Eishockey
Die Region Koppigen/Burgdorf liefert Talente am Laufmeter

Colin Gerber und Yannick Lerch spielen im Nachwuchs des SC Bern und sind Teil der U16-Nati. Sie schüren die Hoffnungen, die Tradition der erfolgreichen Nachwuchsregion Koppigen/Burgdorf weiterzuführen.

Fabian Kleeb
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Colin Gerber aus Burgdorf, U16-Natitrainer Alfred Bohren und Yannick Lerch aus Wynigen (von links). fkl

Colin Gerber aus Burgdorf, U16-Natitrainer Alfred Bohren und Yannick Lerch aus Wynigen (von links). fkl

Fabian Kleeb

Die Brüder Berger, Marc Reichert, Daniel Steiner, Martin Stettler und Mario Rottaris haben etwas gemeinsam: Allesamt spielen oder spielten Eishockey auf höchstem Niveau. Doch dies ist nicht ihre einzige Gemeinsamkeit. Sämtliche Akteure entstammen der Nachwuchsabteilung von Burgdorf und Koppigen. U16-Natitrainer Alfred Bohren erklärt: «Diese Region ist schon seit Jahrzehnten ein steter Lieferant für unsere U-Mannschaften.» Ein richtiges Nachwuchsmekka also. «Der Nachwuchs wird in Koppigen/Burgdorf liebevoll gepflegt, die Einführung in die Hockeykunst erfolgt von Beginn weg methodisch und jede Generation gibt das Know-how der nächsten Generation weiter», erläutert Bohren die Gründe für den Erfolg. Und dies alles, ohne ein Fanionteam auf NLA- oder NLB-Stufe im Rücken.

Generation mit rosiger Zukunft

Im Raum Bern/Solothurn sind die Dichte der Eishallen und die Menge der Junioren erfreulich. «Ohne Breite gibt es keine Spitze», sagt Bohren, der zusätzlich als Berater der SCL Tigers in der NLB amtet. Genau diese Breite existiert. Zudem ist es den Junioren möglich, in einer ihren Fähigkeiten angepassten Meisterschaft aufzulaufen. Ein Talent kann beispielsweise bei Burgdorf in der Junioren-Top-Meisterschaft, in der Elite A bei Langenthal oder auch bei NLA- und NLB-Klubs in einer Fördermeisterschaft agieren.

Im regionalen Eissportzentrum «Emme» in Burgdorf sind die Trainingsbedingungen hervorragend. Die zwei Eisfelder ermöglichen sämtlichen Nachwuchs-Spielern erträgliche Eiszeiten. Es sind beinahe solche Bedingungen, wie sie bei den erfolgreichsten Nachwuchsförderern der Schweiz, beim ZSC, in Kloten oder Zug vorherrschen. Alfred Bohren sagt der Nachwuchsabteilung von Koppigen/Burgdorf eine rosige Zukunft voraus. Zurzeit sind aus dem Nachwuchsmekka zwei Spieler auf den Spuren von den Bergers, Rottaris und Co. Einerseits der gross gewachsene Verteidiger Colin Gerber aus Burgdorf, Sohn des ehemaligen NLA-Spielers Roland Gerber. Andererseits der pfeilschnelle Angreifer Yannick Lerch aus Wynigen. In sehr jungen Jahren (4-jährig) nahmen ihre Karrieren in der Nachwuchsabteilung Koppigen/Burgdorf den Anfang. Nachdem die beiden im Moskito-Alter Probetrainings in Bern absolvierten, wechselten sie auf der Stufe Mini Top endgültig zum grossen SCB und trainieren mittlerweile bei den Elit-Novizen siebenmal pro Woche auf und viermal neben dem Eis. Es ist derselbe Weg, wie in ihre prominenten Vorgänger beschritten.

Stolz auf das Schweizer Kreuz

Dass die beiden Talente auf der Stufe U16 mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust spielen, macht sie stolz. Gleichzeitig wissen sie, dass sie es deswegen noch lange nicht geschafft haben. Gerber absolviert nebenbei das Sport-KV – hätte aber eigentlich voll auf Eishockey setzen wollen. Heute ist er froh, dass ihn seine Eltern bremsten und er ein berufliches Standbein hat. Yannick Lerch hat slowakische Wurzeln und macht derzeit parallel zum Eishockey eine Lehre im Detailhandel – natürlich in einem Hockeygeschäft. Der ehemalige NLA-Spieler und -Trainer Bohren zu seinen Schützlingen: «Beide sind bereit, den Preis für stetige, kleine Fortschritte zu zahlen und könnten die Tradition tatsächlich weiterführen.»

Die Vorreiter sogar übertreffen

Zuerst wollen die beiden Eishockeyaner sämtliche Nachwuchsstufen beim SCB durchlaufen. «Mit dem nötigen Glück wollen wir später in der NLA auflaufen», tönt es unisono. Auf Träume angesprochen, bekommt man die nordamerikanische NHL und die Nati zu hören. Den Schritt in die NHL hat keiner der bisher aus der Region hervorgebrachten Talente geschafft. Eine besondere Motivation. Falls Gerber und Lerch immer schön weiter pilgern – oder streben, wie es Eishockeyguru Bohren nennt – könnte der im Nachwuchsmekka Koppigen/Burgdorf startende Pilgerweg früher oder später in der bedeutendsten Eishockey-Liga der Welt enden.