Es ist fast schon ein wenig surreal: Von den sechs NLA-Teams im Schweizer Männer-Interclub kommen zwei aus dem Kanton Solothurn. Inmitten der grossen Schweizer Traditionsklubs wie Genève Eaux Vives, GC, Seeblick ZH und CT Neuchâtel hält sich der kleine TC Froburg Trimbach, der in diesem Jahr bereits die vierte Saison in der höchsten Spielklasse bestreitet. Neu in der Nationalliga A mit dabei ist der TC Schützenmatt Solothurn. Die Kantonshauptstädter haben letzte Saison den Aufstieg geschafft.

Am 1. August gilt es für beide Solothurner Equipen ernst. Am Schweizer Nationalfeiertag stehen die ersten Gruppenspiele der neuen Saison auf dem Programm (siehe Box). In den darauffolgenden zwei Wochen finden die fünf Gruppenspiele statt und danach – sollten die beiden Solothurner Vertreter in die Top 4 kommen – folgen auch noch die Halbfinal- und Finalspiele im Kampf um den Schweizer-Meister-Titel. Es sind also zwei äusserst intensive Wochen, die auf Trimbach und Solothurn warten.

Bewährte Kräfte und eigene Talente

Entsprechend wichtig ist eine clevere Kaderplanung, damit man die Spieler auch mal schonen oder angeschlagene Akteure ersetzen kann. Denn eines ist klar: Für die beiden Solothurner Teams wird in der Endabrechnung jeder Punkt zählen, um im Konzert der grossen Traditionsvereine im Schweizer Interclub bestehen zu können.

Nachwuchshoffnung Mirko Martinez.

Nachwuchshoffnung Mirko Martinez.

Denn sowohl was die finanziellen Möglichkeiten als auch was die Qualität des Kaders angeht, gehören sie zu den Aussenseitern. Dass das Geld und die Papierform aber nicht alles sind, haben die Trimbacher vor zwei Jahren eindrücklich bewiesen, als sie ebenfalls als Aussenseiter gestartet waren und den Schweizer-Meister-Titel gewonnen hatten. Auch im letzten Jahr haben sie die Finalrunde erreicht.

Die Mannschaft von Captain Bartolomé Szklarecki weiss also, wie man sich in der höchsten Spielklasse behauptet. Die Trimbacher halten dabei auch in diesem Jahr an ihrer Strategie fest. «Wir wollen weiter die Talente aus der eigenen Tennisschule fördern», sagt Klubpräsident Marco Meyer. Er meint damit den Grenchner Vullnet Tashi, der früher bei Bartolomé Szklarecki trainiert und in den letzten Jahren immer wieder für den Verein gespielt hat, sowie die beiden Nachwuchstalente Luca Giacomelli und Luca Keist, die beide zumindest teilweise in Trimbach trainieren.

Nachwuchstalente Luca Keist.

Nachwuchstalente Luca Keist.

Ebenfalls mit dabei sind Sandro Ehrat, der Deutsche Demian Raab und voraussichtlich auch der frühere Davis-Cup-Spieler Yann Marti. Der Walliser, der bereits in den letzten Jahren für Trimbach gespielt hat, kommt allerdings von einer Verletzung zurück. «Ob er rechtzeitig fit wird, ist noch nicht ganz klar. Ebenfalls ist noch nicht definitiv entschieden, welcher Ausländer wir auf Position eins einsetzen wollen», sagt Meyer.

Starke Schweizer gesucht

Ein starkes NLA-Kader zusammenzustellen, ist eine grosse Herausforderung. Das zeigt nicht nur das Beispiel der Trimbacher. Auch die Solothurner investierten viel Zeit, bis ihr Kader stand. «Wir dürfen pro Runde lediglich zwei Ausländer einsetzen, also ist es mindestens ebenso wichtig, viele gute Schweizer im Kader zu haben.

Als Aufsteiger ist es aber nicht ganz einfach, diese zu finden, denn es gibt nicht viele Spieler, die das nötige Niveau haben, und die meisten davon sind bereits Teil eines NLA-Teams», so Solothurns Captain Yves Derendinger. Mit Altmeister Cristian Villagran, Nachwuchshoffnung Mirko Martinez und den beiden bewährten Kräften Mathieu Guenat und Yannick Thomet, die bereits früher für die Solothurner gespielt haben, ist Derendinger aber dennoch fündig geworden.

Ebenfalls mit dabei sind die Hägendorfer Brüder Mischa und Timo Lanz, die in der letztjährigen Aufstiegssaison wichtige Teamstützen waren. «Sie werden sicher bei uns spielen, denn auch wir wollen den Spielern aus der Region eine Chance geben. Ansonsten macht es keinen Sinn, in der Nationalliga A zu spielen», sagt Derendinger.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr mit dabei ist dagegen das letztjährige Solothurner Aushängeschild Henri Laaksonen. Er wird in Amerika die Hartplatzturniere bestreiten und versuchen, sein ATP-Ranking weiter zu verbessern. Aber auch ohne Laaksonen haben die Solothurner ein Kader, mit dem sie sich berechtigte Hoffnungen machen dürfen, zumindest den Ligaerhalt zu schaffen. Dasselbe gilt auch für Froburg Trimbach.