Hornussen
Die HG Oekingen gibt es nur noch als Relikt

An Wochenende beginnt die Saison der Hornussen. Nicht mehr dabei ist die Hornussergesellschaft Oekingen, die ihren Betrieb eingestellt hat. Ein wehmütiger Blick zurück.

Carla Stampfli
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HG Oekingen
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Glasvitrine mit Hörner und Kannen im Hüttli.
Gasser und Graf (v.l) mit den Nousse am Stammtisch.
Das letzte Titel-Diplom von 2009, bevor der Betrieb eingestellt wurde.
Schindeln und Stecken stehen nach wie vor bereit.

HG Oekingen

Carla Stampfli

Vor 106 Jahren wurde die Hornussergesellschaft Oekingen in den Eidgenössischen Verband aufgenommen. Heute können sich die Mitglieder nur noch über den zweiten und geselligen Teil des Hornussens erfreuen.

Hörner zieren die hölzernen Wände. Hinter den Glasvitrinen sind Kannen ausgestellt. Um den Stammtisch herum stehen Wimpel und Diplome. Das Hüttli der Hornussergesellschaft Oekingen ist mit Preisen reichlich ausgestattet. In der Garage nebenan sind die Schindeln in einer Reihe angeordnet, der Bock ist an die Wand gelehnt, Schutzhelme liegen auf dem Regal und die Stecken befinden sich in einzelnen Rohren. Draussen auf dem Platz könnte die HG Oekingen jederzeit die Nouss ins Ries schlagen. Könnte.

Das Ende war absehbar

«Seit vier Jahren sind wir nun nicht mehr aktiv. 2009 haben wir das letzte Mal an der Schweizer-Meisterschaft teilgenommen», sagt HG-Präsident Kurt Gasser. Die HG musste ihren Aktiv-Betrieb einstellen, bleibt aber als solche weiterhin bestehen. Ein Entscheid, der schwer gefallen sei, aber absehbar war. «In den letzten Jahren waren wir zu wenig. Unsere Jungen sind weggegangen, um in einer stärkeren Mannschaft zu spielen», erklärt der Pensionierte.

In Spitzenzeiten zählte die HG über 20 Hornusser, in den 70er- und 80er-Jahren hatte sie mit Walter und Erich Gasche zwei Schlägerkönige und wurde in der 5. Liga mehrmals Schweizer-Meister – das letzte Mal 2009. Heute besteht sie aus sechs Mitgliedern. «Früher wurden die Kinder von den Vätern nachgezogen, jetzt ist das nicht mehr so. Junge interessieren sich für schnellere Sportarten und denken anders als unsere Generation», sagt HG-Kassier René Graf

Hüttli zweckentfremdet

Gleichwohl schauen die beiden Oekinger mit viel Herzblut, dass alles aufrechterhalten bleibt. Regelmässig trifft man sich im Hüttli, schwatzt über vergangene Zeiten und geniesst das Zusammensein. Das Lokal wird zurzeit umgebaut, in einer Woche soll es bezugsbereit sein; ein Vorhaben das schon seit längerem geplant war. «Um den Unterhalt zu decken, haben wir das Hüttli schon immer vermietet», erklärt Graf, der sich um die Ausführung kümmert. Es wird für Hochzeiten, Firmen- oder Privatanlässe gemietet, das Feld vom Kynologischen Verein Wasseramt benutzt. Zudem organisiert die HG für die Gemeinde Oekingen ein 1.-August-Fest auf dem Areal – in diesem Jahr bereits zum fünften Mal.

Ob sie das Schlagen und Abtun nicht vermissen? «Es kribbelt schon immer wenn ich an Feste gehe, und von einigen HG wurde ich auch schon angefragt», sagt der Kassier un schmunzelt. Der Bezug zu Oekingen sei aber stärker, viel Zeit und Geld habe man investiert, und «ändern können wir nichts mehr, wir haben es verpasst, besser zu den Jungen zu schauen.» Hin und wieder wird die Nouss aber dennoch ins Ries geschlagen. «Unsere Abgänge besitzen immer noch einen Schlüssel und können jederzeit zu uns trainieren kommen. Auch Hornusser von anderen Gesellschaften dürfen unser Feld benutzen», sagt Präsident Gasser.

Die Hoffnung lebt

Was 1907 mit der Gründung begann, versuchen die beiden «so lang mir no chöi» weiterzuführen. Die Hoffnung ganz verloren, motivierte, junge und gute Hornusser zu finden, haben sie insgeheim wohl doch nicht: In der Küche des Hüttlis nämlich, in einem Beutel verpackt, befinden sich 15 nigelnagelneue Nousse, die nur darauf warten irgendeinmal auf das Ries geschlagen zu werden.