Schiessen
Die Hoffnung des Solothurner Schützen bleibt bis zum Schluss

Der 27-jährige Jan Lochbihler aus Holderbank ist erfolgreicher Sportschütze. Er holte schon vielfach nationales und internationales Edelmetall und hält den Welt- wie den Schweizerrekord im 50-m-Dreistellungswettkampf. Doch trotz grossen Erfolgen ist der Solothurner (noch) nicht für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifiziert. Er bräuchte ein kleines Wunder, um die Qualifikation noch zu schaffen.

Laura Pirroncello
Merken
Drucken
Teilen
Jan Lochbihler aus Holderbank braucht ein kleines Wunder, um nach Tokio gehen zu können.

Jan Lochbihler aus Holderbank braucht ein kleines Wunder, um nach Tokio gehen zu können.

Patrick Lüthy

Um bei Olympia starten zu dürfen, muss man als Schütze einen sogenannten Quotenplatz bekommen. Einen solchen Platz kann man sich an Wettkämpfen erschiessen oder über die Weltrangliste bekommen. Für Lochbihler gab es Stand Anfang Februar noch zwei Möglichkeiten auf einen Quotenplatz: die EM in Polen und der Weltcup in Neu-Delhi. Mit guten Resultaten könnte er in der Weltrangliste einen grossen Sprung nach vorne machen.

Corona-Virus blockiert den Weg nach Olympia

Am Sonntag kam Lochbihler von der Europameisterschaft in Polen zurück. Aus persönlicher Sicht konnte der Schütze seine Leistung abrufen, dennoch hat es nicht für den Quotenplatz gereicht. Die beiden zu vergebenen Quotenplätze gingen an den Sieger und den Fünftplatzierten.

Die nächste Qualifikationsmöglichkeit bietet sich am Weltcup in Neu-Delhi, der am 15. März beginnt. Aktuell steht der Solothurner in der Weltrangliste auf dem 15. Platz. Jan Lochbihler müsste in Neu-Delhi möglichst gut abschneiden, um die momentane Nummer 14 der Weltrangliste, dem der Quotenplatz ebenfalls noch fehlt, zu überholen. In diesem Fall wäre der Solothurner definitiv für Tokio 2020 qualifiziert.

Doch der Weltcup in der indischen Hauptstadt steht auf der Kippe. Das Corona-Virus macht auch vor dem Schiesswesen keinen Halt. «Wir können zwar nach Neu-Delhi reisen, es könnte aber sein, dass zu wenige Verbände antreten», sagt Lochbihler. In diesem Fall würde aus dem Weltcup ein Grand Prix werden. Das Problem dabei ist, dass der Solothurner dann keine Weltcup-Punkte sammeln und somit in der Weltrangliste auch nicht weiter nach oben klettern könnte.

Der Schütze hätte danach noch eine letzte Chance, sich für Tokio zu qualifizieren. Im Mai findet in Pilsen, Tschechien ein letztes Turnier statt, mit dem sich Lochbihler eventuell noch einen Quotenplatz ergattern könnte.

Die Chancen auf eine Olympiaqualifikation stehen laut eigener Aussage schlecht. Dennoch plant er weiter alles genau gleich, inklusive den Olympischen Spielen. Er schaut aber auch schon weiter. Neben Olympia gibt es diese Saison noch einen Weltcup in München, und falls es mit der Qualifikation
tatsächlich nichts wird, hat Lochbihler einen Plan B: «Vielleicht nehme ich dann an Wettkämpfen im 300m, was keine Olympische Disziplin ist, teil. So bleibe ich im Rhythmus», sagt er.

Grössere Leistungsdichte an der Weltspitze

Der Solothurner sagt, dass die Konstellation für diese Olympiaqualifikation wohl einfach nicht richtig gepasst habe. Im Vergleich zu den Olympischen Spielen in Rio 2016 fällt dieses Jahr eine Disziplin weg. Dadurch ist die Leistungsdichte nach oben grösser geworden, die Athleten konzentrieren sich mehr auf die olympischen Disziplinen, und die dritte Disziplin wird eher ausser Acht gelassen. «Die Leistungen gingen rauf. Mit nur ein bis zwei Zehntel verliert man jetzt schon bis zu fünf Ränge», sagt Lochbihler. Dennoch sieht der Schütze auch Positives: «Im Kleinkaliber konnte ich 2019 super Erfolge erzielen.»

Die Hoffnung gibt der Schütze aber noch nicht auf. «Für Rio hatte ich am Anfang auch keinen Quotenplatz. Doch dann wurde bei den Frauen einer abgetauscht und den Männern zugesprochen», sagt Lochbihler. Vielleicht passiere ja noch ein kleines Wunder oder es ergebe sich noch ein Hintertürchen. Verdient hätte er sich die Qualifikation auf jeden Fall.