Handball NLB
Deutlicher Sieg trotz Fehlstart für den TV Solothurn

Der TV Solothurn schlägt den TV Steffisburg diskussionslos mit 30:19. Am Ende ein klares Verdikt, und dies obwohl es zu Beginn der Partie nach einem wesentlich härteren Arbeitstag für die Solothurner Handballer ausgesehen hat.

Gaudenz Oetterli
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Der TV Solothurn schlägt den TV Steffisburg diskussionslos mit 30:19.

Der TV Solothurn schlägt den TV Steffisburg diskussionslos mit 30:19.

Marcel Bieri

Veränderungen brauchen Zeit. In Solothurn vermutlich sogar noch mehr als anderswo. Bester Ausdruck dieser Weisheit ist sicherlich das Solothurner Lied.

«S’isch immer eso gsi» ist für die Ambassadoren-Stadt und deren Bewohner nicht nur eine Liedzeile, es ist Teil der lokalen Identität und dient auch als Abgrenzung der hiesigen Kultur gegenüber den urbanen Grossräumen Bern, Basel und Zürich, die Solothurn umgeben. Ein «eigenes Völkli» eben, das hier am Fusse des Weissensteins wohnt.

Dieses Phänomen macht auch vor dem Sport nicht halt. Nur so ist es zu erklären, dass die Handballer des TV Solothurn es fast in jedem Spiel fertigbringen, die ersten Minuten zu verschlafen.

Oder im Umkehrschluss eben nicht schaffen – auch gegen schwächere Gegner – von Anfang an bereit zu sein. Und sich keinen Rückstand einzuhandeln, der dann zuerst mühsam wieder aufgeholt werden muss, bevor man selber das Spiel in die Hand nimmt.

Time-out als Wendepunkt

«Das passiert uns jetzt schon zum vierten Mal in Folge», sagte nach dem Spiel auch der junge Dario Lüthi. Die Verteidigung stehe jeweils nicht schlecht, aber im Angriff hapere es einfach. Lüthi war heute anstelle von Sven Schafroth (wurde geschont) in die Startaufstellung gerutscht und lieferte über 60 Minuten eine hervorragende Vorstellung als Spielführer ab.

«Ich habe das Gefühl, dass zu Beginn einer Partie niemand einen Fehler oder einen Fehlschuss riskieren will. So übernimmt niemand die Verantwortung und wir erzielen auch keine Tore», analysiert Lüthi die wiederholten Fehlstarts des TV Solothurn. Wobei gegen Steffisburg Fehlwürfe eigentlich kein Problem waren.

Makellose Wurfquote

Gleich fünf Solothurner wiesen am Ende eine makellose Wurfquote von 100 Prozent aus. Darunter auch Dario Lüthi, der mit sieben Treffern Top-Schütze auf dem Feld war.

Zu Beginn jedoch: ein Treffer in zehn Minuten. Dies die magere Bilanz der Solothurner. Und das erzielte Tor war zudem noch ein Strafstoss. In der gleichen Zeit erzielte der andere TVS – derjenige aus Steffisburg – deren vier.

Die Oberländer spielten ihre Angriffe geduldig aus und warteten auf die wenigen Lücken in der Solothurner Defensive. Das Heimteam hingegen agierte zu kompliziert und warf mehrmals aus nicht optimalen Positionen. Schüsse, die für den gegnerischen Hüter keine grosse Herausforderung waren.

Für das Trainergespann des TV Solothurn war klar, dass sowohl der eigene Negativ-Rhythmus, wie auch der gute Lauf des Gegners gestoppt werden mussten.

Das Time-out nach knapp zehn Minuten kam zur richtigen Zeit. Nach der kurzen Verschnaufpause war das Spiel noch kurz ausgeglichen, bevor die Gastgeber endgültig das Zepter in die Hand nahmen.

Und zehn Minuten später erzielte Oli Zimmermann die erstmalige Führung für Solothurn (22./8:7). Auch Steffisburg suchte nun das Heil in einem Time-out, doch die Truppe von Marco Kurth liess sich in der Folge für den Rest des Abends nicht mehr bremsen.

Nach der Müh’ die Kür

Die zweite Halbzeit begann dann richtig vogelwild. Beidseits war wenig Spielstruktur zu erkennen. Das Hin-und-Her glich eher einem Staffetten-Lauf. Sowohl Steffisburg, das in Windeseile den Rückstand verkleinern wollte, wie auch Solothurn, das sich vom Tempo anstecken liess, liefen gleich mehrere Angriffe gerade nach vorne und suchten ohne Aufbauspiel den Abschluss.

Dies führte zu Gegenstössen in die jeweils andere Richtung, und da diese schlecht ausgeführt wurden, wiederum in die Entgegengesetzte. Doch auch in diesem kurzen Lauftraining – zwei Tore fielen dann doch noch – behielt der TV Solothurn die Oberhand und konnte seine Führung ausbauen.

Trotz harzigem Start, Kantersieg für Solothurn

Als die Differenz Mitte der zweiten Hälfte zehn Tore (23:13) betrug, war das Spiel natürlich bereits entschieden. Am Ende feierte der TV Solothurn trotz wiederum harzigem Beginn einen 30:19 Kantersieg.

Für die Solothurner folgen nach dem Meisterschaftsbeginn mit vier auf dem Papier eher schwächeren Gegnern nun die schwierigen Spiele gegen die NLB-Favoriten. Nach einem kurzen Erholungsbad steht für die Jungs von Marco Kurth wieder harte Arbeit an.

Bereits nächste Woche wartet mit dem STV Baden eine Mannschaft, die bisher restlos überzeugt hat und die Tabelle der NLB ohne Punktverlust und dank der besten Tordifferenz anführt.