Die Frauen des Sportclubs Derendingen (SCD) schaffen die Sensation und steigen in die Nationalliga A auf. Sie siegten gegen den FC St. Gallen mit dem geforderten Unterschied von zwei Toren. Das bedeutet, dass die Derendingerinnen ab sofort das höchstklassierte Team im Kanton Solothurn sein werden und in Zukunft gegen Basel, Zürich, GC, Luzern, YB … spielen werden.

Niemand hatte am Anfang dieser Saison einen solchen Exploit erwartet. Die Derendingerinnen hatten am Ende der ersten NLB-Saison vier Abgänge zu verzeichnen, die allesamt durch eigene Juniorinnen ersetzt wurden. Ein Glücksfall war der Zuzug von Nadine Scheidegger auf die Rückrunde hin. Sie schnupperte während 1 ½ Jahren beim FC Basel NLA-Luft und bedeutete für die Derendingerinnen in der Offensive eine echte Verstärkung.

Die Mannschaft feiert den Sieg.

Die Mannschaft feiert den Sieg.

Wegweisende mentale Arbeit

«Wir haben uns mental entsprechend vorbereitet, denn fussballerisch haben wir kein Problem», berichtet Trainer Urs Bachmann von den letzten zwei Wochen. Konkret habe er viele Gespräche vor allem im Team geführt. «Unser Motto lautete: St. Gallen muss gewinnen, wir wollen gewinnen.» Die Fussballerinnen sollten alle das gleiche Ziel vor Augen haben. «Wir haben uns an die positiven Dinge der letzten Wochen erinnert, den Sieg gegen Aarau, das Unentschieden im Testspiel gegen die höher klassierten Baslerinnen. An Teamsitzungen arbeiteten wir in der Taktik.»

Dass die Derendingerinnen im Spiel dann früh in Führung gingen und kurz darauf nachdoppelten, sei natürlich ein Traum gewesen, so Bachmann. «Die St. Gallerinnen waren wahrscheinlich überrascht, dass wir von Beginn weg dominant auftraten.»

Nachwuchs bleibt im Gespräch

Keine Gespräche führte Urs Bachmann bisher in Sachen Vertragsverlängerungen. «Ich habe das Team diesbezüglich bewusst währen den Aufstiegsspielen in Ruhe gelassen.» Er gehe davon aus, dass sich wenig verändern wird. Abgesehen von Rücktritten hoffe er, das Team zusammen halten zu können. Drei Zugänge von jungen Spielerinnen aus der Region, die beim FC Basel kicken, stehen bevor. Auch aus der eigenen U 19 stehen drei Frauen unter Beobachtung und Trainer Urs Bachmann vor dem Entscheid, ob er sie ins Kader des ersten Teams berufen wird. Vielleicht gehe auch noch ein Türchen auf und eine Spielerin aus der Region, die bei YB oder Basel spielt, wechselt nach Derendingen. «Wir wollen aber weiterhin auf die Jungen setzen.» Diese Aussage sei ein wichtiges Signal für nachrückenden Fussballerinnen.

Ausgerechnet mit Trainer Urs Bachmann ist das Vertragsverhältnis noch nicht geklärt. «Für die Nationalliga A habe ich keinen Vertrag.» Aber über die entsprechende Ausbildung verfüge er, und die Bereitschaft weiterzumachen ist vorhanden.

Der Verbleib in der Nationalliga A wird aber auch mit Trainer Urs Bachmann mehr als schwierig. Der Verband reduziert die Anzahl Teams in der Nationalliga A in der kommenden Saison von 10 auf 8. Die vier Teams, die zum Saisonende am Ende der Tabelle der Nationalliga A liegen, spielen gegen die zwei besten Nationalliga B-Teams um zwei Plätze in der höchsten Liga. «Wir sind neben den arrivierten Klubs der Provinzklub», macht sich Bachmann keine
Illusionen.

Frauenfussball wird kaum beachtet

Die Derendingerinnen hoffen nun auf mehr Aufmerksamkeit. Nach wie vor verpassen Spielerinnen wegen ihrer Arbeit Spiele. «Das ist wohl frauenspezifisch. Die Akzeptanz fehlt mancherorts», sagt der Trainer. Auch abseits des Spiels könnten Klub und Gemeinde für Verbesserungen sorgen. «Uns fehlt ein Kunstrasen.» Die Testspiele und die ersten Heimspiele im Frühjahr müssten auswärts durchgeführt werden, weil der Platz auf der «Heidenegg» gesperrt ist. Ausgewichen wird nach Bern. Beim Kunstrasen hofft Bachmann nicht auf ein Feld, das für Meisterschaftsspiele genutzt werden könnte. Ein kleineres Feld im Ausmass von zwei Sechzehnern würde für das Training reichen.

Der Trainer kann zufrieden sein mit der Leistung seines Teams. «Wir starteten vor zwei Jahren das Projekt Aufstieg und hätten nie gedacht, dass wir jetzt schon so weit kommen würden.» Auch die weiteren Strukturen seien vor anderthalb Jahren angepasst werden. Kontakte zu Wirtschaft, Politik und Gemeinde bestünden. Was noch fehlt, ist ein Hauptsponsor. Ein Projekt, das perfekt auf Erfolgstrainer Urs Bachmann zugeschnitten ist. Erledigt er im Verein doch auch den Bereich Marketing.