Eishockey NLB
Die Powerplay-Könige des EHC Olten sind zurück

Der EHC Olten demontiert Langenthal dank drei Überzahltoren mit 6:1. Im Mitteldrittel schossen die Oltner innerhalb von vier Minuten vier Tore und brachten die verdutzten Langenthaler damit völlig von der Rolle.

Markus Angst
Merken
Drucken
Teilen
Ein seltener Anblick: Die Oltner Verteidigung unter Druck.

Ein seltener Anblick: Die Oltner Verteidigung unter Druck.

Oltner Tagblatt

Die Voraussetzungen für das fünfte Derby in dieser Saison waren aus EHCO-Sicht alles andere als ideal. Die Langenthaler hatten zuletzt zweimal gewonnen – darunter gar zweistellig gegen den souveränen Leader SCL Tigers. Und sie hatten 45 Stunden Pause nach ihrem Freitag-Heimspiel gegen Martigny.

Die Oltner hingegen hatten zuletzt zwei empfindliche Niederlagen einstecken müssen und standen gut 16 Stunden nach ihrer Rückkehr aus La Chaux-de-Fonds schon wieder in einer fremden Halle auf dem Eis.

5:19 Schüsse – 1:1 Tore

Doch weder von Müdigkeit noch von einer Formbaisse war beim EHCO auf der Schoren etwas zu erkennen. Im Gegenteil. Als wären nicht die Langenthaler, sondern sie selber zuletzt von einer Erfolgswelle getragen, dominierten die Oltner ihren Gegner nach Belieben und sorgten für den ersten Derby-Auswärtssieg in dieser Saison.

Schon im ersten Drittel war Oltens Dominanz eklatant, und der 1:1-Zwischenstand nach 20 Minuten war schlicht ein Witz. 5:19 lautete das Schussverhältnis, SCL-Keeper Marc Eichmann hatte also viermal mehr zu tun als sein Gegenüber Michael Tobler.

Doch weil die Oltner im Abschluss wieder mal schwer sündigten (Wüst scheiterte in der 13. Minute mit fünf gegen vier gleich zweimal innerhalb weniger Sekunden an Eichmann, ebenso Burki in der 15. Minute), blieb es bei einem einzigen Törchen.

Dieses erzielte Philippe Wüst bereits nach 49 Sekunden in Überzahl, weil Mike Küng bereits neun Sekunden (!) wegen übertriebener Härte auf die Strafbank geschickt worden war. Und mit seiner einzigen Chance kam Langenthal nach einem Break durch Stefan Tschannen zum Ausgleich.

Magistrales Mitteldrittel

Kurioserweise fielen die Oltner Tore dann just zu einem Zeitpunkt wie reife Früchte, als die Langenthaler die Partie etwas ausgeglichener gestalteten und durch Kelly in der 21. Minute gleich zwei dicke Chancen hatten.

Innerhalb von 245 Sekunden zogen die Gäste dank Toren von Justin Feser (27. Minute), Shayne Wiebe (27.), Raffael Lüthi (30.) und Sami El Assaoui (31.) auf 1:5 davon.

Magistral war jedoch nicht nur das Mitteldrittel, sondern auch Oltens Powerplay. Drei der fünf Tore – das 0:1, 1:2 und 1:5 – schossen die Oltner, als sie einen Mann mehr auf dem Eis hatten. In der vergangenen Saison hatten sie ihren Gegnern während der langen Siegesphase mit effizientem Überzahlspiel das Fürchten gelehrt. Gestern auf der Schoren waren die Powerplay-Könige (endlich!) wieder zurück.

Langenthal von der Rolle

Derweil konnten die Langenthaler kurz nach dem 1:6 durch Tim Weber im Schlussdrittel während 106 Sekunden mit fünf gegen drei spielen (Romano Pargätzi und Sami El Assaoui sassen auf der Strafbank), ohne jedoch etwas Zählbares zustande zu bringen.

Es war fünf Tage nach dem Galaabend gegen die SCL Tigers definitiv nicht der Abend der Oberaargauer, die nach dem 1:4 gar ihr Goalie-Idol Marc Eichmann durch Marco Mathis ersetzten.

Doch schon morgen Dienstag haben sie im Kleinholz die Chance, sich für die misslungene Derbyvorstellung zu rehabilitieren. «Wir werden bestimmt disziplinierter auftreten und besser fokussiert sein», schickt SCL-Interimstrainer Jason O'Leary schon mal eine Warnung Richtung Olten.

Langenthal – Olten 1:6 (1:1, 0:4, 0:1)

Schoren. – 3531 Zuschauer. – SR: Grossen/Mollard, Kehrli/Wermeille.

Tore: 1. (0:49) Wüst (Truttmann, Schwarzenbach, Ausschluss Mike Küng) 0:1. 4. Tschannen (Campbell, Kelly) 1:1. 27. (26:27) Feser (Truttmann, Ganz, Ausschluss Marchon) 1:2. 27. (27:00) Wiebe (Brunner, Burki) 1:3. 30. (29:04) Lüthi (Ruhnke, Feser) 1:4. 31. (30:32) El Assaoui (Burki, Brunner, Ausschluss Schäublin) 1:5. 50. Weber (Hirt) 1:6.

Strafen: Langenthal 8-mal 2 Minuten, Olten 4-mal 2 Minuten plus 10 Minuten für El Assaoui (Reklamieren).

Langenthal: Eichmann (ab 30. Mathis); Collenberg, Mike Küng; Pienitz, Schäublin; Fröhlicher, Welti; Kelly, Campbell, Tschannen; Spieller, Marchon, Kämpf; Ranov, Vincenzo Küng, Hobi; Triulzi, Lüssy, Füglister.

Olten: Tobler; Bagnoud, Parati; Pargätzi, Ganz; Simon Schnyder, El Assaoui; Grossniklaus, Meister; Truttmann, Feser, Schwarzenbach; Brunner, Burki, Wiebe; Wüst, Weber, Hirt; Ruhnke, Schneuwly, Lüthi.

Bemerkungen: Langenthal ohne Schefer, Carbis, Schüpbach (alle verletzt), Gemperli (krank), Stämpfli, Dünner (beide EV Zug) und Stefan Schnyder (überzählig), Olten ohne Marolf, Ulmer, Wüthrich, Aeschlimann, Schild (alle verletzt) und Thomas Studer (überzählig). Hans Pienitz und Marco Truttmann zu den besten Spielern ihrer Teams gewählt.