Eishockey
Die Oltner Powermäuse lassen den gewohnten Biss vermissen

Der NLB-Leader EHC Olten verliert gegen den HC Thurgau überraschend mit 2:4. Nun gilt es, die nötigen Lehren aus dieser Niederlage zu ziehen.

Adriana Gubler
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Olten-Captain Sandro Tschuor will aus der Niederlage die nötigen Lehren ziehen.

Olten-Captain Sandro Tschuor will aus der Niederlage die nötigen Lehren ziehen.

Keystone

Die Thurgauer, die seit der Saison 2008/09 erstmals wieder die Chance auf eine Playoff-Teilnahme haben und im Rennen um dieses ersehnte Ticket auf jeden Punkt angewiesen sind, rochen gestern Abend nach zwei gespielten Drittel an der Überraschung. Denn zu diesem Zeitpunkt hatten sie im Vergleich mit dem EHC Olten die Nase zum wiederholten Mal mit einem Tor vorn. Die Oltner wollten die drohende Niederlage gegen den Playoff-Wackelkandidaten aber nicht einfach so hinnehmen und kamen fürs letzte Drittel endlich wacher aus den Katakomben zurück. So waren die Spitzenreiter in den letzten 20 Minuten mehr in Scheibenbesitz als der HCT und übten mehr Druck aus.

Mit dem Torerfolg wollte es aber gleichwohl nicht hinhauen. Auch nicht als Michael Roos in der 52. Minute für zwei Minuten in die Kühlbox geschickt wurde. Und auch nicht, als Trainer Scott Beattie 88 Sekunden vor Schluss seinen Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzte. Im Gegenteil: Der HC Thurgau sorgte 20 Sekunden vor Spielablauf mit einem Schuss ins leere Tor (Balmelli) für die Entscheidung.

Es gibt keine Geschenke

Die Ostschweizer Fans feierten in der Folge den Punktgewinn ihres engagiert kämpfenden Teams gegen den NLB-Leader ausgiebig. «Es ist eine menschliche Reaktion, dass wir nicht mit der gleichen Konsequenz ins Spiel gingen wie unser Gegner», meinte EHCO-Captain Sandro Tschuor nach Spielschluss. Die Enttäuschung hielt sich bei ihm in Grenzen: «Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass wir so kurz vor den Playoffs noch eins auf die Nase gekriegt haben. Schliesslich lief es uns in den letzten beiden Monaten wie am Schnürchen.» Nach dem heutigen Spiel sollten die Oltner wieder wissen, dass es in dieser Saison gegen kein NLB-Team geschenkte Siege gibt.

Die fehlende Einstellung machte sich beim EHCO von Beginn weg bemerkbar. Was die beiden Teams zu Beginn boten, war wenig berauschende Eishockeykost. Olten verzeichnete zu viele ungenaue Zuspiele und lief zu oft ins Offside, als dass es sein bekanntes, schönes Kombinationsspiel wirklich hätte lancieren können. Grosschancen waren daher rar gesät. Zwei solche vergab Shayne Wiebe. Oltens fleissigster Punktesammler knallte in der 3. Minute die Scheibe an die Torumrandung und in der 12. Minute sah er seinen Schuss von der Schulter des HCT-Keepers abgewehrt.

Wenig überzeugend

Die Gastgeber konnten vom wenig überzeugenden Auftritt nicht profitieren – vorerst. In der 17. Minute kamen sie dann aber zu ihrer ersten wirklich guten Möglichkeit. Ein Fehlpass von Verteidiger Ganz ging dem Abschlussversuch von Balmelli voraus. Bäumle konnte diesen zwar halten, dem Nachschuss von Andersons hatte der am Boden liegende EHCO-Goalie aber nichts mehr entgegenzusetzen. Die Reaktion von Olten auf das 1:0 folgte sogleich: Nach dem Motto «Aller guten Dinge sind drei» versenkte Oltens Topscorer 103 Sekunden vor dem Pausenpfiff die Scheibe bei seiner dritten Möglichkeit im HCT-Tor.

Nach Wiederbeginn hätte der EHCO in Führung gehen müssen: Romano Pargätzi lancierte den ins HCT-Drittel stürmenden Philipp Wüst mit einem Pass über eine weite Distanz. Allein vor dem Torhüter drosch der blitzschnelle Flügel jedoch die Scheibe übers Gehäuse von Caminada. Zwar steigerte sich Olten im Mittelabschnitt, trotzdem waren es die Ostschweizer, die in der 24. Minute durch Bahar wiederum in Führung gingen. Ein smarter Schuss von Justin Feser in Überzahl bescherte dem EHCO kurz darauf den Ausgleich. Olten musste jedoch in der 35. Minute erneut den Thurgauer Führungstreffer hinnehmen. Michael Roos angespielt von Fadri Lemm, der hinter dem Oltner Tor positioniert war, versenkte den Puck problemlos im offen stehenden Gehäuse zum 3:2. Der EHCO agierte dabei schlicht zu wenig konsequent– wie so oft an diesem Abend.