Ihre Gefährlichkeit war berüchtigt. Guido und Markus Lindemann versetzten in den 1980er-Jahren die gegnerischen Eishockey-Torhüter in Angst und Schrecken. Zusammen brachte es das Aroser Sturmduo an die hundert Einsätze im Nationaldress. Guido sammelte in seine Aktivzeit über 500 Punkte und wurde 1982 als einiger der wenigen Schweizer Spieler Topskorer der Liga. Den Lindemanns haftete nebst ihren Qualitäten auf dem Eis auch der Ruf der geselligen Brüder an.

Den urbanen Gegenentwurf zu den Lindemanns lieferten die Gebrüder Hermann. Die beiden Vorzeigefussballer der Grasshoppers liefen 130 Mal im Nationalteam auf, wobei Heinz mit 118 Berufungen nach wie vor das Prädikat Rekordinternationaler trägt.

Erfolgreiche Brüderpaare haben in der Schweiz Tradition. Philipp und David Degen, die Jehles im Handball. Die Lacigas wirbelten bei den Beachvolleyballern viel Sand auf. Peter und Pauli Jaks gaben im Eishockey international ihre Visitenkarte ab.

Den Stempel in dieser Statistik drücken jedoch Christoph und Matthias Hofbauer auf. Die Berner mit ihrem ruhigen, besonnenen Charakter bestimmen den Takt im Schweizer Unihockey seit über einem Jahrzehnt. Der 31-jährige Matthias führt die Ewigenlisten mit 126 Einsätzen und 96 Toren in der Nationalmannschaft an, sein zwei Jahre jüngerer Bruder Christoph folgt mit 101 Partien und 84 Treffern auf dem dritten Rang.

Erinnerungen an die letzte Heim-WM

Die Hofbauers sind im Unihockey zu einer Marke geworden. Sie haben in ihrer langen Karriere beinahe alles erreicht. Schweizer Meister im Multipack mit Wiler-Ersigen, Europacupsieger mit den Bernern 2005, Bronzemedaillengewinner an Weltmeisterschaften. Matthias durfte sich ausserdem zweimal als WM-Torschützenkönig ausrufen lassen.

Auf den höchsten Titel im Unihockey warten die Hofbauers bislang vergebens. Im Weg standen ihnen entweder die Schweden, die Finnen oder die aufstrebenden Tschechen. Besonders bitter war die Erfahrung an der letzten WM in der Schweiz vor acht Jahren. Damals scheiterten die Schweizer im Halbfinal an den Osteuropäern nach einem Last-Minute-Tor. Im Spiel um Platz 3 mussten sich die Schweizer mit den Hofbauers erst im Penaltyschiessen im ausverkauften Schluefweg geschlagen geben. «Das soll uns dieses Mal nicht mehr passieren», hofft Christoph Hofbauer. An der Vorbereitung sollte es nicht liegen. Der Verband hat mit einem ehrgeizigen Programm die Nationalmannschaft in den vergangen beiden Jahren fit gemacht. Swiss Unihockey und Trainer Petteri Nykky wählten neue, innovative Wege.

Wenn am Ende nicht Schluss ist

Zuletzt verbrachte die Mannschaft für den finalen Feinschliff eine Woche in Dubai, sozusagen als teambildende Massnahme. Beim gemeinsamen Mittagessen in der Berner Altstadt schwärmen die beiden von der Reise ins Wüstenemirat. «Obwohl wir schon lange dabei sind, war das eine neue Erfahrung», sagt Matthias Hofbauer begeistert. Der Marketingfachmann hatte in seiner Agenda die WM ursprünglich als seine internationale Abschiedstour rot markiert. «Jetzt bin ich nicht mehr ganz so sicher.» Er und Bruder Christoph, von Beruf Mediamatiker, sind vielmehr bestrebt, ab übermorgen Sonntag eine weitere sportliche Duftmarke abzugeben. «Der WM-Titel im eigenen Land wäre eine fantastische Sache», sprudelt es urplötzlich aus dem ansonsten so ruhigen und erfolgsverwöhnten Brüderpaar heraus.