WM

Die regionale Fussballgrösse Michel Fankhauser erlebt das Turnier hautnah

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Der Lüterkofer Trainer Michel Fankhauser erlebt in Brasilien eine herzliche und familiäre WM - jedenfalls neben dem Platz. Viele Spiele erlebte der 50-Jährige sogar mittendrin im Stadion.

Als er nach dem WM-Viertelfinal draussen vor dem Stadion Castelão in Fortaleza eine Flasche Wasser kaufen will, fallen Michel Fankhauser 20 Reais aus der Hosentasche. Ein kleines Mädchen, höchstens achtjährig, hebt die Banknote vom Boden auf und drückt sie dem 50-jährigen «Gringo» aus Lüterkofen, der nichts bemerkt hatte, mit einem Lächeln in die Hand. Michel Fankhauser schenkt dem Mädchen das Geld, für das dessen Vater vermutlich einen halben Tag arbeiten müsste, mit der Aufforderung, dass es dafür brav zur Schule gehen müsse.

«Alles ist top organisiert»

Es sind diese kleinen Gesten, die von der WM in Brasilien in Erinnerung bleiben werden. «Alles ist perfekt, alles ist top organisiert», schwärmt Fankhauser, der in der Solothurner Fussballszene bestens bekannt ist. «Die Brasileiros haben das super gemacht. Trotz unglaublich vielen hochemotionalen Fans kam nirgends Hektik auf oder gar Aggressivität. Kein Gedränge beim Anstehen, überall hilfsbereite und freundliche Helfer, ausgezeichnete Köchinnen mit einheimischen Spezialitäten vor den Stadien. Und nicht zuletzt gibt es sogar ein gutes Bier im Stadion.»

Eine Herzensangelegenheit

Aber wie kommt der Sohn der Grenchner Fussball-Legende Res Fankhauser, der als Spieler mit Bettlach 1986 2.-Liga-Meister wurde und als Trainer mit Leuzigen (1995) und Biberist (1999) in die 2. Liga aufgestiegen war, dazu, in voller Brasilien-Montur die WM-Spiele zu besuchen? «Wie schon als Spieler oder Trainer lebe und liebe ich den Fussball auch als Fan leidenschaftlich», erklärt Michel Fankhauser. «Brasilien ist für mich eine Herzensangelegenheit. Pelé war mein erstes Idol. Die Seleção zelebrierte an den WM-Turnieren 82 und 86 den Fussball auf eine eindrückliche Weise. Stars wie Zico, Falcão oder Sócrates spielten immer weiter nach vorne, auch wenn das Team kurz vor Schluss in Führung lag. Taktisch nicht clever – aber schön zum Zusehen. So reichte es jeweils nicht zum Titel, aber ich bin seither Brasilien-Fan.»

Tief beeindruckt

Zudem habe er bei einer Reise 1990 hier gute Freunde gefunden. «Ich lebte 1990 kurze Zeit bei Verwandten meines Freundes Marcel Fürst, mit dem ich auch in diesem Jahr unterwegs bin. Die Herzlichkeit sowie die Gastfreundschaft haben mich tief beeindruckt. Der Kontakt zu dieser Familie ist nicht abgebrochen. Beim ersten Wiedersehen nach 20 Jahren war alles noch genau gleich – als ob ich nie weg gewesen wäre . Es ist, als ob ich zur Familie gehörte.»

Geschichten, die das Leben schreibt

An die Tickets zu den total ausgebuchten Spielen sei er auf verschiedenste Weise gekommen, nur eines konnte er auf normalem Weg über den Schweizer Fussballverband kaufen. «Uwe Vetter, Physiotherapeut und Chef der Medizinischen Abteilung des Sportclubs Freiburg, ist ein langjähriger Freund. Er war schon in Freiburg, als Volker Finke in Freiburg Trainer war. Darum betreute er nun das Team von Kamerun während der WM als Physiotherapeut. So habe ich von ihm Karten für Brasilien - Kamerun gekriegt und im Hotel Spieler getroffen wie zum Beispiel Samuel Eto’o.»

In Salvador sei bei Match der Schweiz gegen Frankreich dann plötzlich Paulo Germann neben ihm gesessen. «Was für ein Zufall. Er war einer meiner Spieler beim FC Biberist. Ich hatte ihn 14 Jahre nicht mehr gesehen. Er hatte noch ein Ticket für das Viertelfinale Brasilien - Kolumbien für mich.»

Mittlerweile ist Fankhauser wieder zu seiner Familie nach Ilhéus geflogen, mit der er beim Halbfinal gegen Deutschland der Seleção die Daumen gedrückt hat.

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