Der EHC Olten steht erstmals im Playoff-Final der National League B - mit Auftakt gegen Lausanne am kommenden Dienstag vor eigenem Publikum. Nach einem ebenso hektischen wie dramatischen Spiel im ausverkauften Kleinholz (6040 Zuschauer) gewannen die Oltner den sechsten Match gegen Langenthal nach einem 1:2- Rückstand nach halber Spielzeit mit 5:3 und vermieden damit ein siebtes Spiel wie im Viertelfinal gegen La Chaux-de- Fonds.

Es war ein Auf und Ab, in dem die Oltner den besseren Anfang und das bessere Ende, mittendrin aber einen kleinen Durchhänger hatten. Denn als Diego Schwarzenbach die Oltner nach bereits 216 Sekunden in Führung brachte und Yves Müller wenig später nach einem abermaligen Schwarzenbach-Schuss für seinen geschlagenen Goalie Marc Eichmann auf der Linie rettete, keimten auf den EHCO-Rängen schon früh Hoffnungen auf den Finaleinzug auf. Zumal die Oltner in der Startphase mit schönen Spielzügen überzeugten.

Vom 1:0 zum 1:2

Doch so hoffnungsvoll die Platzherren in die Partie gestartet waren, so schnell änderte sich das Bild. Mit ihrem harten, manchmal auch überharten (vier Strafen für hohen Stock in Serie) Einsatz kauften die Langenthaler ihrem Gegner zunehmend den Schneid ab. Jeff Campbell setzte in der 8.

Minute in Unterzahl eine erste Duftmarke, doch scheiterte er an Michael Tobler. Eine Minute später war der 1:1- Ausgleichstreffer dann doch Tatsache - allerdings erst nach einigen Diskussionen. Denn als Hans Pienitz den Puck über die Linie spedierte, war die Hand des einen Headschiedsrichters oben. Angezeigt war jedoch nicht - wie viele Zuschauer meinten - eine Strafe gegen Langenthal, sondern eine gegen Oltens Wesley Snell. Besonders konfus wurde die Situation, weil unmittelbar nach dem Tor Snell und Hobi gemeinsam auf die Strafbank geschickt wurden. Dies jedoch, weil sie sich nach dem Treffer in die Haare gerieten.

Als Brent Kelly in der 16. Minute das erste Langenthaler Powerplay (Strafe gegen Truttmann) prompt zur 2:1-Führung ausnützte, schien sich die gleiche Geschichte wie in den fünf ersten Begegnungen anzubahnen: Wer das erste Tor schiesst, verliert die Partie. Tatsächlich fanden die Oltner während längerer Zeit nicht zu ihrem Startschwung zurück und hatten insbesondere Mühe mit ihrem Powerplay.

Truttmann leitete die Wende ein

Doch in der grössten Not war wieder einmal Verlass auf Topscorer Marco Truttmann. Nach einem kapitalen Fehler in der SCL-Verteidigung und einem zentimetergenauen Zuspiel von Derek Cormier stand Truttmann in der 34. Minute plötzlich völlig frei vor Eichmann - eine Chance, die sich der 27-jährige EHCO-Stürmer nicht nehmen liess. Vier Minuten später kam es noch besser, als Paul Di Pietro das fünfte Powerplay endlich zum ersten Treffer und damit zur erneuten Oltner Führung ausnützte. Der 42-jährige Oldie schlenzte den Puck von der blauen Linie an Freund und Feind vorbei ins Netz.

Damit standen plötzlich die Langenthaler wieder mit dem Rücken zur Wand - eine Rolle, die ihnen sichtlich weniger gut behagte. Denn nun verloren sie ihrerseits den Rhythmus und mussten das Zepter wieder dem Gegner überlassen. Prompt brachte Remo Hirt die Oltner nur 42 Sekunden nach der zweiten Pause erstmals mit zwei Toren in Führung. Zwar kamen die Gäste in der 52. Minute durch Stefan Tschannen nochmals auf 4:3 heran. Doch 154 Sekunden vor Schluss machte Marty Sertich alles klar.

«Ronny Keller, Ronny Keller»

Danach waren die Oltner Fans nicht mehr zu halten. Stehend sehnten auch die Tribünenbesucher den Abpfiff herbei. Langenthal nahm 87 Sekunden vor Schluss den Goalie heraus und 33 Sekunden vor Schluss noch ein Time-out. Am Resultat änderte sich jedoch nichts mehr.

Noch emotionaler wurde es Sekunden nach dem Schlusspfiff. «Ronny Keller, Ronny Keller» skandierten die Fans und vergassen in der Stunde des Triumphs den tragischsten Helden dieser denkwürdigen Playoff-Serie gegen den Erzrivalen nicht.