Hoffnungsträger
Die Stars von Morgen an den Europaspielen in Baku

Der Kanton Solothurn ist an der Premiere in Baku sechsfach und medaillenverdächtig vertreten. Welcher Star von Morgen holt sich Edelmetall?

Michael Schenk
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Die Solothurner «Abteilung» an den European Games in Baku (v.l.n.r.): Nico Stalder, Nicola Weder, Michael Misev, Samuel Lutz, Christine Fluri. Es fehlt Jan Lochbihler.

Die Solothurner «Abteilung» an den European Games in Baku (v.l.n.r.): Nico Stalder, Nicola Weder, Michael Misev, Samuel Lutz, Christine Fluri. Es fehlt Jan Lochbihler.

Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild liess es sich nicht nehmen, nach dem Fifa-Erdbeben in Zürich eine gepfefferte Breitseite in Richtung Sepp Blatter abzufeuern. «Wer nach solchen Enthüllungen sagt, diese Sache habe nichts mit ihm zu tun, schadet nicht nur dem Fussball, sondern dem Sport als Ganzes.» Insofern, so der seinerzeit als «Hardliner» bekannte, frühere Basler Justiz-Direktor, sei er froh, «hier unter so vielen vorbildlichen Sportlerinnen und Sportlern zu sein.»

Gesagt hat Schild dies in Luterbach, da wo die rund 200-köpfige Delegation von Swiss Olympic die Ausrüstung für die ersten Europa Spiele in Empfang nahm. Diese «kontinentalen, Olympischen Spiele» finden vom 12. – 28. Juni in Aserbaidschans Hauptstadt Baku statt. 130 Athletinnen und Athleten werden die Schweiz in 24, mehrheitlich olympischen aber auch einigen nicht olympischen, Disziplinen wie Karate, 3er-Basketball oder Beachsoccer vertreten.

Unter den meist jungen Hoffnungsträgerinnen und –trägern des helvetischen Sports, die in Baku erstklassig erfahren können, wie speziell sich so einem Mammutanlass anfühlt, figurieren auch sechs Solothurner. Nebst dem 23-jährigen Meisterschützen und zigfachen Schweizer Meister, Jan Lochbihler, der in Luterbach nicht persönlich dabei sein konnte, sind dies die vier Beachsoccer-Spieler Samuel Lutz, Michael Misev, Nicola Werder und Nico Stalder, sowie Synchronschwimmerin Christine Fluri.

Die Freude auf das Erlebnis

Während der Holderbanker Lochbihler und die Sand-Kicker in Baku um Medaillen kämpfen geht es für Fluri und ihre Teamkolleginnen vorab darum, die Maximalleistung abzurufen und zu schauen, was dabei rauskommt. Für die Synchronschwimmerinnen sind die Europaspiele, die in Anlehnung an die etablierten Asien- oder Panamerikanischen-Spiele ins Leben gerufen wurden, Zielwettkampf Nummer 1. $

Insofern werden sie es mit harter Konkurrenz zu tun bekommen. «Ich freue mich sehr auf die Bekanntschaften mit Sportlerinnen und Sportlern aus anderen Disziplinen», sagt Fluri. Und Solche wird es garantiert geben. Die Schweizer Delegation haust am Kaspischen Meer in einem Athleten-Dorf, unter welchem notabene die U-Bahn durchrattert. Alles läuft ab wie an «richtigen» Olympischen Spielen – allein das mediale Interesse ist geringer. Das liegt daran, dass viele Länder ihre Nachwuchs-Eliten entsenden. Eben, um diesen künftigen Stars die Chance zu bieten, unbezahlbare Erfahrungen zu sammeln. Routine, die ihnen später, vielleicht schon in Rio 2016, von enormem Nutzen sein kann.

Optimale Vorbereitung

Insgesamt werden Christine Fluri und ihre Kolleginnen bis zum Ende der Spiele in Baku inklusive vorausgehenden Trainingslagern gut vier Wochen unterwegs gewesen sein. «Kein Problem», wie die Kantischülerin festhält. Die Tage sind reich befrachtet, der Erlebnisfaktor hoch. Ähnlich lang sind die Beachsoccer-Spieler «on tour». Die Schweizer, ihres Zeichens die Nummer drei der Welt und im Vorjahr in Baku Vize-Europameister geworden, reisen bereits zehn Tage vor den «Games» in den Kaukasus. «Um uns so optimal wie möglich vorzubereiten», sagt Coach Angelo Schirinzi.

Alles andere als eine Medaille wäre für die eidgenössischen Strand-Fussballer eine herbe Enttäuschung. Insgesamt rechnet Ralph Stöckli, «Chef de Mission», mit «sechs bis acht Medaillen. Das ist die interne Zielsetzung.» Der Curling-Europameister von 2006 in Basel ist als Delegationsleiter der Nachfolger von Gian Gilli. Die Europaspiele sind also auch für den 39-jährigen Uzwiler eine wertvolle Feuertaufe.