Laufsport
Die 42-jährige Arlette Maurer: Oltens ausdauernde Bürgerschreiberin

Arlette Maurer wurde am GP Bern 15. von über 4500 Teilnehmerinnen. Im September nimmt die 42-Jährige in Berlin ihren ersten Marathon in Angriff.

Raphael Wermelinger
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Arlette Maurer am Zofinger Stadtlauf.

Arlette Maurer am Zofinger Stadtlauf.

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Seit rund zwei Jahren ist der Laufsport Arlette Maurers grosse Passion. «Joggen gibt mir ein positives Gefühl. Ich kann dabei meine Gedanken aufräumen», schwärmt die 42-jährige Oltner Bürgerschreiberin. Ihr Trainingspensum beziffert sie auf 80 bis 110 Kilometer pro Woche. «Am Sonntag mache ich meistens einen Long-Jogg von 25 bis 30 Kilometern», erklärt sie. «Dazu gebe ich noch Stunden im Fitnesscenter und gehe regelmässig schwimmen.»

Mitte März gewann Arlette Maurer an der Strassen-SM in Oensingen über 10 Kilometer die Goldmedaille in der Kategorie Seniorinnen. Vor zwei Wochen entschied sie den Zofinger Stadtlauf für sich. Zudem wurde sie dieses Jahr Zweite am Aargauer Volkslauf, Zweite am Kerzerslauf bei den Seniorinnen und Zweite am GP Bern, ebenfalls in der Kategorie der Ü40er. Im Gesamtklassement wurde sie hervorragende 15. von insgesamt knapp 4500 Läuferinnen.

Jetzt wird trainiert

Am GP Bern hat vor zwei Jahren auch alles angefangen. «Zusammen mit einer kleinen Gruppe meldete ich mich 2015 für den Strongman-Run in Engelberg an», erinnert sich Maurer. «Als Vorbereitung nahmen wir am GP Bern teil.» Zuerst sei sie erstaunt gewesen, dass sie ein Startgeld berappen musste, nur um am Lauf teilzunehmen. «Das konnte ich kaum glauben. Und dann waren so viele Leute am Start, dass es mir fast abgelöscht hätte. Ich wäre am liebsten sofort wieder nach Hause gefahren.» Es kam zum Glück anders: «Ich bin locker durchgejoggt und erreichte das Ziel in einer sehr passablen Zeit. Da beschloss ich: Jetzt wird trainiert.»

Sportlich war Arlette Maurer schon vorher. In ihrer Kindheit sei sie oft mit ihrem Bruder gelaufen, erinnert sie sich. «Ich probierte verschiedene Sachen aus. In den 80er- und 90er-Jahren ging ich zum Beispiel ins Aerobic, danach war für längere Zeit Krafttraining angesagt. Gejoggt habe ich nebenbei aber immer.» Vor zwei Jahren begann sie, den Zeitaufwand fürs Joggen zu intensivieren. «Ich fing an, meine gelaufenen Kilometer und Zeiten zu protokollieren», schildert Maurer.

Wobei es am Anfang eher ein «planloses Erhöhen der Trainingseinheiten» gewesen sei. Der Bücherwurm - Capus und Suter stehen bei Maurer ganz weit oben - zog zusätzlich Literatur übers Laufen zurate. Mittlerweile erstellt sie jeweils am Sonntag ihren Trainingsplan für die kommende Woche. «Dieser ist vor allem von meiner aktuellen Form und den Wetterverhältnissen abhängig», verrät sie. Einen Trainer oder auch Sponsoren brauche sie nicht: «So bin ich niemandem Rechenschaft schuldig und kann machen, was ich will.»

Eine Einzelgängerin

Sie sei sowieso eher eine Einzelgängerin, sagt Maurer: «Es hat schon seine Gründe, dass ich einen Einzelsport ausübe.» Wobei sie einem Trainingspartner gegenüber nicht grundsätzlich abgeneigt sei. Doch Arlette Maurer kann ihre Läufe auch alleine sehr gut geniessen. «Wenn ich alleine unterwegs bin, bin ich viel flexibler und kann neue Wege ausprobieren. Oft renne ich einfach los, gehe mal rechts, mal links und komme dann irgendwo wieder raus.»

In den letzten zwei Jahren steigerte sie zuerst die wöchentlichen Trainingseinheiten, danach das Laufpensum pro Einheit und schliesslich die Intensität. Eine Veränderung sei deutlich spürbar: «Ich fühle mich gesund. Und meine Zeiten zeigen mir, dass ich nicht alles falsch mache.» So will sie denn ihr Laufpensum in nächster Zeit weiter kontinuierlich erhöhen.

Maurers nächster grosser Schritt: Sie will im September in Berlin erstmals an einem Marathon teilnehmen. Und die knapp 42 Kilometer natürlich auch durchstehen: «Das muss das Ziel sein beim ersten Mal, da bin ich realistisch. Sorgen mache ich mir keine. Wenn mich die Beine nicht tragen, dann trägt mich der Kopf. Ich habe einen enormen Willen.» Die mentale Stärke sei denn auch entscheidend: «Es ist wichtig, dass man über eine so lange Zeit mit sich selber klarkommt.» Deshalb läuft sie auch im Training stets ohne Ablenkung, heisst ohne Berieselung durch Musik.

Für die Bürgerschreiberin der Bürgergemeinde Olten geht es aktuell auch darum, zu eruieren, welche Distanzen ihr zusagen «Die Zehn Meilen gefallen mir sehr gut», führt Arlette Maurer aus. «Zehn-Kilometer-Läufe sind mir fast zu hektisch, und kürzere Distanzen möchte ich nicht mehr laufen.» Sie sei selber gespannt darauf, was sie nach ihrem ersten Marathon denke: «Vielleicht bin ich begeistert und das wird meine neue Lieblingsdistanz. Es könnte aber auch mein erster und gleichzeitig letzter Marathon werden.»

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