Früher als erwartet hat die Schweiz bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Russland die Segel streichen müssen. Entsprechend gross war die Enttäuschung bei Trainer Patrick Fischer und dessen Spielern nach dem Verpassen der Viertelfinals. «Es ist, wie wenn man den Meistertitel gewinnen will, aber bereits in der ersten Playoffrunde ausscheidet», sagt Samuel Walser. Drei Tage nach der 4:5-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Tschechien hat sich der Frust beim 23-jährigen Stürmer aus Boningen aber gelegt. «Rückschläge gehören zum Leben», sagt Walser, «wichtig ist jetzt, was wir daraus machen.»

Derselben Ansicht ist auch der Langenthaler Noah Schneeberger, der mit Walser in Russland das Zimmer teilte. «Wir haben das Turnier nicht am Dienstag verloren, sondern in den ersten zwei Gruppenspielen», sagt der 28-jährige Verteidiger. Besonders die Auftaktpleite gegen den späteren Absteiger Kasachstan habe schwer gewogen. «Ihre einzigen Punkte holten sie gegen uns, diese Bilanz spricht nicht für ein Weiterkommen», erklärt Schneeberger. Weil auch am Tag danach gegen Norwegen kein Sieg resultierte, stand die Schweiz früh unter Zugzwang. «Wir sind nervös in das Turnier gestartet», sagt Schneeberger. Ihm hätten die beiden Niederlagen gezeigt, dass sich die «kleinen» Nationen gesteigert haben. «Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Schweiz solche Spiele gewinnen muss», sagt Schneeberger. Dem pflichtet Samuel Walser bei. «Unser junges Team war super, es gab viel Gutes zu sehen», sagt er, «für den Viertelfinaleinzug fehlten uns aber die nötige Cleverness und Lockerheit.»

Samuel Walser (Torschütze, rechts) und Raphael Diaz erzielten in einer Co-Produktion das erste Schweizer Tor an der WM.

Samuel Walser (Torschütze, rechts) und Raphael Diaz erzielten in einer Co-Produktion das erste Schweizer Tor an der WM.

Aus diesem Grund ist das Duo des HC Davos mit gemischten Gefühlen von der ersten WM-Teilnahme zurückgekehrt. «Es freut mich riesig, dass ich in Russland dabei sein durfte», sagt Samuel Walser. Obwohl ihm zwei Tore gelangen, habe er die lange Saison in seinen Beinen gespürt. «Es war ein hartes Programm mit sieben Spielen auf hohem Niveau innert elf Tagen», sagt Walser. Auch Noah Schneeberger spricht von einer schönen Erfahrung – obschon er in den beiden ersten WM-Partien als siebter Verteidiger kaum Eiszeit bekam. «Ich hätte gerne auch auf dem Feld zum Erfolg beigetragen», sagt Schneeberger. Er sei zudem ein Spieler, der, je mehr Einsätze er kriegt, umso stärker spielt. Seine Situation besserte sich aber im weiteren Turnierverlauf, weil Coach Patrick Fischer nach dem missglückten Auftakt einige Änderungen in der Aufstellung vornahm. «Ich konnte mehr spielen und versuchte, Akzente auf dem Eis zu setzen», sagt Schneeberger, der beim 5:4-Sieg gegen Lettland die meiste Einsatzzeit aller Schweizer Spieler aufwies und gegen Tschechien sein erstes WM-Tor erzielte.

Als persönlichen Höhepunkt geben beide WM-Neulinge die Begegnung mit Gastgeber Russland an. «Ich hege Sympathien für ihr Eishockey und ihre Technik», schwärmt Noah Schneeberger, «deshalb war es speziell, sich mit Superstars wie Pawel Dazjuk messen zu können.»