Man kann nicht behaupten, dass Oltens Sportchef Marc Grieder sonderlich erfreut war, als er am Donnerstagvormittag im Kleinholz-Stadion das Mannschafts-Training verfolgte. Was ihm die Laune so verhagelte? Das wollte er nicht präzisieren. Aber das Thema war klar: Es ging um Bryce Gervais und dessen rätselhaften Gesundheitszustand. Grieder stellte sich deshalb an diesem Tag nicht die Preisfrage, sondern die Bryce-Frage: Und die lautete: «Ist er angeschlagen oder nicht? Kann er wirklich spielen oder nicht?»

In der Zwickmühle

Nach der Übungseinheit nahm der Oltner Sportchef Gervais jedenfalls ins Gebet und wollte wissen, ob er wirklich einsatzfähig sei. Die Antwort des EHCO-Söldners war klar: «Ja, ich kann spielen.» Mit einer speziellen Schiene am (im Spiel gegen Langenthal lädierten) Daumen hatte er trainiert. Und er versicherte, dass ihn die Verletzung nicht behindere.

Tatsache ist, dass Marc Grieder angesichts dieser Konstellation zum ersten Mal in seinem Amt als Sportchef in einer Zwickmühle steckt. Soll er dem Spieler weiter vertrauen und ihm weitere Chancen geben, sich zu beweisen – im Wissen, dass er – weil er nicht ganz fit ist – noch nicht auf sein gewohntes Rendement kam?

Gervais muss jetzt liefern

Nun: Der EHCO-Sportchef liess sich Zeit und entschied nach reiflicher Überlegung, dass Bryce Gervais in den beiden Spielen gegen die Zug Academy und im Cup gegen die Rapperswil-Jona Lakers zwei weitere Gelegenheiten erhält, sich zu bewähren.

Oder anders ausgedrückt: Sollte der Kanadier aber auch in diesen zwei Partien nicht auf Touren kommen, dann wird für ihn die Luft dünn und Grieder kaum darum herumkommen, sich nach einer anderen Lösung umzusehen. Auch er weiss: Der Erwartungsdruck von aussen wird nicht kleiner – selbst wenn die Resultate der Mannschaft auf dem Papier ja stimmen.

Doch die Messlatte punkto Ausländern liegt in der Swiss League hoch. In Olten nach den durchwachsenen Erfahrungen der letzten Jahre sowieso. Da mag es keine halben Sachen mehr leiden.

Verbesserung an der Verletztenfront

Immerhin: Abgesehen von der «Causa Gervais» zeichnet sich bei den Oltnern an der Verletztenfront eine klare Verbesserung ab: Am Donnerstag waren mit Ueli Huber (Gehirnerschütterung) und Silvan Wyss (Fingerbruch) zwei Rückkehrer voll im Trainingsbetrieb integriert. Die beiden Stürmer stehen Headcoach Chris Bartolone heute gegen die Zug Academy wieder zur Verfügung und werden ziemlich sicher auch zum Einsatz kommen.

Weiterhin pausieren muss Goalie Matthias Mischler (Muskelfaserriss), dessen Rückkehr frühestens im Hinblick auf das Spiel vom kommenden Mittwoch in Kloten absehbar ist. Und dann wohl auch nur in der Rolle des Ersatzmanns. Mischlers Goaliepartner Simon Rytz zeigte in seiner Rolle als temporärer Alleinunterhalter starke Leistungen. Diesbezüglich muss sich Bartolone also keine Sorgen machen.

Die Gefahr des fehlenden Fokus

Die grosse Kunst wird für den Oltner Trainer sein, dass seine Spieler die Pflichtaufgabe gegen die Zuger Nachwuchsspieler mit der nötigen Konzentration und Ernsthaftigkeit angehen. Die Gefahr besteht, dass der Fokus schon auf den Sonntag gerichtet ist. Denn das Cup-Duell und die Playoff-Final-Revanche gegen A-Ligisten Rapperswil-Jona Lakers ist von der Affiche her selbstredend ungleich attraktiver.

Klar ist aber so oder so, dass es von den Oltnern eine Leistungssteigerung braucht, wenn man gegen die angeschlagenen Lakers (siehe untenstehenden Text) eine Überraschung schaffen möchte. Die letzten drei EHCO-Darbietungen in der Meisterschaft gegen Thurgau (4:3 n. V.), Visp (3:4 n. V.) und Langenthal (2:1 n. P.) waren nicht über alle Zweifel erhaben. Und ein erstarkter Bryce Gervais würde dabei zweifellos helfen.