der 1:4-Niederlage in kürzester Zeit nicht mehr gelang, die Verunsicherung im Team zu bremsen.

Hirt und Horansky solide

Man kann dennoch dem neuen EHCO-Trainer nicht vorwerfen, nichts unversucht zu lassen. Bereits vor dem Spiel war auf dem Oltner Matchblatt ersichtlich, dass Bartolone Veränderungen in gleich drei Sturmlinien vollziehen würde. Das war nicht zuletzt den langzeitverletzten Comeback-Spielern Remo Hirt und Stan Horansky geschuldet.

Doch auch sie konnten (noch) nicht den nötigen Impuls in die Mannschaft bringen, obwohl sie hin und wieder den Ansatz zeigten, die dringend benötigte Qualität zurückzubringen. Und auch während des Spiels versuchte Bartolone, als die Wendung seinen Lauf nahm, mit einem Timeout und einem Torhüterwechsel neues Leben einzuhauchen. «Es liegt nicht am Willen. Aber die Spieler müssen an sich glauben. Das sehe ich derzeit nicht. Wir haben jene Sachen falsch gemacht, bei denen wir explizit gesagt haben, dass wir sie nicht mehr falsch machen wollen. Wir haben uns im zweiten Drittel komplett verloren», sagte Bartolone.

Er wolle dennoch die guten Dinge in die wichtige Schlussphase der Qualifikation mitnehmen: «Wir haben ein solch gutes erstes Drittel gezeigt wie schon lange nicht mehr. Darauf lässt sich aufbauen.»

Doch selbst in diesem wäre mit etwas mehr Durchsetzungskraft deutlich mehr möglich gewesen. Der EHC Olten liess eine erste Tschannen-Strafe, die nach 35 Sekunden gepfiffen wurde, auf klägliche Weise ungenutzt, ehe aus einer doppelten Überzahl nur einen Treffer durch Jay McClement resultierte (8.).

Dass es deutlich effizienter und gradliniger funktionieren kann, bewies der SCL-Traumsturm um Tschannen, Kelly und Karlsson gleich mehrfach, der erst mit einem Doppelpack das Spiel kehrte (22./25.). Und nur fünf Minuten später erhöhten die Blau-Gelben mit einem weiteren Doppelschlag innert 20 Sekunden auf den diskusionslosen 4:1-Endstand.

Der EHC Olten ist drei Spiele vor Ende der Qualifikation auf dem ernüchternden fünften Platz klassiert und weist neu drei Verlustpunkte auf den wichtigen Heimrecht-Platz auf. Doch es macht den Anschein, als würde der Blick von der Tabelle wegschweifen, weil derzeit viel Essenzielleres im Fokus steht.

Auf die Frage, was den heutigen angeschlagenen EHCO mit jenem unterscheide, als er vor der Verletzung noch gespielt habe, meint Stan Horansky schulterzuckend: «Wir müssen unser Selbstvertrauen wieder finden.»

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