Eishockey
Die Falken fliegen noch – aber tief

Die Huttwil Falcons kämpfen in der 2. Liga unter erschwerten Bedingungen. Nach der Niederlage gegen den EHC Buchenberg hat der Club nach drei Runden noch keinen Punkt auf seinem Konto. Ziel bleibt Rang 8 und damit der Verblieb in der 2. Liga

Michael Schenk
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Falcons Goalie Tobias Gfeller kann sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen.

Falcons Goalie Tobias Gfeller kann sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen.

Marcel Bieri

Er sei ständig dabei zu erklären, dass es die Huttwil Falcons noch gebe, erzählt Bernhard Grunder. Grunder ist Teamchef der 2.-Liga-Equipe. Jener Falken, die organisatorisch eigentlich nie etwas mit den «ausgestorbenen» 1.-Liga-Falcons zu tun hatten.

Zur Erinnerung: Die Falcons sind letzte Saison Amateurmeister geworden und hätten in die NLB aufsteigen wollen. Da sie jedoch der Lizenzierungskommission die notwendigen Unterlagen zu spät eingereicht hatten, durften sie nicht. Der langen Posse kurze Bilanz: Die 1.-Liga-Falcons gibts nicht mehr, und da Verwaltungsrat und Mehrheitsaktionär Markus Bösiger vom Typ her eine Art Oberaargauer Chris McSorley ist, gibts in Bösigers Sportzentrum Huttwil heuer auch kein Eis mehr.

Wie vor 20 Jahren

Die Erfolgsgeschichte der Falcons ist ergo passé. Es sei denn, die 2.-Liga-Equipe, die im Mai 2010 allein aus Solidarität zu den 1.-Liga-Falcons den gleichen Namen annahm (vorher EHC Napf), würde völlig durchstarten. Momentan sind die 2.-Liga-Falken indes damit beschäftigt, eine Bruchlandung zu vermeiden. Nach der 2:3-Niederlage gegen Bucheggberg herrscht auf dem Punktekonto nach drei Runden die totale Leere. «Unser Ziel ist der achte Rang, damit wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben», sagt Grunder. Der Teamchef der Falken kommt sich vor wie vor 20 Jahren. «Damals», erzählt er, «mussten wir mit dem EHC Huttwil nach Liestal und Reinach ins Training fahren.» Damals aber gab es noch keine Eishalle im Dorf.

Die trocken gelegten Huttwiler haben in Burgdorf Asyl gefunden. Die Junioren sind in der Organisation der Brandis Juniors integriert und die Frauenmannschaft gänzlich zu Brandis transferiert worden. «Dort haben sie bessere Trainingsmöglichkeiten als bei uns», sagt Grunder schmunzelnd. In der Tat: Die 2.-Liga-Mannschaft der Falcons trainiert aktuell nur einmal pro Woche – von 22.20 bis 23.30 Uhr in Burgdorf.

Die Spiele finden in Burgdorf oder Hasle-Rüegsau statt. «Ich bin froh, dass sich die Spieler entschlossen haben, dieses Ding durchzuziehen», so der engagierte Grunder. Der Personalbestand reicht gegenwärtig im Idealfall für genau drei Blöcke. Vier Spieler (Thomas Begert, Marc Rentsch; beide zu Koppigen, Sven Knothe und Martin Kohler; berufliche Gründe) haben das Team auf diese Saison hin unter den gegebenen Umständen verlassen. Nur einer, Lars Sommer (ex-Langenthal), ist gekommen.

29. Trainerkandidat hat zugesagt

An der Bande hat Toni Neuenschwander Bruno Habisreutinger abgelöst. Neuenschwander, unter anderem mit den Frauen von Langenthal und Lyss Schweizer Meister, war der 29. Kandidat, den Grunder angefragt hat. «Ich hätte kaum 29 Trainer fragen müssen, bis einer zugesagt hätte, hätten wir Eis in Huttwil». Letzte Saison hätten sie zwei Mal wöchentlich zu guten Zeiten in Huttwil trainiert, jetzt noch einmal zur Unzeit in Burgdorf. Die Aussicht, dass das Sportzentrum Huttwil einst wieder Eis sieht, hat Grunder freilich nicht aufgegeben: «Wenns Eis gibt, sind wir nicht böse. Aber ich wage keine Prognose mehr.» Nun, ein Gutes hat der Fall der grossen Falcons für die kleinen Falken: Finanziell geht es dem Klub gut. Statt zwei Mal 270 Franken pro Stunde fürs Eis in Huttwil zahlen die 2.-Liga-Falken nun noch einmal 180 Franken pro Stunde fürs Eis in Burgdorf.

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