Handball 1. Liga
Die Damen des HV Olten steigen ab: «Das war ein richtiger Schock für uns»

Die Männer des HV Olten schaffen den Ligaerhalt, die Frauen dagegen müssen den Gang in die 2. Liga antreten. Mit dem Abstieg hat niemand gerechnet. Was bleibt, ist eine Jetzt-erst-recht-Stimmung.

Raphael Wermelinger
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André Bichsel muss mit den HVO-Frauen in der 2. Liga einen neuen Anlauf nehmen.

André Bichsel muss mit den HVO-Frauen in der 2. Liga einen neuen Anlauf nehmen.

MM

Der Super-GAU ist eingetroffen: Die Frauen des HV Olten steigen in die 2. Liga ab. Mit diesem Worst-Case-Szenario habe vor der Saison niemand gerechnet, sagt Trainer André Bichsel: «Das war am Schluss ein richtiger Schock für uns.»

Dabei hatte es lange Zeit so ausgesehen, als müssten die Oltnerinnen nicht einmal in die Abstiegsrunde. Am Ende der Qualifikationsphase hatte der HVO gleich viele Punkte auf dem Konto wie Rotweiss Thun. Nur wegen des um drei Tore schlechteren Torverhältnisses verpasste Bichsels Team den zweiten Tabellenrang in der Gruppe 3 der 1. Liga und somit den Einzug in die Finalrunde.

Handball 1. Liga

Frauen

Schlussrangliste Abstiegsrunde (je 10 Spiele): 1. Zofingen 14. 2. Leimental II 12. 3. La Chaux-de-Fonds 12. 4. Muotathal/Mythen Shooters 10. 5. Herzogenbuchsee II 8. 6. Olten 4.

Resultate HV Olten: Leimental II (a) 16:28, La Chaux-de-Fonds (h) 20:21, Muotathal/Mythen Shooters (a) 16:25, Zofingen (h) 27:20, Herzogenbuchsee (a) 27:22, Leimental II (h) 22:23, La Chaux-de-Fonds (a) 18:21, Muotathal/Mythen Shooters (h) 24:25, Zofingen (a) 18:19, Herzogenbuchsee (h) 19:27.

Männer

Rangliste Abstiegsrunde (je 12 Spiele): 1. Muotathal 19. 2. Herzogenbuchsee 18. 3. Olten 17. 4. Lyss 12. 5. Emmen 10. 6. Wacker Thun II 9. 7. Wahlen Laufen 3. 8. Lausanne 0.

Resultate HV Olten: Wacker Thun II (h) 27:24, Lyss (a) 22:31, Muotathal (a) 19:21, Emmen (h) 35:33, Wahlen Laufen (a) 22:19, Lausanne (h) 29:13, Herzogenbuchsee (a) 26:25, Wacker Thun II (a) 29:24, Lyss (h) 25:23, Muotathal (h) 28:28, Emmen (a) 28:25.

Die letzten zwei Saisonspiele: Lausanne – Olten (21. April, 21.00), Olten – Herzogenbuchsee (29. April, 16.00).

«Wir hatten eine gute Saisonvorbereitung und zeigten von den Leistungen und Resultaten her eine sehr vernünftige Qualifikation», blickt der 47-jährige Trainer zurück. «Dass wir die Finalrunde trotzdem so knapp verpassten, war der Knackpunkt der Saison.»

Nicht bereit für die Abstiegsrunde

Tatsächlich klappte nach der Weihnachtspause gar nichts mehr: Mit drei Niederlagen in Serie verpassten die Oltnerinnen den Auftakt in die Abstiegsrunde komplett. Nach den Erfolgen gegen Zofingen und Herzogenbuchsee machte es zwischenzeitlich den Anschein, als könnte sich Bichsels Team doch noch einmal fangen.

Doch in den letzten fünf Spielen kamen keine Punkte mehr dazu. «Es sind mehrer Faktoren zusammengekommen», begründet André Bichsel den Fall in die 2. Liga. «Nachdem wir das Ziel Finalrunde nicht erreicht hatten, waren wir im Kopf nicht sofort bereit für die Abstiegsrunde.»

Und dann habe im ungünstigsten Moment auch noch die Verletzungshexe zugeschlagen. Für Lina Büttiker war die Saison nach einem Kreuzbandriss gelaufen, Jennifer Rohr und Nadia Colvin waren angeschlagen. Diese Ausfälle hätten zu viel Substanz gekostet, so Bichsel: «Unser Kader war eh schon relativ schmal. Am Schluss hatten wir dann gar keine Luft mehr. Den Ausfall von drei Stammspielerinnen hätten auch unsere Konkurrenten in der Abstiegsrunde nicht kompensieren können.»

Jetzt-erst-Recht-Stimmung

Für einen Saisonrückblick sowie einen Ausblick auf die kommende Spielzeit trommelte André Bichsel das Team am vergangenen Donnerstag noch einmal zusammen. Es habe eine Jetzt-erst-recht-Stimmung geherrscht, sagt Bichsel, der Trainer der HVO-Frauen bleibt. «Klar wird es nun auch Abgänge geben», äussert er sich zur Kaderplanung, «doch im Grossen und Ganzen bleibt die Mannschaft zusammen.

Das Kader werden wir mit U18-Juniorinnen aufstocken können.» Bichsel stellt klar, dass nach dem Abstieg nun nicht in den Zweitliga-Modus geschaltet werde: «Wir werden nächste Saison eher noch mehr trainieren, um den direkten Wiederaufstieg zu schaffen.»

Männer müssen nie zittern

Noch nicht ganz vorbei ist die Saison für die Männer des HV Olten. Nachdem sie den Einzug in die Finalrunde ebenfalls nur hauchdünn – ein Punkt fehlte – verpasst hatten, liegen sie in der Abstiegsrunde zwei Spiele vor dem Ende auf dem dritten Platz und sind bereits gerettet.

«Zittern mussten wir eigentlich nie richtig, aber wir sind natürlich froh, dass es auf die letzten Spiele nicht mehr ankommt», äussert sich Trainer Hanspeter Arnold. «Wir leisteten uns in der Qualifikation leider einen Ausrutscher zu viel, ich war aber immer überzeugt, dass wir die Abstiegsrunde gut überstehen.»

Positives Saisonfazit

Da es nicht für die Finalrunde gereicht habe, sei die Enttäuschung vor den Weihnachtsferien gross gewesen. Mittlerweile könne er aber ein positives Saisonfazit ziehen: «Weil es ums nackte Überleben geht, ist die Abstiegsrunde eine grosse Herausforderung für jeden Spieler. Ich denke, diese Erfahrung wird meine Mannschaft einen grossen Schritt weiterbringen.»

Die Arbeit mit dem HVO-Fanionteam bereite ihm sehr viel Spass, weswegen er diese in der kommenden Saison auch fortsetzen werde. Auch beim Team werde es kaum grosse Veränderungen geben: «Bei den Junioren kann es zu Wechseln kommen. Und wir suchen noch zwei Verstärkungen, vor allem für den Spielaufbau.»