Unihockey
Die Sportart Unihockey verliert immer mehr Zuschauer

Statt dem erhofften Aufschwung nach der Heim-WM der Männer, nimmt das Publikumsinteresse im Schweizer Spitzenunihockey drastisch ab. Verband und Vereine suchen nach Lösungen.

Daniel Weissenbrunner
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KEYSTONE

Bonjour Tristesse: 247 Zuschauer verlieren sich am Samstag vor einer Woche in der Espace-Arena in Biglen. Es handelt sich nicht um ein x-beliebiges 2. Liga-Spiel, sondern um das Emmentaler NLA-Derby zwischen Grünenmatt und Wiler-Ersigen. Noch kläglicher präsentierte sich die Kulisse zwischen Olten-Zofingen und Uster. Gerade noch 123 Anhänger finden den Weg in die Heimstätte des Mittellandklubs. «Mir graute es, als ich die Telegramme gelesen habe», sagt Daniel Bollinger. Den Geschäftsführer von Swiss Unihockey versetzen die Zahlen nicht in Alarmstimmung, Bollinger gibt das Desinteresse an der Liga, die mit hochdekorierten ausländischen Spielern ausgestattet ist, natürlich zu denken. Bollingers Sorge ist begründet: Die Momentaufnahme widerspiegelt einen anhaltenden Trend. Seit Jahren erodieren im Unihockey die Zahlen. In den letzten sechs Saisons hat die höchste Männerliga 25 Prozent seiner Anhängerschaft verloren (siehe Grafik).

Viele Spieler, wenig Fans

Unihockey mit 30 000 Aktiven die drittgrösste Mannschaftsportart der Schweiz (hinter Fussball und Volleyball), büsste gegenüber Konkurrenzsportarten wie Handball im gleichen Zeitraum signifikant an Boden ein. Daniel Bollinger hat das Problem erkannt. Seine Analyse fällt allerdings wenig ermutigend aus. «Wir kommen momentan nicht voran und treten an Ort.» Für ïhn und den Verband sind die Zahlen umso ernüchternder, weil der erhoffte Boom nach der Heim-WM im vergangenen Jahr ausgeblieben ist. Swiss Unihockey betrieb einen grossen finanziellen Aufwand, um der Sportart neuen Schwung zu verleihen. In Bern und Zürich feierte die Schweiz die bisher grösste Unihockey-Party. Über 10 000 Fans kamen am Finaltag ins Hallenstadion. Das Schweizer Fernsehen war live vor Ort. Warum diese Plattform keinen positiven Effekt ausgelöst hat, darauf finden weder Bollinger noch die Vereine eine schlüssige Antwort.

Übersättigung beim Wiler-Publikum?

Beim SV Wiler-Ersigen vermutet man, dass der Verein Opfer des eigenen Erfolgs geworden ist. «Die vielen Titelgewinne haben zu einer Übersättigung bei den Anhängern geführt», sagt Klub-Präsident Thomas Balsiger. Spezialaktionen sollen helfen, eine neue Klientel an die Spiele zu locken. Im Unterschied zur Konkurrenz ist es den Wilern immerhin gelungen, das Gros der Fans bei Laune zu halten. Mit knapp 500 Zuschauern liegen die Berner weit vor dem Rest. Anders die Situation bei Olten-Zofingen: Nur etwas über 200 Personen wohnen den Heimspielen im Schnitt bei. «Das hat sicher mit der sportlichen Situation zu tun», glaubt Patrick Schilling. Die Mittelländer liegen am Tabellenende. «Aber nicht nur», sagt das Vorstandsmitglied. «Unihockey leidet am Sprossenwand-Image.» Was übersetzt heisst, dass die junge Sportart bereits Staub angesetzt hat.

Am Sonntag Derby Wiler - Olten

Swiss Unihockey hat das Problem erkannt und versucht Gegensteuer zu geben. Obwohl die WM nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, soll mit Mammut-Events ein breites Publikum erfasst werden. In der kommenden Saison wird der Meister der Frauen und Männer erstmals in einem einzigen Finalspiel ermittelt. Austragungsort ist die knapp 8000 Zuschauer fassende Kolping-Arena, das Stadion der Kloten Flyers. Das Schweizer Fernsehen hat erneut Interesse signalisiert, den Anlass live zu übertragen. Darüber hinaus findet nächsten Oktober in Zürich der Champions Cup, das Pendant zur Champions League im Fussball, statt. Mit dieser Marketing-Offensive geht es nicht darum, Fussball oder Eishockey den Kampf anzusagen. «Das ist überhaupt nicht das Thema», sagt Daniel Bollinger. Die Ziele sind bescheidener und dennoch ambitiös: Unihockey versucht sich als Nummer 1 hinter den Topsportarten seinen Platz im umkämpften Markt zu sichern und die Party wieder in Gang zu bringen. Für alle, die nicht so lange warten können. Nächster Lokaltermin ist heute um 17 Uhr im Sportzentrum Zuchwil. Dann empfängt Wiler-Ersigen Olten-Zofingen.