Eidgenössisches Turnfest

Die Solothurner machen Party am Eidgenössischen Turnfest in Aarau

Von seinem Freisitz in Balm bei Günsberg kann Christian Sutter den Grossteil seines Verbandsgebietes überblicken.

Von seinem Freisitz in Balm bei Günsberg kann Christian Sutter den Grossteil seines Verbandsgebietes überblicken.

«Das Eidgenössische wächst weiter und hat nichts von seiner Bedeutung eingebüsst», sagt Christian Sutter, der seit bald zwei Jahren Präsident des Solothurner Turnverbandes SOTV ist. Der 38-Jährige gehört dem TV Hubersdorf an und lebt in Balm bei Günsberg.

Christian Sutter, welches Ziel haben Sie sich als Mitglied des TV Hubersdorf für das Eidgenössische gesetzt?

Christian Sutter: Wir hoffen, dass wir in der Königsdisziplin, dem dreiteiligen Vereinsturnen, in der zweiten Stärkeklasse auf eine 27 kommen. Beim dreiteiligen Vereinswettkampf der Jugend belegten letztes Mal Hubersdorf den zweiten und Günsberg den vierten Platz. Es wäre natürlich schön, wenn der Kanton Solothurn auch diesmal vergleichbare Erfolge feiern könnte.

Wie stufen Sie die Chancen aller Solothurner Vereine aus der Perspektive des Verbandspräsidenten ein?

Sehr schade ist, dass im Team-Aerobic die Titelverteidiger Ramona Probst und Michel Anken wegen einer Verletzung absagen mussten. Das Paar wäre unser heissestes Eisen gewesen. Ansonsten sind Prognosen schwierig. Die Solothurner Delegationen haben in diversen Disziplinen Chancen auf gute Plätze. Jeder Platz unter den besten Zehn ist für uns ein schöner Erfolg.

Der STV Langendorf turnt in der Gymnastik seit Jahren immer an der Spitze mit. Darf man auch diesmal mit einem Spitzenplatz rechnen?

Langendorf ist immer noch eine Macht. Der TV Nennigkofen-Lüsslingen ist auf dem Kleinfeld ebenfalls sehr stark geworden. In der Grossfeldgymnastik sind Subingen, Lüterkofen und Messen an der Spitze und auf der Bühne rechne ich mit Langendorf und Nennigkofen-Lüsslingen. Hubersdorf und Günsberg gehören hoffentlich bei den Senioren zu den Besten. Der STV Wolfwil stellt am Eidgenössischen die drittgrösste Delegation und man darf ebenfalls den einen oder Exploit erwarten.

Das erste Eidgenössische Turnfest fand 1832 in Aarau statt. Seither sind 187 Jahre vergangen. Kann so ein so alter Anlass überhaupt noch zeitgemäss sein?

Es werden Rund 70 000 Teilnehmer sowie 8 500 freiwillige Helfer dabei sein. Von den Jugendriegen über die Aktiven bis zu den Senioren nehmen aus dem Solothurner Verband insgesamt 130 Delegationen teil. Diese Zahlen sprechen für sich, das Eidgenössische hat nichts von seiner Bedeutung eingebüsst.

Trotzdem findet das Turnfest nur alle sechs Jahre statt. Zu selten?

Für die Kinder und Jugendlichen sind sechs Jahre Unterschied sehr viel. Wer es als Kind einmal verpasst, kann es vielleicht erst wieder als Erwachsener erleben. Trotzdem ist der Turnus richtig. Der organisatorische Aufwand ist riesig. Die Aarauer Organisatoren sind seit über drei Jahren intensiv an der Arbeit. Kürzere Wiederholungen wären gar nicht möglich, weil derart viel Freiwilligenarbeit nötig ist.

Man muss zum Teil lange auf die Note der Kampfrichter warten, um zu wissen, ob man gut war. Akzeptieren die Turner diese subjektive Beurteilung heute noch?

Wir können nicht nur die exakt messbaren Disziplinen wie die Leichtathletik durchführen. Die Wertungsrichter sind alle gut ausgebildet und die Unterschiede gering. Trotzdem können die Noten als ungerecht empfunden werden. Das tut bei knappen Niederlagen weh, aber das gehört zum Turnen dazu.

Früher hiess es, mitmachen sei wichtiger als gewinnen. Gilt das noch?

Viele Teilnehmer wollen gewinnen und betreiben einen sehr grossen, fast professionellen Aufwand. Andere Delegationen wollen vor allem ihre persönliche Bestleistung zeigen und schauen weniger auf die Schlussrangliste. Es ist die Mischung, die den Erfolg des Turnfestes ausmacht.

Wie wichtig ist der integrierende Charakter beim Eidgenössischen?

Einerseits gewinnt eine Gruppe Sympathien, wenn auch Menschen mitmachen, die auf den ersten Blick nicht so sportlich wirken. Auf der anderen Seite sind die Wertungsrichter streng. Aber wenn die Übungen korrekt ausgeführt werden, spielt es keine Rolle, ob jemand etwas Übergewicht hat. Manchmal bringen Leute, die perfekt sportlich aussehen, kein Bein vor das andere. Da nützt ein schöner Körper bei der Note auch nichts.

Turnfeste enden stets in Partys. Wie wichtig ist dieser Teil des Anlasses?

Sehr wichtig. Auf dem Festgelände wird es wieder zu einer Verbrüderung kommen. Alle tanzen auf den Festbänken. Gerade wir Solothurner haben den Ruf, bei der Party kräftig mitzumachen, und wir stehen dazu. Aber zuerst kommt die Leistung, erst dann das Feien.

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