An dieser Woche finden in Olten die kantonalen Einkampf-Meisterschaften der Leichtathleten statt. Mit Kantonalrekorden ist dabei nicht zu rechnen – zumindest nicht bei den Männern, wie Markus Steiner sagt: «Nein, davon ist nicht auszugehen, vor allem weil unsere Besten derzeit verletzt oder abwesend sind», sagt der Vizepräsident des Solothurner Verbandes. Mit der Elite meint der ehemalige Zehnkämpfer vorab Namen wie Daniel Beer, Dritter über 60 m Hürden an den Hallen-Schweizer-Meisterschaften 2015, Speerwerfer Lukas von Stokar, die aus dem Sudan stammende Durka Frey, ihrerseits Olympia-Teilnehmerin von 2008 in Peking über 3000 m Steeple, oder die langzeitverletzte Mittelstrecklerin Andrina Schläfer. Namen, die durchaus für Furore sorgen könnten. Schläpfer indes hat den Klub (zum ST Bern), sprich Kanton, aus strukturellen Gründen bereits vor geraumer Zeit gewechselt.

Zu wenige Zugpferde

Just hier ruht das Sorgenkind der
Solothurner Leichtathletik. Abgesehen von Olten besteht keine leistungssporttaugliche Anlage. «So liegt es auf der Hand, dass die Besten irgendwann ein ‹Haus› weiterziehen, um weiter Fortschritte machen zu können», hält Steiner fest. Gäbe es zumindest noch eine weitere Anlage, meint Steiner «wäre dem vermutlich anders und wir hätten mehr Zugpferde im Kantion .» Wenn etwa das Projekt in Zuchwil zustande gekommen wäre. Ein rund 6-Millionen-Stadion auf dem Gelände des Sportzentrums, dessen Machbarkeit man sich seitens der Leichtathleten vor wenigen Jahren im Rahmen der gesprochenen Finanzhilfe des Bundes von 70 Millionen für diverse «Sportanlagen von nationaler Bedeutung» sehnlichst erhofft hatte.

So erstaunt es freilich erst auf den zweiten Blick, dass sich die Bestenliste des Kantonalverbandes liest wie der Festführer vom Rütlischwur. Der Weitsprungrekord von Erich Feller stammt mit 7,22 m aus dem Jahr 1931. Die 200- und 400-m-Rekorde haben die goldene Hochzeit auch schon längst hinter sich und so weiter und so fort.

Stars zu Gast in Biberist

Bei den Frauen sieht es diesbezüglich etwas besser aus. «Allerdings», führt Steiner aus, «hat sich die Frauen-Leichtathletik auch wesentlich später zu entwickeln begonnen als jene der Männer.» Inzwischen ist es eine eigentlich prädestinierte Sportart für Frauen. Mit 17,7 Jahren Altersdurchschnitt sind indes auch diese Bestleistungen eigentlich bereits fürs Altenheim qualifiziert. Selbst wenn es hier durchaus auch einige moderne Spitzenwerte gibt. Zumindest was die Nachwuchsbestenlisten angeht, befindet man sich durchaus im «Smartphone-Zeitalter».

Auch heuer werden vor dem Letzigrund-Meeting in Zürich wieder diverse Weltklasse-Athleten in der Schweiz vorgängig Trainings mit Kids abhalten. Biberist ist bereits zum wiederholten Mal auserwählter Ort. «Als einzige Nicht-Stadt», wie Steiner, aktives Mitglied von Biberist, nicht ohne Stolz ausführt. Ein Dankeschön des Verbands für die bemerkenswerte Nachwuchsarbeit, die in Biberist – aber auch in anderen Kantonsteilen – in der Leichtathletik geleistet wird. «Bis zu einem gewissen Alter sind wir sehr gut dabei», sagt Steiner. Bis dann eben die Besten, ab einem gewissen Moment, sozusagen zum Abmarschieren «animiert» werden. Schade eigentlich ...