Schiessen
Die schiessenden «Sozialarbeiter» aus Subingen

Die Sportschützen Subingen feiern in zwei Jahren den 70. Geburtstag. In der Disziplin Gewehr 10 m sind die Solothurner vor wenigen Wochen nur knapp am NLA-Aufstieg gescheitert.

Michael Lüthi
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Vizepräsident Oliver Brechbühl, Präsident André Gobet und Ehrenpräsident Markus Schreier (v. l.) sind mit Subingens Sportschützen auf Kurs. mlr

Vizepräsident Oliver Brechbühl, Präsident André Gobet und Ehrenpräsident Markus Schreier (v. l.) sind mit Subingens Sportschützen auf Kurs. mlr

Solothurner Zeitung

«Es war eine Erleichterung, ein Aufschnaufen», sagt Markus Schreier (41), Ehrenpräsident der Subinger Sportschützen, zum klaren Nein gegen die Waffenschutz-Initiative. Die Solothurner strahlen, die Erleichterung ist deutlich zu spüren. «Der Schiesssport wäre bei einem Ja auseinandergebrochen. Nicht nur bei den 300-Meter-, sondern auch bei uns Sportschützen wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen», so Präsident André Gobet (38).

Und der Dritte im Bunde, der an diesem Abend am Stammtisch sitzt, ist Vizepräsident Oliver Brechbühl (29). Sein Kommentar zur für die Schützen gewonnenen Abstimmung: «Das Ganze wurde nur auf Verbrechen und die Armee reduziert. Bei uns Sportschützen sind wir unserer Verantwortung bewusst und nehmen diese entsprechend wahr.»

Training in der neuen Schiessanlage

Rund dreimal pro Woche trainieren die Subinger in Deitingen in der neuen Schiessanlage. Und ihr Sport ist anstrengend, fordert eine Menge Konzentration. Die Sportschützen haben spezielle Jacken, spezielle Hosen und Schuhe. Eine ruhige Hand und mentale Stärke sind gefragt. Den Nachwuchsschützen werden die Grundausrüstung sowie die Sportgeräte im Wert von Rund 6000 Franken zur Verfügung gestellt. «Viele Leute sind überrascht, wenn ich ihnen erkläre, was wir genau machen. Das Schiessen wird oft negativ ausgelegt. Einige denken, dass wir nur rumballern», sagt Oliver Brechbühl. Dabei ist das Sportschiessen eine halbe Wissenschaft.

Der Verein hat rund 50 Mitglieder, davon 13 Junioren. In der Schweizer Mannschaftsmeisterschaft mischt die erste Mannschaft in beiden Disziplinen (Gewehr 10 und 50 m) in der NLB mit. Vor wenigen Wochen scheiterten die Subinger über 10 Meter erst im allerletzten Duell auf dem Weg in die NLA. Es wäre die Rückkehr ins Oberhaus gewesen. Und dort feierten die Solothurner 1995 ihren grössten Erfolg.

Sie wurden die drittbeste Equipe des Landes. Nach dem Abstieg in die NLB 1999 wurden die Subinger etwas später sogar bis in die 2. Liga durchgereicht. «Wir waren damals nach sechs Jahren in der NLA alle etwas übersättigt», blickt Markus Schreier zurück. Aber der Verein fing sich wieder und fand den Weg zurück in die Nationalliga. Die zweite Equipe schiesst zweimal in der 3. Liga.

«Platz für Typen, die nicht ins Schema passen»

«Wir sind ein leistungsorientierter Verein», sagt Gobet. Trotz hohen Zielen – «wir möchten über 10 m die Rückkehr in die NLA schaffen» – wird auch der soziale Aspekt gross geschrieben. «In unserem Sport hat es auch Platz für Typen, die nicht ins Schema passen. Eine gewisse Individualität ist möglich», sagt Ehrenpräsident Schreier. «Der Zusammenhalt im Verein sei sehr gut, da ist sich das Trio einig. «Die Balance zwischen Leistung und Sozialem stimmt, das ist wertvoll», sagt Schreier. Und der Präsident ergänzt: «Schiessen fördert die Konzentration, das hat schon manchem in der Schul- und Weiterbildung, sowie im späteren Berufsalltag geholfen.» Das Schiessen sei eine Lebenschule, fügt Brechbühl an.

Eigentlich machen die drei nur ein Problem aus: die technische Ausrüstung der Anlage. «Wir schiessen immer noch auf Kartonscheiben. Wir gelten in der Szene als Nostalgieschützen», sagt Schreier. Eine elektronische Trefferanzeige ist das Ziel. «Das kostet uns 85000 Franken – mindestens 45000 fehlen uns noch. In den kommenden fünf Jahren müssen wir den Fehlbetrag erarbeiten», erklärt Gobet.

Nachwuchs wird gefördert

Der Nachwuchsbereich ist ein breit abgestützter und wichtiger Bestandteil in der Vereinsarbeit der Subinger. Jährlich fallen für die aktuell 13 Junioren rund 3000 Franken an wiederkehrenden Kosten an, sofern keine Anschaffungen von Material oder Sportgeräten anstehen. «Auch dank diesen Investitionen – und selbstredend durch die intensive Betreuung haben wir eine solide Nachwuchs-Equipe zusammen.

Es ist eine gesunde Basis», sagt Gobet. «Aber die Jungen laufen uns nicht einfach ins Schützenhaus hinein», so Schreier. Mit Schnuppertrainings werden die Wasserämter wieder auf neue Talente aufmerksam. «In der heutigen Zeit geht es vor allem darum, die Vereinsgrösse zu halten», erklärt Brechbühl. Also dann: Guet Schuss!

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