Geht es nach den Vorstellungen der aktiven Oltner Fanszene, würde das vierte Derby der Saison vom 28. Dezember in Langenthal ohne Gästefans über die Bühne gehen. Mit einem Boykott wollen sie ein Zeichen setzen, einen «Denkanstoss» geben – und zwar in Richtung der Verantwortlichen des SC Langenthal.

Die Wellen der Aktion haben den Derbygegner, eine Woche vor dem Spiel, längst erreicht. So stand die regelmässige Medieninformation des SC Langenthal vom gestrigen Donnerstag ganz im Zeichen der geplanten Aktion. Der Tenor: Bezüglich Infrastruktur akzeptiert man die Vorwürfe grundsätzlich, will aber nichts wissen von Unzulänglichkeiten oder gar Provokationen im Sicherheitsbereich.

Emotionen lieber auf, statt neben dem Eis

Man hätte die Emotionen lieber auf, statt neben dem Eis, meinte SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf zu den hohen Wellen im Vorfeld des Derbys, doch das gehöre nun einmal dazu. Mit den beiden Teams in den Top 4 habe man eine spezielle Ausgangslage, welche unter den Zuschauern umso mehr Emotionen hervorrufe. Man sei sich der infrastrukturellen Probleme natürlich bewusst, betonte Kämpf.

160000 Franken investiert

So wurde nach den letzten Playoffs, zusammen mit der Kunsteisbahn Langenthal, ein integrales Konzept erarbeitet, um gewisse Umbauten zu realisieren – vor allem im Gästesektor, mit der Entfluchtung als zentralem Punkt. «Leider», so Kämpf, «hat die Zeit dafür bis zum ersten Derby nicht gereicht. Für das Spiel vom 28. Dezember sind aber gewisse Verbesserungen bereits umgesetzt.» 160000 Franken investiert die Kunsteisbahn Langenthal in die laufenden Umbauten und erfüllt damit ganz konkrete Auflagen der Gebäudeversicherung. Rund eine Million hatte der SC Langenthal bereits nach dem Aufstieg vor zehn Jahren aus der eigenen Tasche in diverse erforderliche Umbauten (u.a. zusätzliche Tribünen) gesteckt.

Kantonspolizei lobt Oltner Fans

Keine Vorwürfe gestand der SC Langenthal hinsichtlich der Sicherheitskontrollen ein. «Wir machen nichts, was in anderen Stadien nicht auch so oder ähnlich praktiziert wird», meinte der von diversen Oltner Fans kritisierte Sicherheitschef Leo Locher – er habe absolut keine Kenntnis von irgendwelchen Provokationen. «Wenn wir 1000 Schnäuze reinbringen müssen, gibt das, bei unserem Verfahren, automatisch einen Zapfen», da die Gästefans trichterartig ins Stadion gelotst würden.

Das Anstehen vor dem Stadion habe nichts mit Provokation zu tun, vielmehr müsse man gewisse Kontrollen ganz einfach umsetzen, welche auch von Verbandsseite auferlegt würden. Dass sich der Einlass ins Stadion derart hinziehe, dafür seien ausschliesslich infrastrukturelle Gründe schuld. Seine Message: «Wenn ihr weniger lange anstehen wollt, dann kommt früher. Das Catering ist schon lange vor Spielbeginn in Betrieb.»

Pyros in Schuhen versteckt

Angebracht sei auch das Kontrollieren der Schuhe, das betonten sowohl Locher als auch Simon Schär von der Kantonspolizei Bern. Besonders Schuhe seien in der letzten Zeit ein beliebter Ort für den Transport der unerlaubten Pyrotechnik geworden. Locher: «Ich muss akzeptieren, dass ein paar mit diesen Massnahmen nicht zufrieden sind. Bei einem Verdacht wird aber kontrolliert. Basta.»

Sehr positiv äusserte sich Simon Schär über die Oltner Fans. «Ich möchte ihnen grundsätzlich ein Kränzchen winden, besonders der letzte Marsch zum Stadion war vorbildlich! Wir können sehr tief fahren mit dem Bestand an den Spielen – das kann man absolut nicht mit einem Aufgebot an Spielen des FC Basel oder des FC Zürich vergleichen.»

Längere Wartezeiten unvermeidbar

Zufrieden zeigt sich Schär auch mit dem Angebot der Fanbusse, welche die Fans nach dem Spiel vom Stadion zurück nach Olten bzw. Langenthal bringen. Dass es dabei zu längeren Wartezeiten komme, sei unvermeidbar: «Die Busse müssen zusammenbleiben und im Konvoi fahren, weil wir sie begleiten und sie deshalb als Ausnahmetransport gelten», so Schär. Verzögerungen beim Füllen der Busse, zum Beispiel hervorgerufen durch das gemütliche Austrinken des Biers oder dem Fertigrauchen der Zigarette, wirkten sich deshalb auf alle Oltner Fans gleichermassen aus.

Bezüglich der kritisierten Videoüberwachung im Stadion sprach Schär zudem von einem absoluten Minimum, «im Vergleich zu anderen Stadien. Zudem werden die Aufnahmen, falls nichts passiert, innert 24 Stunden gelöscht.» Auch juristisch sei die Überwachung kein Problem, ergänzte Philipp Schärer vom Büro für integrale Sicherheit: «Hier geht es um den Schutz der Zuschauer, also darum, dass man eine Minderheit erkennen und damit die grosse Mehrheit schützen kann.»