«Zieh, zieh, zieh!» – Es sind die Worte des Ansporns, die in jedem Pendelstafetten-Lauf mal zu hören sind. Durchziehen soll der Vereinskollege im Sprint über die volle Distanz von 80 Metern – und oftmals weit über die Ziellinie hinaus.

In der Wöschnau im Aarauer Schachen laufen die Turnvereine bei der Pendelstafette auf einem holprigen Rasen von A nach B um die beste Zeit und die Bestnote 10.00. Sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen pro Verein mindestens am Start sein, gegen oben ist die Anzahl offen. Die Hälfte des Vereins rennt im Einzellauf hin, die andere Hälfte zurück. Der Start des einen ist also das Ziel des anderen. Dabei darf der Starter die Start-/Ziellinie nicht überqueren, ehe sein Vorläufer diese passiert hat. Sonst gibt es zwei Sekunden Zeitstrafe.

Turner in Fussballschuhen

Am Start sind am Donnerstagmorgen auch zahlreiche Solothurner Turnvereine. Turner sind Frühsportler. Schon vor acht Uhr laufen sich die ersten Teilnehmer warm. Bereits gegen 8.30 Uhr ist die Stimmung aufgeladen. Der TV Gunzgen ist mit 16 Läufern und 6 Läuferinnen am Start. Die Pendelstafette war in den vergangenen Wochen ein Fixpunkt in ihrem Training, an dem teilweise gegen 40 Personen teilgenommen haben.

«Ich finde die Pendelstafette richtig geil. Man kann innert kürzester Zeit an sein Limit gehen», sagt Oberturner Michael Büttiker. Sie sind zufrieden mit ihrem Auftritt, kennen aber die Tücken. «Wenn man mal den Tritt verliert, kommen dir die 80 Meter endlos vor. Zum Glück aber hat alles geklappt», so Büttiker. Den Tritt verlor ein Läufer aus Egerkingen, als er sich in der Hälfte der Strecke eine Zerrung zuzog und sich gerade noch über die Ziellinie schleppte.

Doch sonst lief es auch ihnen nach Plan, obwohl sie die eine oder andere Zehntelsekunde bei der Übergabe wohl noch hätten herausholen können. «Es fägt. Sobald man startet, bekommt man einen Adrenalinschub und gibt sein Bestes», so Peter Studer.

«Auf eure Bahnen», ruft Startrichter Kurt Frei, ehe die eine Hälfte sich ans andere Ende des Laufzelts aufmacht, um dann bereit zu sein, wenn der Startläufer kommt. Löst Kurt Frei die Startklappe aus, wandelt sich das provisorische rund 150 Meter lange Zelt schlagartig in eine gewaltige Festhütte. Die Stimmung elektrisiert, die Läufer werden getragen von den Zuschauern.

Eine geballte Ladung Körpereinsatz: die Pendelstafette im Video

Details sind am Schluss egal

Das geschulte Auge von Startrichter Kurt Frei kann dabei den Unterschied eines erfahrenen Leichtathletik-Läufers und eines Turnallrounders nach wenigen Sekunden Laufzeit erkennen. Hier die dynamischen Techniker, dort die polysportiven Vollgas-Sprinter. «Pendelstafette ist eine Disziplin für alle. Das macht es doch aus, genauso wie das gesamte Turnfest», sagt Kurt Frei und lacht.

Mit jedem Verein wird die Spur im Gras etwas tiefer. Viele Leichtathleten treten trotz ungewohnter Unterlage mit professionellen Laufschuhen, die dank Nägeln auf der Schuhsohle besseren Halt versprechen. Die Turnallrounder setzen hingegen auf Fussballschuhe. Viele starten aber auch ganz ohne Extragrip, andere sogar barfuss. Die Gefahr, umzuknicken, ist in Aarau eher gering. Der Regen ausserhalb des Laufzeltes macht die Unterlage jedoch etwas rutschiger.

Am Schluss sind solche Details völlig egal. Man klatscht sich ab, gratuliert für die mal bessere, mal durchzogene Leistung. «Andere Vereine trainieren die Pendelstafette seriös. Wir machen das alles sehr spontan und setzen auf die Erfahrung», sagt Daniel Meier, technischer Leiter von Biberist aktiv. Und Alexandra Bürgi vom TV Kestenholz ergänzt: «Was zählt, ist die Atmosphäre, das Miteinander, das gemeinsame Sporttreiben. Das ist hier noch stärker der Fall als bei anderen Disziplinen.»

Faszination Pendelstafette.