«Bisher haben wir etwas für die Geschichtsbücher getan», sagt Urs Bachmann, seit heuer Coach der NLB-Fussballerinnen des SC Derendingen. «Jetzt tauchen wir in eine neue Erlebniswelt ein, die wir geniessen wollen.» Der Exkurs ins Abenteuerland von dem Bachmann spricht, hat durchaus einen Hauch von Disneyland. Als Aufsteigerinnen blieben die Solothurnerinnen in diesem Jahr in 18 NLB-Matches ungeschlagen: 18 Spiele, 50 Punkte, 48:11 Tore. Fantastisch. Entsprechend folgen nun sechs, wie Bachmann sagt, «Cup-Finals». Sechs Aufstiegsrundenspiele, die die Märchensaison krönen sollen. Spiel 1 steht heute Mittwoch, kein Aprilscherz, um 19.30 Uhr in Derendingen gegen GC an. «Das dürfte der schwerste Gegner sein, der uns erwartet», sagt der Trainer. Die Zürcherinnen waren heuer in der NLA lang im Mittelfeld klassiert. Nebst GC bekommt es Derendingen mit Rapperswil-Jona (NLA) und Lugano (NLB) zu tun.

Der Frauenversteher

Die Chancen, dass die Überfliegerinnen in die NLA durchstarten, stehen gut. «Das Team will jetzt mehr als den NLB-Titel, der Ehrgeiz ist angestachelt», sagt der Coach. Spielerisch können die Wasserämterinnen mit der Konkurrenz zweifellos mithalten und was den oft bestimmenden, mentalen Faktor angeht, haben sie sogar Vorteile. Nach ihrem «Sturmlauf» sollten die SCD-Kickerinnen im Kopf parat sein wie «Nachbars Lumpi». Dies im Gegensatz zur diesbezüglich eher angesäuerten Konkurrenz aus der NLA, für die das Kommende mehr Strafaufgabe denn Gabe ist. «Der Teamgeist ist toll», bestätigt Bachmann. So gut, dass dieser selbst eine allfällige Niederlage überstünde. «Irgendwann kommt jemand, der uns besiegt. Wir haben uns an die Rolle des Gejagten gewöhnt.» Dem besonnen, Ruhe und Souveränität ausstrahlenden Coach gebührt fraglos ein saftiges Stück am Erfolgskuchen. Der SFV-Instruktor bringt viel fussballerisches Know-how mit, das sich unbestritten auszahlt. Daneben ist Bachmann als Vater zweier Töchter sozusagen ein «promovierter Frauenversteher», der weiss, was seinen Kickerinnen, nebst fussballerischen Instruktionen, guttut. «Das psychologische Moment ist bei Frauenteams sicher wichtiger als bei Männern», unterstreicht der SCD-Coach.

Gut aufgestellt

Sollte es mit dem Aufstieg klappen, ist man beim SC Derendingen «ready to go». Mit der Integration der U16 und U19 des einstigen FFC Zuchwil ist nicht nur der Unterbau für eine langfristig gute sportliche Perspektive gegeben; sondern auch eine Voraussetzung des Verbandes erfüllt. Zudem sind inzwischen alle wichtigen Vorstandschargen mit kompetenten Leuten besetzt. Schliesslich ist Bachmann, der sich im Vorstand mit ums Sponsoring kümmert, zuversichtlich, dass man auch das nötige Geld aufbrächte. Allein an Fahr- und Schiedsrichterspesen fallen in der NLA viel höhere Kosten an. «Die Unterstützung aus der Region ist spürbar», freut sich der IT-Manager. Allein für die Aufstiegsrunden konnten die Derendinger innert Kürze Matchbälle im Wert von rund 6000 Franken verkaufen. «Das zeigt, was möglich ist.» Zumal man in der NLA tendenziell als «Team Solothurn» und, in diesem Sinne, als Vertreter des ganzen Kantons auftreten würde.