Schwingen

Die «Bösen» hören auf sein «Halt!»

Unparteiisch und unbestechlich: Reto Stampfli aus Flumenthal in seiner offiziellen Kampfrichtertracht.

Unparteiisch und unbestechlich: Reto Stampfli aus Flumenthal in seiner offiziellen Kampfrichtertracht.

Wegen einer Knieverletzung musste Reto Stampfli seine Schwingkarriere früh beenden. Seinem Sport ist er aber dennoch treu geblieben. Als Kampfrichter bereitet er sich akribisch auf den Saisonhöhepunkt, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Burgdorf, vor.

Schwingen ist kein Sport für Zartbesaitete. Im Sägemehl geht es richtig zur Sache. Die kräftigen Schwinger mit einem meist stattlichen Kampfgewicht von 100 Kilogramm und mehr schenken sich nichts. Schliesslich kommt die Bezeichnung «die Bösen» ja nicht von ungefähr. Doch egal, wie böse sie sind und unabhängig davon, ob sie Wenger, Forrer oder Gisler heissen, eines haben sie alle gemeinsam: Sie gehorchen Reto Stampfli.

Erstmals am Eidgenössischen

Der 35-Jährige aus Flumenthal ist Kampfrichter. Obwohl er dafür noch vergleichsweise jung ist, gehört er bereits zu den Besten seines Fachs. In diesem Jahr wurde er von der Delegiertenversammlung der Nordwestschweiz erstmals fürs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest Ende August in Burgdorf gewählt. «Ich freue mich sehr auf das Fest. Die Atmosphäre und die vielen Zuschauer machen es zu etwas Einzigartigem. Man merkt auch den Schwingern an, dass es um mehr geht als an anderen Wettkämpfen», blickt Stampfli voraus.

In drei Gruppen eingeteilt

Das «Eidgenössische» ist aber nicht nur wegen der Stimmung und des Publikums speziell, sondern auch weil der Schwingsport dann grosse mediale Aufmerksamkeit geniesst. Dadurch rücken auch die Kampfrichter in den Fokus. Deren Leistungen waren in der Vergangenheit nicht immer über jeden Zweifel erhaben. «Dieses Manko bemerkte man auch beim Eidgenössischen Schwingerverband und hat reagiert», so Stampfli. Seit zwei Jahren gibt es eine Kampfrichterkommission, welche die Kampfrichter bei der Arbeit beobachtet und sie ihren Leistungen entsprechend in drei Gruppen einteilt. In Jahren mit eidgenössischen Anlässen werden aus der stärksten Gruppe die Besten ausgewählt, um an den wichtigsten Festen des Schwingsports zu richten.

Verbesserungspotenzial in Sicht

«Das ist sicher ein guter Weg. So wird für die Kampfrichter ein Anreiz geschaffen, mehr Einsätze zu übernehmen und sich zu verbessern, damit sie auch an Grossanlässen eingesetzt werden», findet Stampfli. Trotzdem sieht der Solothurner noch Verbesserungspotenzial. Die jährlich stattfindenden Abendkurse, die für alle Kampfrichter obligatorisch sind, sollten seiner Meinung nach wieder eine praktischere Ausrichtung erhalten. Zudem sollten die Feedbacks direkt nach den Wettkampftagen konstruktiver und persönlicher sein.

Stampfli, der zurzeit als Unterhaltsmechaniker arbeitet, jedoch nächstes Jahr den Bauernhof seiner Eltern übernehmen wird, ist seit acht Jahren Kampfrichter. Zuvor war er selbst ambitionierter Schwinger, musste wegen einer gravierenden Knieverletzung seine Aktivkarriere jedoch vorzeitig beenden. Dem Schwingsport deswegen den Rücken zu kehren, war für Reto Stampfli aber keine Option. «Der Sport macht mir einfach Freude und ich wollte auch mit meinen Kollegen in Kontakt bleiben», erklärt der Flumenthaler.

Wort «Dubel» fällt schon Mal

Darf er denn Kämpfe seiner Klubkollegen leiten? «Theoretisch schon, aber das mache ich nicht. Ich sitze höchstens als Tischkampfrichter dabei. Das ist zu meinem eigenen Schutz. So muss ich mir nicht vorwerfen lassen, ich sei befangen», sagt er. Denn auch so wird Stampfli ab und zu mit Vorwürfen und Beleidigungen der Schwinger und Besserwisser aus dem Publikum konfrontiert. «Da fällt schon mal ein ‹Dubel› oder Ähnliches. Aber das geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Meist folgt die Entschuldigung des entsprechenden Schwingers schon kurz danach», erzählt der Solothurner. Damit es am «Eidgenössischen» nicht zu Reklamationen kommt, bereitet sich Reto Stampfli intensiv vor. Rund 15 Schwingfeste will er noch leiten, bevor der lang ersehnte Saisonhöhepunkt für Schwinger und Kampfrichter in Burgdorf ansteht.

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