Solothurner Kantonalturnfest
Die Jüngste turnte am besten

Die 6-jährige Elin Wicki gehört zu den jüngsten, kleinsten und leichtesten Teilnehmerinnen am Solothurner Kantonalturnfest in Balsthal. Aber definitiv auch zu den erfolgreichsten.

Michael Schenk
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Noch nicht in der Schule und schon Siegerin am Kantonalturnfest: Elin Wicki

Noch nicht in der Schule und schon Siegerin am Kantonalturnfest: Elin Wicki

Michael Schenk

Als das letzte Kantonalturnfest 2006 in Solothurn begann, hatte sie in ihrem Leben punkto «grosses Geschäft» noch kaum eine Packung Pampers verschlissen. Elin Wicki ist am Valentinstag 2006 geboren. Sechs Jahr später, am 16. Juni 2012 in Balsthal, steht die Tochter eines Südkoreaners und einer Schweizerin bereits zuoberst auf dem Podest. Und zwar im Geräteturnen auf Stufe K1. Notabene als jüngste Reck- und Bodenakrobatin im fast 80-köpfigen Teilnehmerfeld. «Sie ist ein Naturtalent, genau wie ihre grosse Schwester Murielle», erklärt Jannick Heutscher. Letzterer ist Betreuer der Geräteriege Lohn-Ammannsegg, welcher Elin Wicki angehört. Heutscher ist der Sohn von Ernst «Aschi» Heutscher. Letzterer gilt für viele rund um den Verein als Seele und treibende Kraft. Ergo steht er als solche auch hinter jedem Erfolg der Wasserämter. Auch hinter dem von Elin. Immer aufgestellt und lustig sei sie, sagt Jannick Heutscher. Und: «Wenn man ihr im Training etwas erklärt, kann sie es sofort umsetzen.» So wie ihre Schwester, die sich in Balsthal im K3 auf Rang zwei klassierte.

Käslin? «Ja, habe ich auch schon am Fernsehen gesehen», sagt Elin auf die Frage, ob sie denn die Europameisterin von 2009 im Sprung und Turnfestsiegerin am ETF 2007 in Frauenfeld kenne. Man merke: Das Reck und der Sprung gehören zu den Lieblingsdisziplinen der angehenden Abc-Schützin. Im August beginnt die Geräteturn-Kantonalmeisterin im K1 die 1. Klasse. «Ich freue mich einfach auf die Schule», sagt Elin. Angesichts der Tatsache, dass sie gegenwärtig dreimal wöchentlich Geräteturnen und einmal mit der Sektion trainiert, kommt da künftig für die 17 kg leichte und 1,18Meter kleine Turnerin einiges an sportlichem und schulischem Aufwand zusammen. Zumal sie ja auch noch einmal pro Woche Ballett-Unterricht nimmt. Klassische Tanzkunde, die die Grazie auch im Turnen noch graziöser erscheinen lässt. Durch eine Freundin, erzählt ihre Mutter, sei Elin zum Ballett gekommen. «Das ist nicht meine Freundin», kontert die Tochter energisch. «Dann halt deine Kollegin», so die Mutter. «Das ist sie auch nicht», erwidert Elin. Tja, die K1-Siegerin am KTF Balsthal weiss exakt, was sie will.

Den Pokal, den Elin für ihren Sieg in Balsthal bekommen hat, will sie «zu Hause aufstellen». Aber zuerst natürlich «daraus trinken». «Du könntest auch den Anhänger, den du gewonnen hast, da reintun», meint eine ihrer Teamkolleginnen spontan. Mit dem Anhänger ist logo die Goldmedaille gemeint. Ein anderes «Gspänli» von Elin meint: «Du könntest auch Deine Stofftierli da reinfüllen.» Klar, warum auch nicht? Könnte freilich im Moment ein bisschen eng werden in dem Kübel für Elins vereinte Stofftierli-Fraktion. Angesicht ihres Eifers, ihrer Freude am Turnen und ihrem grossen Einsatz wird der Pokal von Balsthal aber mit Sicherheit nicht der Einzige in der Karriere von Elin Wicki bleiben.

Nebst Pokal und Medaille erwartete die junge K1-Siegerin nach ihrem Wettkampf ein weiterer Höhepunkt. Für sie mindestens so toll. Sie durfte mit ihren Kolleginnen am Turnfest im Zelt übernachten. «Auch ein wesentlicher Grund», wie die Mutter sagt, warum es Elin geniesst, ins Training zu gehen und es ihr nie stinkt. Die Geselligkeit unter der Turnerschar verbindet – daran ändert sich, ob 6- oder 66-jährig, gar nichts.

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