«Wir spielten daheim im Garten über ein Federball-Netz Volleyball», erzählt Reto von den frühen Anfängen der Giger-Brüder. «Zum Leidwesen unserer Mutter, da wir Haken in die Wände schlugen und den Rasen und die Rosenbüsche zerstörten.» Der Ärger der Eltern wird sich aber in Grenzen gehalten haben. Schliesslich lebten sie ihren Söhnen die Leidenschaft für den Sport Volleyball vor.

Mutter und Vater waren selber als Spieler aktiv und sind es heute noch als Trainer. «Unser Vater hat immer von seinen Volleyball-Abenteuern berichtet und uns diesen Sport so quasi empfohlen», lacht Reto. Als er und Bruder Noel noch keine zehn Jahre alt waren, besuchten sie in Aarau ihr erstes Schnuppertraining. «Uns hat es sofort zugesagt», erinnert sich Noel. «Und wir wussten, dass wir prädestiniert sind für diesen Sport, da beide Elternteile relativ gross gewachsen sind.» 

Wechsel ins Feindesland

Nach diversen Nachwuchs-Titeln mit Aarau stand bald der Wechsel zu Volley Schönenwerd, dem Aushängeschild in der Region, an. Kein einfacher Schritt, denn «Schönenwerd galt als der Verein, der von allen anderen Klubs der Region die Junioren abgrast», so Noel.

Anfängliche Vorurteile, denn den Wechsel hat er nie bereut: «Man kann nur Fortschritte machen, wenn man mit den Besten trainiert.» Für Bruder Reto war der Wechsel 2008 sogar zwingend. Als Teil des Junioren-Nationalteams musste er bei einem Nationalliga-Verein trainieren. Dies konnte ihm in der Umgebung nur Schönenwerd bieten. Schnell spielte er sich dort in die erste Mannschaft. «Ich habe wohl ein gutes Händchen und die nötige Technik und bin deshalb sehr schnell vorwärtsgekommen», mutmasst er. 

Mittlerweile steht der 24-Jährige bei den Niederämtern in seiner dritten Saison als Nummer-1-Passeur. Dass er überhaupt Passeur wurde, geschah nicht ganz freiwillig. Für einen Angreifer war er aber lange Zeit schlicht zu klein, nur 153 cm mass er als 17-Jähriger, ehe der Wachstumsschub doch noch kam. «Als Ausgleich klopfe ich halt im Training auf die Bälle.» Er hätte sich wohl auch als Angreifer durchgesetzt, lacht er schelmisch.

«Bis er den ersten Ball annehmen muss, dann sieht er alt aus», kontert Noel, der allerdings auch seine eigene Annahme als eher NLA-untauglich einstuft. Deshalb sei aus ihm auch kein Aussen-, sondern ein Diagonalangreifer geworden. «Das Spezielle an dieser Position ist, dass man wenig Bälle bekommt», erklärt er. «Aber wenn einer kommt, muss man ihn dann auch verwerten. Das klappt bei mir ganz gut.» Reto bestätigt: «Noel hat die typische Diagonal-Postur: gross und kräftig.»

Dumme Sprüche und ein DJ

Wegen der grossen Konkurrenz auf seiner Position musste Noel etwas länger auf sein NLA-Debüt warten und sich in der zweiten Mannschaft beweisen. Auf die aktuelle Saison hin wurde er ins Fanionteam befördert. «Nach dem NLB-Meistertitel in der letzten Saison war es höchste Zeit für den Sprung in die NLA», meint er. «Dass ich dadurch Spielzeit einbüsse, war mir klar. Für meine Entwicklung ist es aber wichtiger, dass ich in einem besseren Umfeld trainieren kann.»

Und wie reagiert der ältere Bruder auf die Wiedervereinigung der Gigers? «Es kommen mehr dumme Sprüche im Training und auf dem Weg dorthin habe ich jetzt einen DJ im Auto», schmunzelt der Informatik-Student. Reto Giger hat in den letzten Jahren mit Schönenwerd bereits eine Silber- und eine Bronzemedaille geholt und stand im letzten Jahr im Cupfinal. Diese Erfolge hat er seinem jüngeren Bruder voraus. Die ganz grossen Titel wollen die Giger-Brüder nun gemeinsam holen. «Die Titel sind schon lange das Ziel», stellt Reto klar. «Der Cup ist in dieser Saison bereits weg, jetzt müssen wir halt die Playoffs rocken.»