Am Mittelländischen in der Berner Postfinance Arena standen ihre Taschen heuer erstmals anlässlich eines Schwingfestes nebeneinander. «Wir haben uns zusammen aufgewärmt und uns während des Fests gegenseitig angefeuert», erzählt Damian Gnägi – nicht ohne Stolz. Für den zehn Jahre jüngeren Bruder des 55-fachen Kranzgewinners und Eidgenossen Florian Gnägi war es das erste Kranzfest seiner Karriere überhaupt. Im Verlauf der vorausgehenden sechs Jahre hatte er sich als Jungschwinger 55 Zweige erkämpft. Eine beachtliche Bilanz. Und als ob so hätte sein müssen, feierte Florian Gnägi am 3. Mai in Bern den wertvollsten Sieg seiner Karriere. Das, was ihm vorher oft nicht gelang, die Bösen und Renommierten in den entscheidenden Gängen zu bodigen, glückte ihm am Mittelländischen perfekt. Mit den Berner Oberländern Simon Anderegg im ersten und Matthias Glarner im Schlussgang deponierte der Seeländer Turner zwei Brocken im Sägemehl, die üblicherweise nur ganz schwer zu besiegen sind. «Ich hatte Tränen in den Augen», erinnert sich Damian Gnägi. Und der «kleine» Bruder des Siegers fährt fort: «Das war auch für mich der schönste Moment in meiner Schwingerkarriere.»

Nicht nur ein Bruder

Eindrückliche Worte, die das Sensible, das Feine, das in vielen gestählten Schwinger-Körpern pulsiert, verdeutlicht. Im Falle von Damian Gnägi auch das enge, vertraute und sehr speziell gute Verhältnis zu seinem Bruder. «Ich bin sehr stolz und glücklich einen solchen Bruder zu haben», sagt Damian. Für ihn sei Florian nicht nur ein Bruder ,sondern auch «so was wie mein bester Kollege und Freund.» Klar, dass Florian seit Kindsbeinen auch Damians grösstes Vorbild war und ist. Vater Erich holte sich 1989 in Stans den eidgenössischen Kranz. Florian Gnägi stieg 2013 in Burgdorf in den erlauchten Kreis der ganz Bösen auf. «Klar, möchte ich auch einmal den eidgenössischen Kranz holen», sagt Damian. Einen anderen, besonderen Wunsch hat Damian Gnägi indessen aber auch noch. «Es wäre wunderbar, wenn Florian und ich und unsere Cousins einmal zusammen an einem Fest den Kranz gewinnen könnten.» Die Cousins, die da heissen Lionel Gnägi, Christian Gnägi und Cyril Vonlanthen.

«Ein Vorbild in allen Belangen»

Wenn man Damian Gnägi nach Unterschieden zu seinem Bruder fragt, muss er lange überlegen. «Er ist für mich in allen Belangen ein Vorbild, und wenn er mir einen Tipp oder Rat gibt, dann mache ich das so.» Finalement kommt ihm trotzdem noch eine Differenz in den Sinn: «die Schuhgrösse.» Freilich gibt es noch einen gewichtigen Unterschied. Florian Gnägi erinnert mit seinen 188 cm und rund 120 kg eher an seinen kräftigen Vater, während Damian mit derzeit 183 cm und rund 85 kg eher seinem Onkel und 30-fachen Kranzer, Thomas Gnägi, ähnelt. Wendiger und agiler dafür weniger pure Kraft im Ring.

Von Verletzung gebremst

Am Seeländischen Schwingfest, das dieses Wochenende in Studen stattfindet, kann Damian Gnägi «leider» nicht mittun. Ausgerechnet also an dem von seinem Verein, dem TV Studen, organisierten Kranzfest. «Ich habe mich am Emmentalischen am Ellbogen verletzt», sagt der in Bühl wohnende Nachwuchsmann. Ein längere Zwangspause ist unumgänglich. «Darum werde helfen, wo Not am Mann ist», sagt Damian, «und natürlich meinen Bruder anfeuern.» In diesem Fall würde es ja keineswegs
erstaunen, wenn Florian nach dem Mittelländischen seinen zweiten Coup landete.