Der als Einteilungspräsident mitleidende Stefan Strebel, Technischer Leiter im Nordwestschweizerischen Schwingerverband, redete nach dem Wettkampfende Klartext: «Ich bin enttäuscht, wir haben unser Potenzial nicht abgerufen.» Der Freiämter verglich die Leistung mit dem Wetterverlauf. «Zuerst ganz schlecht, danach besser, aber am Schluss nochmals trüb und nass.»

Strebel sah die Felle für die Nordwestschweiz früh davonschwimmen. Von den sechs «Eidgenossen» gewann keiner den ersten Gang, die beiden Solothurner Bruno Gisler und Remo Stalder verloren gar die ersten beiden Gänge. Die Schlussvorstellung von Gisler gestaltete sich danach mit drei Siegen besser.

Aber zuletzt mühte sich der 127-fache Kranzgewinner gegen den Thurgauer «Eidgenossen» Beni Notz vergeblich und verfehlte die Abgangskrönung. Trotzdem feierten die 4100 Zuschauer den erfolgreichsten Nordwestschweizer Schwinger seit über 50 Jahren mit Standing Ovations.

Erstickte Stimmung

Die regnerische Witterung, gepaart mit der schwachen Leistung der Einheimischen, belastete die Stimmung bis im fünften Gang, als die Sonne durchdrückte. Einzig der Nordostschweizer Rückkehrer Samuel Giger verzückte das Publikum mit seinen schnellen Siegen. Der 20-jährige Thurgauer vernaschte zum Auftakt den zu wenig gut eingestellten Nick Alpiger mit einem dynamischen Kurz.

Danach blieb Giger trotz achtwöchiger Lehrabschluss- und Verletzungspause auch gegen fünf Südwestschweizer und Nordostschweizer Gegner unwiderstehlich. Im Schlussgang machte Giger mit Michael Bless kurzen Prozess. «Meine Taktik ist immer auf Angriff ausgerichtet», erklärte der in einer «normalen» Rekrutenschule steckende Tagessieger seinen sofortigen Kurzzug mit entschlossenem Nachdrücken. Nach 20 Sekunden ergab sich der Appenzeller.

Mit Ausnahme von Patrick Räbmatter fielen alle «bösen» Nordwestschweizer aus Rang und Traktanden. Der Uerkner 140-kg-Brocken erfüllte seine Pflicht als einer von drei Kranzgewinnern aus dem Teilverband.

Ebenfalls Eichenlaub eroberten der stark aufschwingende Baselbieter Roger Erb und der Solothurner Marcel Kropf, der zuletzt den favorisierten Thurgauer Domenic Schneider niederkämpfte. Erb blieb sogar unbesiegt und bodigte am Nachmittag drei «Eidgenossen» in Serie.

Boden verloren

Weil Christoph Bieri krank fehlte, Nick Alpiger und David Schmid einen schwachen Tag erwischten, Remo Stalder weiterhin nicht im Strumpf ist, Mario Thürig im sechsten Gang mit einer Schulterverletzung ausschied und Bruno Gisler vor lauter Rücktrittsfieber einen totalen Fehlstart erwischte, sackte die Nordwestschweiz mit 3:4 Kranzgewinnen hinter die erstarkte Südwestschweiz ab. Die Entschlossenheit eines Lario Kramers im sechsten Gang hätten sich die Heimzuschauer während des ganzen Tages von den eigenen Schwingern gewünscht.

Die 25 Nordostschweizer im 90-köpfigen Feld dominierten das 4. Bergkranzfest der Saison. Nur die strenge Einteilung verhinderte mehr als 7 von 14 Kränzen. «Meine Kollegen in der Einteilung waren kulant. Aber wir nützten unsere Chancen nicht», gestand Stefan Strebel konsterniert.

Gute junge Schwinger seien vorhanden. «Aber wir müssen im nächsten Winter hart arbeiten. Doch ich erwarte schon am nächsten Sonntag beim Brünig-Schwinget eine Reaktion.»

Herkulesaufgabe

Ohne Bruno Gisler und voraussichtlich auch ohne Mario Thürig und Christoph Bieri wird ein starker Nordwestschweizer Auftritt in der «Höhle des Löwen» zur Herkulesaufgabe. Der Generationenumbruch erfolgt abrupt mitten in der Saison. Die «Neueidgenossen» von Estavayer, Nick Alpiger, Patrick Räbmatter und David Schmid müssen jetzt liefern – auch wenns auf dem Brünig regnet.