Junioren-WM
Die Paralympics sind das grosse Ziel der beiden Solothurner

Der 14-jährige Dario Studer aus Hauenstein und die 16-jährige Licia Mussinelli aus Derendingen starten in Nottwil an den ersten Junioren-Weltmeisterschaften.

Hans-Peter Schläfli
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Der Hauensteiner Dario Studer und Licia Mussinelli aus Derendingen haben sich intensiv auf die morgen beginnenden Junioren-Weltmeisterschaften vorbereitet.

Der Hauensteiner Dario Studer und Licia Mussinelli aus Derendingen haben sich intensiv auf die morgen beginnenden Junioren-Weltmeisterschaften vorbereitet.

Hans-Peter-Schläfli

Für jemanden, der sich nicht auskennt, sieht die Position im Rennrollstuhl extrem unbequem aus. «Nein, ich sitze eigentlich ganz normal und wir haben meine Position nach und nach so gut eingestellt, dass es mir im Rennrollstuhl wohl ist», erklärt Dario Studer, wie er sich auf seinem Sportgerät fühlt. Wenn er in Nottwil seine Runden dreht, merkt man schnell: Dieser junge Mann ist nicht aus Porzellan. Dario ist belastbar und will etwas leisten.

Das gilt auch für Licia Mussinelli, die mit vier Goldmedaillen an den Rollstuhl-Weltmeisterschaften für Junioren bereits bewiesen hat, dass sie etwas draufhat. Die 16-Jährige aus Derendingen lebt seit kurzem in Nottwil und besucht das Sportler-KV in den Frei’s Schulen Luzern. Sie will ihre Sportkarriere als erste Teilnehmerin der Sport- Akademie von Rollstuhlsport Schweiz aktiv vorantreiben und sie sagt: «Hier in Nottwil ist der Rollstuhl kein Thema. Der gehört wie selbstverständlich dazu, weil wir unter Gleichgesinnten sind.»

«Eine Medaille wäre schön»

An der ersten Leichtathletik-WM der Junioren wird Licia Mussinelli die Rollstuhlrennen von 100 bis 1500 Meter bestreiten. Aber sie bleibt mit ihren Erwartungen zurückhaltend. «Ich weiss nicht so genau, wer meine Gegnerinnen sein werden. Eine Medaille wäre schön, aber auf sicher habe ich sie nicht.» Ihr Vorbild ist Manuela Schär, die Weltmeisterin von 2013. Licia Mussinelli hat sich für die nächsten Jahre viel vorgenommen: «Mein grosses Ziel ist eine Qualifikation für die Paralympics.»

Spina Bifida: Die Fehlbildung tritt durchschnittlich bei einem von 1000 Kindern auf

Als Spina bifida wird eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks (offenes Rückenmark) bezeichnet. Die Auswirkungen einer Spina bifida reichen von eher geringen Beeinträchtigungen wie Sensibilitätsstörungen bis zu starker Schädigung der unteren Nervenbahnen mit kompletter Lähmung der Beine.
Eine Spina bifida tritt durchschnittlich bei einem von 1000 Kindern auf, wobei Mädchen etwas häufiger betroffen sind als Jungen. Das zeitliche Fenster für die Entstehung dieser Fehlbildung liegt zwischen dem 22. und 28. Tag der Embryonalentwicklung, also während der ersten Phase der Ausbildung des zentralen Nervensystems.

Die in der Schweiz empfohlene zusätzliche Einnahme von Folsäure vor und während der Schwangerschaft kann nur das statistische Risiko etwas verkleinern, bietet aber keine Garantie gegen das Auftreten von Spina bifida. (hps)

Dario Studer ist über ein Kidscamp auf den Rennrollstuhl gekommen, als er in Nottwil verschiedene Sportarten ausprobieren durfte. Nun heisst sein Vorbild Marcel Hug, der mit seinem silbernen Helm zu den Stars unter den Rollstuhlfahrern zählt. Ein Star zum Anfassen, denn auch Marcel Hug trainiert regelmässig in Nottwil. «Es ist mein Traum, einmal so schnell zu fahren wie er», sagt der 14-Jährige.

Die Junioren-Weltmeisterschaft ist seine erste Gelegenheit, sich sportlich auf der grossen Bühne zu beweisen. Trotzdem sagt er, er sei nicht nervös. «Ich fahre einfach so, wie ich immer fahre. Ich will Erfahrungen sammeln und weiss nicht wirklich, wie stark die anderen sein werden. Aber weil die meisten anderen Teilnehmer älter sind, rechne ich mir keine grossen Chancen aus.»

Faires Punktesystem

Die beiden jungen Solothurner Talente sind in die Stärkeklasse T54 eingeteilt. Das bedeutet, dass nur die Beine gelähmt sind und dass die für Leistungsfähigkeit sehr wichtigen Bauchmuskeln funktionieren. Aber ist der Rollstuhlsport nicht manchmal ungerecht, wenn doch die Beeinträchtigungen ganz unterschiedlich sein können? «Nein», findet Licia Mussinelli, «denn wenn in einem Rennen nicht alle die gleiche Beeinträchtigung haben, dann gewinnt nicht einfach die schnellste Zeit. Dann kommt bei uns ein Punktesystem zum Tragen, das die Unterschiede ausgleicht.»

Sport und Musik in Nottwil

Vom 3. bis 6. August führt das Internationale Paralympische Komitee die erste Leichtathletik-Junioren-WM durch. An den «Nottwil 2017 World Para Athletics Junior Championships» messen sich rund 350 Nachwuchstalente aus der ganzen Welt. Das spannende Wettkampfprogramm wird ergänzt durch die Gratiskonzerte von Dodo («Hippie-Bus») und Marc Sway («Severina»). Weitere Informationen finden Sie unter www.nottwil2017.ch.