Volleyball
Die Silbermedaille hat ihn um zwölf Kilo erleichtert

Bei Bujar Dervisaj, dem Erfolgstrainer des TV Schönenwerd, hat die erfolgreiche Saison sichtbare Spuren hinterlassen. Nach dem zweiten Platz in der Meisterschaft findet der Coach noch immer keine Ruhe.

Raphael Wermelinger
Merken
Drucken
Teilen
Hat nun Zeit für seine Familie: Bujar Dervisaj.

Hat nun Zeit für seine Familie: Bujar Dervisaj.

Bujar Dervisaj, haben Sie nach dieser langen Saison und dem Erreichen des Playoff-Finals etwas Zeit gefunden, um herunterzufahren?

Bujar Dervisaj: Bis jetzt, nein. Ich habe keine Pause, vor allem im Verband gibt es noch viel zu tun. Die Saison hat viel Kraft gekostet – und zwölf Kilo Körpergewicht.

Vor zwei Jahren übernahmen Sie den Trainerposten beim TV Schönenwerd. Damals haben Sie gesagt, Ihr Ziel sei es, den Titel zu holen. Nach Bronze und Silber geht müssen Sie nun aber weiterhin davon träumen.

Als ich in Lugano den Meisterpokal sah, habe ich gesagt: ‹Junge, eines Tages landest du in meinen Händen.› Wenn ich beim TV Schönenwerd bleibe, ist der Titelgewinn weiterhin das klare Ziel.

Wie haben Sie es hinbekommen, dass sich das Team in der Finalrunde derart gesteigert hat?

Die Ausgangslage vor der Finalrunde wurde im Team natürlich besprochen. Wir kamen zum Schluss, dass wir nichts mehr zu verlieren hatten. Ganz realistisch betrachtet sah die Situation so aus, dass mit Lugano und Näfels zwei starke Teams vor uns klassiert waren, dass wir die restlichen Teams aber schlagen können. Der Auftakt mit dem 3:0-Sieg gegen Chênois war perfekt und im Heimspiel gegen Näfels haben wir dann richtig starkes Volleyball gespielt – ich war richtig stolz auf die Jungs. Dies hat uns noch mehr Flügel verliehen.

Gibt es einzelne Spieler, die Sie aus dem Kollektiv herausheben möchten?

Natürlich Captain Jan Schnider: Er ist ein starker Charakter und ich bin froh, dass ich ihn habe. Jan hat seine Aufgaben voll erfüllt, in den letzten drei Spielen war er aber leider nicht mehr vorhanden. Es lief ihm auch in den Trainings nicht mehr gut. Doch ohne ihn wäre für den TV Schönenwerd ein Finaleinzug niemals möglich gewesen. Auch Passeur Reto Giger muss ich loben, der in den Playoffs über sich hinausgewachsen ist. Ich freue mich für ihn, weil er in den beiden letzten Saisons jeweils nur die Nummer 2 war. Reto hat noch sehr viel Potenzial, vor allem im Spiel ohne Ball.

Zu einem Saisonfazit gehört auch eine Selbsteinschätzung. Haben Sie Fehler gemacht in dieser Spielzeit?

Ich habe immer gesagt, dass ich kein guter Trainer bin, aber ich lerne stets Neues. Sobald ein Trainer denkt, dass er gut sei, ist der Zeitpunkt gekommen, einzupacken. Denn dies ist der grösste Fehler, den man machen kann.

Sie haben keinen Vertrag für die nächste Saison. Bleiben Sie beim TV Schönenwerd?

Die Gespräche laufen. Bis Ende Mai wird feststehen, ob die Zusammenarbeit weitergeht. Falls ich bleibe, wird es sehr viele Änderungen geben im Team. Ich fühle mich hier sehr wohl. Es ist hier wie in einer Familie.

Apropos Familie: Finden Sie nebst dem Volleyball eigentlich noch genug Zeit für die eigene Familie?

Kaum, deshalb möchte ich mich an erster Stelle bei meiner Frau Merita bedanken, die mich selten gesehen hat in der letzten Zeit. Und auch wenn ich zu Hause war, der Kopf war oft immer noch beim Volleyball. Sie konnte mich Dinge fragen und ich habe einfach nicht reagiert, weil ich in Gedanken verloren war. Sie hat dafür aber immer Verständnis gezeigt und es gibt für mich keine Person, die wichtiger ist. Es tut mir leid, dass wir die Zeit nicht mehr nachholen können.