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Die Hägendorferin Doris Schweizer fährt für das Profiteam von Fassa Bortolo

Die 22-jährige Hägendorferin Doris Schweizer fährt seit dieser Saison für das das italienische Profi-Team «Top Girls Fassa Bortolo». Dies, nachdem die amtierende Schweizermeisterin am Berg letzte Saison noch als Einzelfahrerin für das EKZ-Racing Team unterwegs war.

Michael Schenk
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Doris Schweizer ist auf gutem Weg, ihr Ziel zu erreichen.

Doris Schweizer ist auf gutem Weg, ihr Ziel zu erreichen.

Ulrich Flück

Soeben ist sie vom Giro d’Italia in ihre Heimat nach Hägendorf zurückgekehrt. «Es war ein beeindruckendes und für meine sportliche Entwicklung bestimmt wertvolles Erlebnis», hält Doris Schweizer fest. Vor allem das Einzelzeitfahren durch die «Ewige Stadt» Rom wird die «Svizzera» so schnell nicht mehr vergessen.

Fristen hierzulande die Radrennfahrerinnen ein doch eher karges Mauerblümchendasein ist das in Italien völlig anders. «Männer – und Frauenradsport sind da praktisch auf dem gleichen Niveau», sagt die Solothurnerin. Zumindest von der Popularität her. Entsprechend ist der Publikumsaufmarsch und Enthusiasmus entlang der Strecke grandioso. Rein resultatmässig musste Doris Schweizer bei ihrem Giro-Debüt ihrem Rookie-Dasein im grossen Zirkus Tribut zollen. «Es war sehr heiss und deswegen bin ich in erster Linie froh, durch die neun Etappen durchgekommen zu sein.»

Rio 2016 im Visier

Die 22-jährige Schweizerin fährt seit dieser Saison für das italienische Profi-Team «Top Girls Fassa Bortolo». Dies, nachdem die amtierende Schweizermeisterin am Berg letzte Saison noch als Einzelfahrerin für das EKZ-Racing Team unterwegs war. Mit ihrem vierten Rang an der EM im Zeitfahren in Offida (I) hat sie vor Jahresfrist international auf sich aufmerksam gemacht.

«Ich habe mich bei Fassa Bortolo nach einem Platz erkundigt und wurde ins Team aufgenommen», blickt sie auf den Start ihrer «Profi-Karriere» zurück. Profi im Frauenradsport heisst freilich nicht, dass man vom Sport sorglos leben kann wie bei den Männern. Die Spesen und Materialkosten sind wohl gedeckt – mehr indes in den wenigsten Fällen.

So muss Doris Schweizer, während der Wintermonate, denn auch irgendeinem «normalen» Temporär-Job nachgehen, um über die Runden zu kommen. Ihr Philosophie- und Germanistik-Studium hat sie der Radsportkarriere unterbrochen. «Ich möchte das aber später zu Ende führen», sagt sie. Später heisst im Idealfall dann, wenn sich ihr Traum von einer Olympia-Teilnahme erfüllt hat. London kommt für sie, die heuer an der Schweizer Meisterschaft im Zeitfahren Fünfte und auf der Strasse Neunte geworden war, zu früh. Hinsichtlich Rio 2016 dagegen ist Doris Schweizer zuversichtlich. «Dann werden ich und andere jetzt junge Schweizer Fahrerinnen in einem guten Alter sein.» Momentan stecke der Frauenradsport in der Schweiz in einer Art Neuaufbau.

«Heidi» spricht «Italiano»

Nachdem sie zu Beginn ihres Engagements bei Fassa Bortolo noch mit etlichen Problemen, etwa der Sprache, zu kämpfen hatte, hat sich die Hägendörferin inzwischen eingelebt. «Ich kann mich mittlerweile ganz gut in Italienisch verständigen», sagt «Heidi». Heidi ist ihr Übername innerhalb des Teams.

Die Schweizerin ist die einzige Ausländerin in ihrer Squadra. Auch wenn Spitzenresultate auf internationalem Parkett vorerst eher die Ausnahme bleiben werden – was Doris Schweizer an Erfahrung gewinnt, gewichtet sie mindestens ebenso hoch. An die Spitze des Klassements will sie aber spätestens Ende August an der Berg-Schweizermeisterschaft auftauchen. «Ich möchte meinen Titel verteidigen», sagt sie. Und im September auch der WM im holländischen Valkenburg weit nach vorne radeln.