Swiss League
Die Mitläufer-Ausländer: Warum der EHC Olten im Ligavergleich nur durchschnittliche Ausländer hat

Die Ausländer des EHC Olten sind in der Skorertabelle nur im Mittelfeld aufzufinden. Warum hat der EHCO in letzter Zeit keine Liga-Topskorer mehr? Es gibt plausible Gründe, die mit einer Statistik unterlegt werden können.

Silvan Hartmann
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Jay McClement und Brian Ihnacak erhalten im Liga-Vergleich weniger Eiszeit.

Jay McClement und Brian Ihnacak erhalten im Liga-Vergleich weniger Eiszeit.

Urs Lindt/freshfocus

Mit den Importspielern ist es so eine verflixte Sache im Schweizer Eishockey auf Stufe Swiss League. Von ihnen wird oft schier Unmenschliches erwartet: Sie werden geholt, um zu skoren. Sie sollen zur Stelle sein, wenn sie mehr denn je gefragt sind, sollen ein Team mitreissen und bestenfalls in der entscheidenden Phase den Unterschied ausmachen.

Klar ist aber auch: Wer den idealen Spieler aus dem Ausland verpflichtet, hat den Lottosechser. Nach den Dauerbrennern Hazen/Devos, 100-Punkte-Mann Forget oder Traumduo Kelly/Campbell hat in dieser Spielzeit der HC Thurgau mit Jaedon Descheneau und Cameron Braes ein goldenes Händchen bewiesen.

Die beiden Kanadier schiessen die Ostschweizer regelmässig im Alleingang zum Sieg und sind massgeblich daran beteiligt, dass Thurgau lockerlässig in die Playoffs findet.

Der EHC Olten tanzt aus der Reihe

Und der EHC Olten? Er tut sich seit dem unrühmlichen Abgang von Kelly/Campbell zu Erzrivale Langenthal im Jahr 2010 äusserst schwer, dominante Leaderfiguren auf den Ausländerpositionen zu finden, die ihre Rolle im Team nicht nur zu akzeptieren wissen, sondern auch die reisserischen Skorerqualitäten in Perfektion aufs Eis zelebrieren.

Mitunter ein grosser Punkt, zeigt eine massgeblich entscheidende Statistik auf, die derzeit in der gesamten Swiss League noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfasst wird: Die TOI-Statistik (TOI = Time on Ice = Eiszeit).

Diese Zeitung hat sich trotzdem auf die Suche nach jenen Zahlen gemacht, die aufzeigen, wie viel Eiszeit ein Spieler erhält – und die damit auch aufzeigen, wie viel Verantwortung ein Spieler trägt.

Die Auswertung der bisweilen unter Verschluss gehaltenen Daten zeigt: Der EHC Olten tanzt ligaweit aus der Reihe. Die derzeitigen EHCO-Ausländer sind mit 16:25 Minuten (Brian Ihnacak) und 16:59 Minuten (Jay McClement) Einsatzzeit pro Spiel signifikant unter den Höchstwerten der Top-Ausländer der anderen Spitzenteams wie Ajoie, Langenthal oder Rapperswil-Jona (siehe Statistik). Das bedeutet, dass die EHCO-Ausländer bis zu vier Minuten weniger Eiszeit erhalten, was rund acht Einsätzen pro Spiel (!) entspricht.

Die TOI-Statistik zeigt es auf: Die EHCO-Ausländer weisen im Ligavergleich deutlich weniger Eiszeit auf.

Die TOI-Statistik zeigt es auf: Die EHCO-Ausländer weisen im Ligavergleich deutlich weniger Eiszeit auf.

Grafik az

Trainer Bengt-Ake Gustafsson bestätigt, dass die Ausländer in seinem Spiel keine Privilegien geniessen sollen und genauso viel Verantwortung tragen wie die Jungen: «Ich möchte mit vier Linien durchspielen. Ich hatte damit Erfolg. Meine Erfahrungen sind, dass das einem Team im Verlaufe einer Saison zugutekommen kann», sagt er und ergänzt: «Vielleicht sind jene Spieler dann gerade in den entscheidenden Momenten in den Playoffs mental und körperlich frischer, um forciert zu werden», so der Schwede.

Diese Handlungen werden schliesslich auch von der Oltner Transferpolitik gestützt: Symptomatisch zeigen dies die zuletzt getätigten Import-Verpflichtungen mit Verteidiger Curtis Gedig (16/17) sowie Defensivcenter Jay McClement auf. Der EHCO geht mit der Verpflichtung von defensiven Importspielern im Vergleich zur Ligakonkurrenz seine eigenen Wege.

Der EHC Olten verpflichtet Ausländer, die ins Gesamtgefüge passen sollen – und nicht bloss überdurchschnittliche Skorereigenschaften mitbringen. Das widerspiegelt sich nicht zuletzt auch in der Skorerliste, in welcher die EHCO-Spieler nur im Mittelfeld zu finden sind: «Wer weniger lang auf dem Eis steht, verzeichnet weniger Chancen. Vier, fünf Minuten weniger Eiszeit macht einen riesengrossen Unterschied aus», bestätigt Brian Ihnacak, der immer besser im EHCO-Gefüge zurechtkommt und hochgerechnet mit einem Punkt pro Spiel mit den Liga-Topskorern mithalten kann.

Er ergänzt: «In Olten glaubt man an ein Vier-Linien-System. Das ist neu für mich, aber das kann seine Vorteile haben und ist in Ordnung», sagt Ihnacak, um erstaunlich reflektiert nachzuschieben: «Wir sind schliesslich alle hier, um als Team das grosse Ziel Aufstieg zu erreichen – und nicht, um individuellen Erfolg zu haben und 100 Punkte zu sammeln.»

Apropos Ausländer: Nach wie vor steht eine Verpflichtung eines dritten Importspielers für die Playoffs zuoberst auf der EHCO-Prioritätenliste. Man sei mit zwei, drei potenziellen Ausländern in Verhandlungen.

Um wen es sich dabei handelt, will der EHC Olten aus verhandlungstechnischen Gründen nicht bekannt geben.

Ob sich darunter der nächste grosse EHCO-Skorer befindet? Zumindest leugnen lässt sich unter dem Strich nicht: Ohne Tore gibts auch keinen Aufstieg. Gustafsson: «Wir haben ein ausgeglichenes Team – und das ist gut so.»