Mountainbike
Die Australier mögen den Kanton Solothurn

Dank dem Solothurner Reto Burki schlagen die australischen Mountainbiker regelmässig im Kanton ihre Zelte auf.

Michael Schenk
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Die Australier mögen den Kanton Solothurn.

Die Australier mögen den Kanton Solothurn.

AZ

Mountainbike ist nicht eben die Premium-Sportart in Australien. «Nein, für uns ist es neben Schwimmen, Tennis oder Fussball schwierig, Fördergelder zu bekommen», sagt Chris Clarke. Der 42-Jährige aus Canberra ist Nationalcoach und weilt derzeit mit einem seiner Schützlinge in Solothurn. Nicht zum ersten Mal. «Wir waren mit diversen Fahrern schon in den letzten beiden Jahren hier», sagt der ehemalige Strassenrennfahrer. Die Bedingungen in und um Solothurn seien einfach «fantastisch», schwärmt Clarke.

Ivory lebt im Sportcampus Zuchwil

Überall bestes Gelände, sehr viele sehr starke Fahrer und Trainer, zahlreiche gut besetzte Wettkämpfe und das alles erst noch auf engstem Raum. Tja, für einen Australier ist Helvetien, inklusive benachbartem Ausland, quasi ein Dorf. «In Australien kann es problemlos vorkommen, dass wir einen zwei-, dreistündigen Flug brauchen, um überhaupt an einen Wettkampf zu kommen.» Abgesehen davon, dass es davon gar nicht so viele gibt – schon gar nicht für Nachwuchsfahrer. Insofern könne man hier in der Schweiz natürlich auch mit weniger Geld mehr, «viel, viel mehr», so Clarke, rausholen. Sei es, was die Entwicklung seiner Fahrer oder auch seine eigene als Trainer angeht.

Der U23-Fahrer Cameron Ivory lebt derzeit im Sportcampus in Zuchwil und bereitet sich auf die Commonwealth Games vor. Im Juli wird sich auch noch sein Teamkollege Andrew Blair hinzugesellen. «Für uns Australier ist das ein sehr wichtiger Wettkampf», hält Clarke fest. Insofern startet der 22-jährige Aussie Ivory, Meister seines Landes, zwecks Präparation auch regelmässig an nationalen und internationalen Rennen in der Schweiz – wie etwa der Rennserie BMC-Cup. «Natürlich», gibt Clarke zu, «geht es auch darum, uns hier zu zeigen und für Cameron, allenfalls in einem Profiteam unterzukommen.» Derzeit seien indessen noch keine konkreten Anfragen eingetroffen. Angesichts der Mountainbike-Weltmacht Schweiz kämpft der junge Mann aus Down Under mit ebenso breiter wie starker Konkurrenz und kann noch nicht mit vordersten Klassierungen aufwarten.

Cadel Evans als grosses Vorbild

Ivory muss die Kosten für seinen Solothurn-Aufenthalt, der von April bis September dauert, weitgehend selber übernehmen. Clarke seinerseits ist vom Verband angestellt und wohnt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in einer Wohnung in Solothurn.

Dass die Australier mountainbiken können, hat vor Jahren schon Cadel Evans bewiesen. Der Tour-de-France-Sieger von 2011 gewann 1998 und 1999 den Weltcup und wechselte danach aufs gepflasterte Terrain. «Ein Wechsel auf die Strasse ist derzeit nicht vorgesehen», sagt Clarke in Bezug auf Cameron Ivory. Aber man weiss ja nie. Das grosse Geld im Radsport liegt definitiv auf der Strasse. Dass die Australier den Weg in die Ambassadorenstadt überhaupt fanden, liegt primär an Reto Burki, dem Chef des Tropical Bike Shops in Solothurn. «Wir haben uns an einem Rennen kennen gelernt», sagt Chris Clarke. Burki habe ihm Solothurn als Stützpunkt empfohlen, als er nach einem solchen in der Schweiz gefragt habe. So sind sich Solothurn und Australien – zumindest punkto Mountainbike-Sport – ein ganz grosses Stück näher gekommen.