Es kommt nicht oft vor, dass einer Mannschaft zwei Zwillingspaare angehören. Beim FC Solothurn ist dies der Fall: Nebst Jeffrey und Waylon Grosjean zählen Philippe und Sebastian Gerspacher ebenfalls zum Kader.

«Manchmal ist es für die Mitspieler schwierig, zu wissen, welcher von uns vor ihnen steht, zumal wir auch noch ähnliche Stärken und Schwächen haben», schmunzeln sie. Der Unterschied sei verraten: Philippe hat im Vergleich zu Sebastian ein kleines Muttermals auf der rechten Backe!

Als Back-ups für die Aussenverteidiger-Posten können die 18-Jährigen bereits auf mehrere Einsätze im Fanionteam zurückblicken. Philippe ist Linksfuss und Sebastian Rechtsfuss. «Deshalb sind wir für unsere unterschiedlichen Positionen prädestiniert», sagen die beiden. Der zwei Minuten ältere Philippe durfte sein Debüt bereits in der Vorsaison am 28. März 2018 bei der 0:1-Niederlage in Buochs geben.

Erblich vorbelastet

Seinen Zweiteinsatz hatte er im Heimspiel vom 28. April 2018 beim 1:0-Sieg über Luzern II. Nach der Pause ersetzte er den verletzt ausgeschiedenen Marc Du Buisson als linker Aussenverteidiger. Diesen vertrat er zudem während dessen Sprachaufenthalt in Neuseeland in den ersten sechs Spielen dieser Saison. Danach hatte Philippe nur noch einen einminütigen Einsatz am 10. November 2018 gegen Zofingen (2:0).

Auch Sebastian gab seinen Einstand auswärts: am 1. November 2018 beim 3:1-Sieg in Schötz in den letzten drei Minuten. Gleichzeitig waren es die ersten Minuten, in denen die Zwillinge erstmals gemeinsam auf dem Platz standen. Der Jüngere kam später noch auf vier Einwechslungen für 42 Spielminuten.

Angefangen haben die beiden Gerspacher als F- und E-Junioren beim FC Biberist als Sechsjährige. «Wir sind zum Fussball gekommen wegen der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland», sagt Sebastian. Zudem sind sie erblich vorbelastet durch Vater Rolf, der bei Subingen aktiv war. Mit ihm spielten sie als drei- und vierjährige Knirpse im eigenen Garten in Lohn-Ammannsegg.

Zu Solothurn kamen sie im U11-Alter. Kontinuierlich stiegen sie ins CCJL-Junioren-A-Team auf. Seit dieser Saison trainieren sie ausschliesslich mit der Erstliga-Mannschaft. «Ab und zu, wenn die Matches nicht am gleichen Tag sind, kommen wir bei den CCJL-Junioren zum Einsatz, um Spielpraxis zu sammeln», erwähnt Sebastian. So verstärkten sie am Montagabend im Halbfinal des Solothurner Junioren-A-Cups beim 3:1-Sieg in Oensingen ihre Alterskollegen.

Grosse Prüfung: Die Matura

Philippe und Sebastian Gerspacher stehen vor ihren Matura-Prüfungen. Im Profil Wirtschaft und Recht besuchen sie die gleiche Klasse. «Schule und Fussball gehen in dieser Phase gut zusammen; weil wir jetzt dreimal nachmittags frei haben und die Trainings abends sind», betonen die beiden.

Nach der Matur legen die Zwillinge ein Zwischenjahr im Zivildienst ein. Sie wollen 90 Prozent der Diensttage absolvieren, und zwar an der Tageschule der Stadt Solothurn. «Wir wollen dann beide Wirtschaft studieren, wissen aber noch nicht wo», merkt Philippe an.

«Froh um jede Minute Spielzeit»

Auch wenn sie heute im Nachtragsspiel gegen Schötz mindest zu Beginn auf der Ersatzbank Platz nehmen dürften – von den Gesperrten kehren mit Raphael Koch und Waylon Grosjean zwei bestandene Defensivspieler zurück – sehen sie ihre Rollen positiv. «Schön ist es, das Vertrauen des Trainers zu spüren», nimmt dies Philippe als Ansporn.

«Im Cup gegen Echallens durfte ich erstmals von Anfang an dabei sein, es ist anders, es ist schön, wenn man so Einlaufen kann», sieht es auch Sebastian. Mit ihren Trainingsleistungen wollen die 1,86 m grossen Zwillinge aufzeigen, dass sie bereit sind. «Wir wollen Alternativen für unseren Trainer bei Ausfällen sein und sind deshalb um jede Minute Spielzeit froh», sagt Sebastian. «Wir wollen uns mittelfristig mit unseren Trainingsleistungen für die Startelf empfehlen», ergänzt Philippe.

Er betrachtet die Ausgangslage als gut: «Wichtig ist, dass wir auch gegen vermeintlich schwächere Teams gewinnen; Schötz ist individuell und spielerisch stark, wenn man es zulässt.»