Laufsport
Die Frau, auf die Martina Strähl baut

Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder, trainiert täglich und sorgt bei der Oekingerin Martina Strähl für die mentale Wellness: Bettina Steiger.

Daniel Weissenbrunner
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Auf Augenhöhe: Martina Strähl und Bettina Steiger trennen vierzehn Jahre, was sie nicht davon abhält, eine enge Freundschaft zu pflegen.

Auf Augenhöhe: Martina Strähl und Bettina Steiger trennen vierzehn Jahre, was sie nicht davon abhält, eine enge Freundschaft zu pflegen.

zvg

Was stand in dem Brief? Es waren Stichworte. «Ein Manual für vor, während und nach dem Lauf.» Bettina Steiger gab Martina Strähl einige Mentaltipps für den EM-Marathon mit auf den Weg. «Das Resultat kann sich sehen lassen», findet die 41-Jährige. «Martina fiel während des ganzen Rennens in kein Tief.» Rang 33, in 2:42,21. «Ziel in dem Sinn erfüllt.»

Zwei Bergläuferinnen finden sich

Strähl und Steiger verbindet eine ungewöhnliche Beziehung. Sie trennen vierzehn Jahre Altersunterschied, dennoch bezeichnen sie sich als beste Freundinnen. Sie lernten sich an der Berglauf-WM vor zwei Jahren kennen und schätzen. Steiger staunte nicht schlecht, als sie erfuhr, dass eine ambitionierte Läuferin wie Strähl von keinem Mentalcoach betreut wird. So kam die Baslerin zu ihrem Nebenjob. «Obwohl ich gar keine entsprechende Ausbildung habe.» Bettina Steiger eignete sich das Fachwissen während ihrer langen Laufbahn an. Sie war erfolgreiche OL-Läuferin. Als Junioren war sie im Nati-Kader. Sie lief zum Vize-Meisteritel im Halbmarathon und sie entdeckte für sich – wie Martina Strähl – ihre Leidenschaft, den Berglauf.

Mit dem Sohn im Schlepptau zur Hochform

Heute Sonntag startet sie am Weissensteinlauf, der letzte Wettkampf der diesjährigen Jura Top Tour. Bettina Steiger führt in ihrer Kategorie überlegen. Sie gewann fünf von acht Rennen. Die zweifache Mutter befindet sich in einer beneidenswerten Verfassung. «Ich darf es fast nicht sagen, aber ich fühle mich so gut wie noch nie.» Das hängt nicht zuletzt mit ihren unkonventionellen Trainingsmethoden zusammen. Auf ihren Laufstrecken schiebt sie den jüngeren Sohn Louis im Kinderwagen oder sie zieht den sechsjährigen Ivan auf dem Velo an einer Leine befestigt den Berg hoch. Von Enttäuschungen ist auch die gelernte Primarlehrerin nicht gefeit. Ihr Saisonziel, die Qualifikation für die Berglauf-WM verpasste sie. «Das war ein herber Dämpfer und hat mich extrem gefuchst», sagt die Ehefrau des früheren OL-Läufers Erik Steiger, der nebenbei – ihr Mentaltrainer ist.