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Die Krux mit dem leeren Gehäuse

Olten gewinnt auswärts beim HC Ajoie dank zwei Toren innerhalb von einer Minute im Schlussdrittel. Die Mannschaft von Trainer Scott Beattie holt sich gegen Ajoie den sechsten Saisonsieg und liegt weiterhin auf dem vierten Tabellenrang.

Michael Forster
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Zweikampf zwischen Oltens Roman Schild und Jordane Hauert. BKO

Zweikampf zwischen Oltens Roman Schild und Jordane Hauert. BKO

Die Oltner haben in den letzten Jahren selten so gelacht, als in der Patinoire Voyeboeuf die Schlusssirene ertönte. Nicht, weil man auswärts gegen Ajoie nie gewonnen oder diese (nicht allzu zahlreichen) Erfolge nicht zu feiern gewusst hätte. Doch gestern Abend lieferten die Gäste eine relativ denkwürdige letzte Spielminute.

Wüst und Feser in der Hauptrolle

Die Hauptdarsteller: Philipp Wüst und Justin Feser. Erst verfehlte der flinke Flügel aus halblinker Position das verlassene Ajoie-Tor und damit die endgültige Siegsicherung, dann wurde er, aufs noch immer leere Tor zulaufend, von hinten gelegt. Anstatt auf Tor, wie es das Regelbuch vorsieht, entschied der österreichische Head Potocan auf eine 2-Minutenstrafe und lieferte damit das i-Pünktchen auf eine Reihe nicht immer nachvollziehbarer Entscheide.

Auch noch ein Pfostenschuss

Doch damit nicht genug: Noch immer lief die letzte Spielminute, als Wüst zum dritten Mal am leeren Ajoie-Tor scheiterte – diesmal am Pfosten. Und zu guter Letzt brachte es Feser quasi mit dem Schlusspfiff fertig, die Scheibe vor der Torlinie daneben zu setzen. Dass sich die Teamkollegen darauf ein Grinsen nicht verkneifen konnten – wer kanns ihnen verübeln?

Gäste kommen nicht aus Umklammerung

Dabei gelang es den Oltnern in einer ersten langen Spielphase nicht, sich aus der HCA-Umklammerung zu lösen, sprich, einigermassen Raum für das eigene Spiel zu finden. Stets war ein Gegner zur Stelle und somit die Zeit zu knapp, etwas wirklich Erfolgsversprechendes zu kreieren. Es war aber nicht so, dass die Gastgeber viel mehr Raum und Zeit zur Verfügung gehabt hätten. Das Chancenplus resultierte vor allem deshalb, weil sich die Oltner die ersten drei kleinen Strafen der Partie leisteten und bei erster Gelegenheit (7.) prompt in Rückstand gerieten. Spätestens in der 16. Minute und dem dritten Ausschluss der Gäste roch es stark nach dem 2:0, obwohl das Duo Wiebe/Feser am Shorthander schnupperte. Doch Tobler und das gewisse Quäntchen Glück verhinderten einen weiteren Gegentreffer bis zur ersten Pause.

Ajoie weiter am Drücker

Das Bild änderte sich auch in der Folge nicht, im Gegenteil: Zehn Sekunden waren im Mitteldrittel gespielt, als der auffällige Topscorer Cloutier aus sehr guter Position an Tobler scheiterte. Und doch lagen die Gastgeber fünf Spielminuten später plötzlich im Hintertreffen. Zuerst sorgte Schnyder mit einem Schuss von der blauen Linie für resultatmässig ausgeglichene Verhältnisse, und dann legte Wiebe sogar nach. Der Gäste-Goldhelm stoppte die Ajoulots in der neutralen Zone in der Vorwärtsbewegung, lief zügig, halbwegs bedrängt, auf Mischler zu und knallte den Puck in die nahe Ecke. Ein ähnlicher Treffer übrigens, wie er am Dienstag Lee Jinman gegen den EHCO gelungen war.

Wieder Wiebe

Eine weitere Parallele zum Spiel in La Chaux-de-Fonds: Hatte Shayne Wiebe mit seiner sehenswerten Einzelleistung zum 3:2 die Weichen auf Sieg gestellt, war er erneut für einen ganz wichtigen Treffer besorgt. Diesmal setzte er mit dem 2:1 nämlich den Schlusspunkt hinter eine sehr brenzlige Druckphase der Gastgeber. Und weil Mäder zu Spielmitte eine weitere sehr gute Abschlussmöglichkeit ungenutzt verstreichen liess, war die Linie um den Center zwar die gefährlichste, aber bestimmt nicht die effizienteste der ersten 30 Minuten.

Jurassier gleichen aus

Immerhin konnten die Jurassier den Spielstand noch im mittleren Abschnitt wieder ausgleichen, waren damit für den grossen Aufwand aber nur dürftig bedient. Stoller war es, der mit einem herrlichen Slapshot in die entfernte obere Ecke traf und dafür sorgte, dass auch der vierte Treffer der Partie aus der Distanz erzielt wurde. Und dies, obwohl vor allem Ajoie immer wieder mit Pässen in den Slot versuchte, zum Erfolg zu kommen. Wie das geht, demonstrierten die Oltner nach gut 43 Minuten – und zwar gleich doppelt. Zuerst krönte Weber vor dem Tor eine Supervorlage Fesers mit dem 3:2, dann, nur 51 Sekunden später, traf Oltens Nummer 51. Diesmal hatte Hirt optimal vors Tor gepasst und dem EHCO-Verteidiger das Sieg bringende Tor ermöglicht.

Fragwürdiger Ausschluss

Es folgte ein fragwürdiger Ausschluss gegen Schnyder, welcher die Spannung ins Spiel zurückbrachte, denn Ajoie gelang durch Sigrist der Anschlusstreffer. Und als Potocan zuerst Wiebe für einen Schubser und dann auch noch Aeschlimann in die Kühlbox schickte, drohte das Ganze tatsächlich noch zu kippen. Doch ein vorzügliches Boxplay der Oltner und ein zu ideenloses Hin- und Hergeschiebe bei den Gastgebern mit zwei Mann mehr führten schliesslich zu den letzten 60 denkwürdigen Sekunden der Partie.

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