«Wir wussten im Voraus, dass es gegen Pfadi keinen Sieg zu holen gibt, zu gross sind die Unterschiede zwischen NLA und 1.-Liga», umschrieb HVO-Urgestein Christian Roth das eigene Rollenverständnis. In seiner mehr als 20-jährigen Handball-Laufbahn sei Pfadi Winterthur die grösste Nummer, gegen die er je angetreten sei. So war das Credo klar: «Wir wollten Spass haben und eine gute Leistung bringen, das ist uns über weite Strecken auch gelungen», zeigte sich Roth nach Spielschluss nicht unzufrieden. Dass Pfadi, als aktueller Leader der NLA, nicht mit dem besten Kader antrat, machte es in den Augen Roths gar noch sympathisch.

Und dennoch hätte die Rollenverteilung nicht klarer sein können. Doch was wie ein Duell zwischen David und Goliath aussah, nahm sich überhaupt nicht derart an. Den ersten Angriff der Gäste wehrten die Oltner mit vereinten Kräften. Sogleich ging es in die andere Richtung und da war sie – die erste Führung des krassen Aussenseiters. Teamsenior Christian Roth hatte getroffen.

Von David konnte in den Anfangsminuten keine Rede sein. Der Erstligist leistete erbitterte Gegenwehr und machte Pfadi das Leben schwerer, als es diesen lieb war. Gar von einem ausgeglichenen Spielverlauf konnte in dieser Phase die Rede sein. So erarbeitete sich der HVO eine zweite Führung beim Stand von 5:4.

Ein erstes Nachlassen im Abschluss bestrafte der A-Ligist sofort.

Auf vier Tore zog dieser davon, was die Dreitannenstädter mit einem Zwischenspurt wieder korrigieren konnten. Je länger, je mehr spielte Pfadi seine Überlegenheit aber aus. Die Unzufriedenheit über das fahrige Spiel hatte bei den Winterthurern Kräfte freigesetzt, womit diese kontinuierlich ihren Vorsprung ausbauten. Bis zur Pause war Pfadi bereits auf 9:16 enteilt und trotz wiederholt starker Paraden der beiden Torhüter Philipp Büttiker und Silen Locatelli präsentierte sich das Score bald einmal noch klarer.

Christian Roth musste nicht lange nach Gründen für das immer klarere Verdikt suchen: «Unsere Fehler wurden von Winterthur konsequent ausgenutzt.» Dies mache eben der Unterschied aus zwischen NLA und Erstliga. Als «Fehler» ankreiden lassen müssen sich die Oltner einzig, die Kaltblütigkeit im Abschluss nach der Pause vermisst haben zu lassen. Eine kurze Schwächephase, in der die Oltner für kurze Zeit nicht ganz wach schienen, markierte spätestens beim Stand von 11:21 die Entscheidung zugunsten Goliaths.

In der Schlussphase verpasste es der HVO, ein besseres Resultat zu erreichen, prallte der Ball doch noch zweimal an die Torumrandung. Auch Christian Roth vergab nochmals, nachdem er es gewesen war, welcher in der Startphase zweimal Nati-Goalie Aurel Bringolf im Tor der Winterthurer genarrt hatte.