Die Verletzungshexe fühlt sich im Kleinholz offensichtlich immer noch pudelwohl und denkt, trotz wochenlanger Präsenz, vorderhand nicht daran, das Weite zu suchen. Mit Marc Grieder, Joel Fröhlicher, Chris Bagnoud und Tim Bucher fehlten auch am Samstag gegen die Tessiner Raketen vier defensive Stammkräfte.

So mussten die Oltner aus der Not eine Tugend machen. Das bedeutete einerseits, die Verteidigungsarbeit mit der gebotenen Konzentration zu verrichten, andererseits Spieler auf Positionen spielen zu lassen, die sie nur vom Hörensagen kannten. Jay McClement, der in seiner langen Karriere fast 1000-NHL-Spiele absolviert hat, lief in Zug und einen Tag später gegen die Rockets erstmals als Verteidiger auf.

Und spielte seine Rolle so, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Aber dem war natürlich nicht so: «Es ist schon eine grosse Umstellung, bis man sich daran gewöhnt. Das Stellungsspiel ist ganz anders im Vergleich zur Center-Position», so McClement.

McClements neue Erfahrung

Als sich am Freitag nach dem kurzfristigen Ausfall von Marc Grieder abgezeichnet hatte, dass der Verteidiger-Notstand dramatische Züge annehmen würde, da beschloss der Trainer-Staff, auf das Pferd McClement zu setzen.

«Wir überlegten, wer diese Position am besten spielen kann und fragten Jay, ob er sich es vorstellen könnte.» Der Kanadier selber musste nicht lange überlegen und willigte ein: «Wieso nicht einmal etwas Neues ausprobieren?», habe er sich gesagt.

Nun: Auch wenn die beiden Gegner des Wochenendes offensiv von bescheidener Qualität waren, so zeigte sich, dass McClement der EHCO-Defensive mit seiner ruhigen Spielweise und seiner Spielintelligenz gut tut. Wirkte er in seiner angestammten Rolle als Mittelstürmer angesichts der offensiven Anforderungen bisweilen etwas verloren, so kommen seine Qualitäten als Spieler, der aus der Tiefe des Raums kommt, fast besser zur Geltung.

Zumal er gegenüber den derzeit verletzten Verteidigern Grieder, Bagnoud und Fröhlicher auch läuferisch klare Vorteile hat. Trotzdem dürfte Jay McClement spätestens dann, wenn die Verletzungshexe sich doch noch einmal aus Olten verabschieden sollte, wieder als Center auflaufen. Seinem Selbstvertrauen tun diese Erfolgserlebnisse und die Skorerpunkte (5 Assists!) mit Sicherheit gut.

Bewährungsprobe kommt am Mittwoch gegen Ajoie

Klar ist aber auch: Die Bewährungsprobe für McClement und die ganze Mannschaft kommt am Mittwoch beim TV-Spiel in Pruntrut gegen Ajoie. «Da müssen wir in der Defensive mit derselben Konzentration auftreten.

Aber auch vorne die Chancen besser nutzen», wies Bengt-Ake Gustafsson nach dem Sieg gegen die Rockets auf den grossen Schwachpunkt der Oltner hin. Es wurden beste Möglichkeiten fast im Minutentakt vergeben, so dass man den klar unterlegenen Gästen bis weit ins Schlussdrittel die Möglichkeit bot, mit einem Lucky-Punch wieder ins Spiel zu kommen.

Marc Sahlis Premiere

Für die Entscheidung sorgte dann kurioserweise ein Spieler, den man gar nicht auf der Rechnung hatte: Marc Sahli. Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Jewgeni Schirjajew (verdrehte sich im ersten Drittel das Bein, dürfte aber gegen Ajoie wieder mit dabei sein), durfte der als 13. Stürmer auf dem Matchblatt figurierende Trimbacher neben Tim Stapleton und Marco Truttmann auflaufen, machte dabei eine gute Figur und erzielte als Krönung seines aufregenden Abends mit einem schönen Ablenker das 3:0.

Es war für den 21-Jährigen, der bei den Junioren des EHCO gross wurde, im seinem neunten Spiel das allererste NLB-Tor. «Hier in dem Stadion, welches ich schon seit meiner frühsten Kindheit kenne, ein Tor zu schiessen, da ging für mich ein Bubentraum in Erfüllung», erzählte er nach dem Spiel mit leuchtenden Augen.

Der Tradition gehorchend, hatte ihm ein aufmerksamer Mitspieler sogar den Tor-Puck gesichert und auf Sahlis Garderobenplatz platziert. «Den werde ich bei mir zu Hause aufs Nachttischchen legen», verriet Sahli lächelnd.