Der antizyklische Optimist

Devin Mullers unerschütterlicher Enthusiasmus soll seine Teamkollegen beim EHC Olten anstecken

Entschlossen: Devin Muller geht auf dem Eis auch in schwierigen Zeiten mit gutem Beispiel voran.

Entschlossen: Devin Muller geht auf dem Eis auch in schwierigen Zeiten mit gutem Beispiel voran.

Devin Muller ist der einzige Spieler beim EHC Olten, der seine Produktivität nach 44 Meisterschaftspartien im Vergleich zu den ersten 22 gesteigert hat.

Der Blick aufs Statistikblatt verrät viel über die Formkurve des EHC Olten. Vergleicht man die Skorerwerte der Spieler nach 22 Meisterschaftspartien und jetzt nach deren 44, dann wird klar, weshalb sich die Powermäuse, vor allem seit dem Jahreswechsel, so ungemein schwergetan haben.

Sämtliche Stürmer verzeichnen in ihrer Punkteausbeute teilweise deutliche Einbrüche. Zwei Beispiele: Topskorer Martin Ulmer, der bis Samstag mit der österreichischen Nationalmannschaft unterwegs ist, sammelte in den ersten 22 Spielen 20 Skorerpunkte (8 Tore), in der zweiten Saisonhälfte nur noch deren 13 (3 Tore). Noch niederschmetternder sieht die Bilanz von Ueli Huber aus. Aus 12 Punkten (7 Tore) wurden deren 2 (1 Tor).

Umso bemerkenswerter ist, dass sich ein einziger EHCO-Stürmer, der fast die ganze Saison zum Einsatz kam, von der negativen Tendenz nicht beeinflussen liess und die eigene Punkteausbeute sogar markant steigern konnte: Devin Muller. In den ersten 17 Spielen traf er nur dreimal (und gab einen Assist). In der zweiten Saisonhälfte erzielte er in 22 Spielen sechs Tore und gab acht Vorlagen. Er steigerte seine Produktivität damit um gut 300 Prozent.

«Es geht mir körperlich viel besser»

Für Muller ist die antizyklische Formkurve allerdings keine Überraschung. «Ich hatte in der ersten Saisonhälfte gesundheitliche Probleme. Eine Lungenquetschung hat mich lange Zeit behindert. Dann hat man noch herausgefunden, dass ich an Asthma leide. Seit ich das medikamentös behandeln kann, geht es mir körperlich viel besser», erzählt der 25-Jährige.

Dass mehr Schnauf zu besseren Leistungen verhelfen kann, ist logisch. Trotzdem ist es ungewöhnlich, dass ein einziger Spieler in einer Mannschaft, welche verzweifelt auf der Suche nach mehr Selbstvertrauen ist, eine aufsteigende Formkurve aufweist.

Voller Einsatz: EHCO-Stürmer Devin Muller (l.) geht ohne Rücksicht auf Verluste in den Zweikampf.Jörg oegerli

Voller Einsatz: EHCO-Stürmer Devin Muller (l.) geht ohne Rücksicht auf Verluste in den Zweikampf.Jörg oegerli

Hier kommt Devin Mullers Mentalität ins Spiel. «So bin ich halt», sagt er lachend und achselzuckend: «Ich habe einst in Davos bei Arno Del Curto gelernt, dass ein Eishockeyspieler eigentlich nur drei Dinge braucht: Man muss das Spiel lieben, man muss es leben, und man muss lachen. Auch wenn es vielleicht manchmal nicht so gut läuft, so liebe ich meinen Beruf. Und ich möchte ihn mit nichts auf der Welt eintauschen.»

Man merkt Muller, der auf dem Eis auch immer mal wieder einen krachenden Check landet und dabei sich und seinen Körper nicht schont, seine Unbekümmertheit und seine optimistische Grundhaltung («Die habe ich von meinen Vater (Colin, Ex-EHCO-Trainer, Anm. der Red.) geerbt») sehr gut an. Es würde dem einen oder anderen seiner von Selbstzweifeln geplagten EHCOTeamkollegen guttun, wenn er sich eine Scheibe davon abschneiden könnte. Der Stürmer, der im letzten Sommer vom HC La Chaux-de-Fonds nach Olten gewechselt hat, betont aber: «Viele meiner Mitspieler denken so wie ich. Aber wir sind verschiedene Typen, verschiedene Menschen. Deshalb gehen alle unterschiedlich mit der Situation um.»

«Noch ist alles möglich»

Klar ist für Devin Muller, dass in dieser Saison noch alles möglich ist für den EHC Olten. «Auch wenn uns schon viele Leute abgeschrieben haben: Ich bin sehr, sehr optimistisch. Mit den Playoffs beginnt eine neue Saison. Alles fängt bei null an. Ich glaube an unsere Mannschaft und bin überzeugt, dass wir noch viel erreichen können.»

Wichtig sei auf jeden Fall, dass man in den letzten beiden Qualifikationsspielen in Winterthur (heute, 20 Uhr) und am Sonntag (17.30 Uhr) gegen die Ticino Rockets das Punktemaximum hole, sich für die Playoff-Viertelfinals das Heimrecht sichere und dabei noch eine Portion Selbstvertrauen sammle. «Wir müssen versuchen, diesen beiden Partien unseren Stempel aufzudrücken und dem Gegner dabei keinen Stich zu lassen.» Bleibt die Hoffnung, dass den Worten gegen die beiden abgeschlagenen Tabellenletzten der Swiss League nun auch endlich die entsprechenden Taten folgen – nicht nur von Devin Muller.

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