Walter Ulrich, haben Sie sich von der Viertelfinal-Niederlage gegen Wiki-Münsingen erholt?

Walter Ulrich: Es wurmt schon – ich hasse es, zu verlieren. Wir hatten ganz anderes geplant.

Was denn?

Vom Potenzial her hätte die Mannschaft den Halbfinal erreichen müssen – im Idealfall sogar den Final.

Hätten Sie das letzte Masterround-Spiel gegen Thun verloren, hätten Sie das ungeliebte Wiki als Viertelfinalgegner umgehen können?

Daran haben wir auch gedacht – im Nachhinein hätte man das vielleicht tun sollen. Wobei – ich bin keiner, der mauschelt – ich gewinne lieber ehrlich.

Die Abschlussschwäche des Teams war frappant – nicht erst im Viertelfinal.

Die letzte Konsequenz, die viel mit Leidenschaft zu tun hat, hat gefehlt. Ich wünschte mir ein Team, in dem jeder für den anderen sein Letztes gibt – Spieler, die nicht nur des Geldes wegen da sind. Dieser Wunsch hat sich zumindest diesmal nicht erfüllt.

Mit Erreichen der Playoffs hatten die Spieler ihren Lohn auf sicher. Müssen Sie künftig wieder vermehrt auf Leistungsprämien setzen?

Ich hatte das Gefühl, dass das nicht nötig ist. Aber ich denke schon, dass wir wieder vermehrt darauf zurückkommen.

Gut 400 000 Franken des Vereinsbudgets – oder mehr als zwei Drittel – fliessen in die 1. Mannschaft.
Müssten Sie mehr in den Nachwuchs investieren, um künftig mehr Eigengewächse mit dann natürlich höherer Identifikation im Team zu
haben?

Wir haben in den letzten Jahren diesbezüglich auch gesündigt – das gebe ich zu. Auf Stufe Hockeyschule, Piccolo- und Bambini läuft es inzwischen aber sehr gut. Wenn die Jungs älter werden, zieht es die Besten nach Bern, Olten, Langenthal oder Biel. Insofern sind uns auch gewisse Grenzen gesetzt. Ein vollamtlicher Nachwuchstrainer kommt für uns nicht infrage. Aber es liegt uns viel daran, Spieler, die irgendwann in Zuchwil waren, zurückzuholen.

Sie haben nach dem Ausscheiden Konsequenzen angekündigt – in welche Richtung werden die gehen?

Ich war von der Leistung einiger Schlüsselspier enttäuscht. Von denen, die mehr verdienen als andere, erwarte ich auch mehr Leistung – das ist ein Grundsatz von mir. Aber es ist noch zu früh, um über Personalien zu reden. Das Gesicht der Mannschaft wird sich sicher verändern.

Mit Unruhestifter Christian Reber haben Sie heuer ja schon einen Leistungsträger entlassen – den bis dahin besten Skorer notabene. Droht anderen das gleiche Schicksal?

Wir werden uns Gedanken machen, wer noch wie in die Mannschaft passt …

Ein Spieler, der nach dem Prinzip «Gring ache und seckle» funktioniert – egal, obs gut oder schlecht läuft. Spieler wie einst beim SC Bern ein Orlando oder Sarrault, würden ihnen sehr guttun.

Das ist so, in dem Sinn haben wir den Abgang von Marco Pistolato sehr gespürt.

Steht der Trainer zur Diskussion?

Max Weibel und Milan Mrukvia bleiben und bekommen noch eine Chance.

Ende März gehen Sie in Pension.
Irgendwann dann wird auch der Zentralschweizer Meister gekürt werden – die Spieler haben Ihnen den perfekten Abgang vermasselt?

Das wäre natürlich mein Wunschtraum gewesen – mit einer Pokalfeier die Schlüssel zu übergeben – aber es hat nicht sollen sein.

Sie sind «Mister EHC Zuchwil Regio» – Präsident, Hauptsponsor und Sportchef – was passiert mit dem Klub, wenn Sie in den Ruhestand treten?

Ich werde viel mehr Zeit haben, mich ums Eishockey zu kümmern als jemals zuvor, und darauf freue ich mich sehr. Es geht in dem Sinn alles in gewohntem Rahmen weiter.

Ihre Garage hat als Sponsor beträchtliche Mittel in den Verein investiert – wie sieht es damit aus?

Das Engagement geht zwar nicht mehr in bisherigem, aber doch in gewissem Rahmen weiter – die Garage Ulrich bleibt Sponsor des EHC Zuchwil Regio.

Aber Sie haben nächste Saison weniger Geld zur Verfügung?

Sicher nicht mehr. Es sei denn, es gelingt mir, neue Leute ins Boot zu holen.

Vermarktungstechnisch wäre es günstiger, wenn sie als EHC Solothurn auftreten würden – ist ein Namenswechsel für Sie ausgeschlossen?

Die Einwohnergemeinde Zuchwil übernimmt die Eiskosten für den Nachwuchs, also 45 000 Franken, von Solothurn erhalten wir nichts – insofern ist das für mich derzeit kein Thema; selbst wenn es wohl gewisse Vorteile bringen würde.

Eigentlich können sie spielen wie sie wollen, Zuchwil wird nie zum Eishockey-Mekka?

Damit müssen wir uns wohl abfinden – aber ich hoffe doch, dass wir den Zuschauer-Durchschnitt von rund 250 wie in dieser Saison künftig steigern können. Dazu sollten wir aber über die Viertelfinals hinauskommen.