Es war ein Tor der Marke «Sonderklasse»: Thurgaus Topskorer Jaedon Descheneau tankte sich auf der rechten Seite durch, fuhr Richtung Oltner Tor, wurde von seinem Gegenspieler Simon Lüthi nur halbherzig angegriffen und donnerte den Puck über die Schulter von EHCO-Schlussmann Simon Rytz unter die Latte.

Bumm – und es stand 1:3. Für die Oltner, die so gut in dieses erste Playoff-Duell gegen die Thurgauer gestartet waren, war dieses Gegentor ein eigentlicher Feuerlöscher. All die guten Vorsätze wurden mit Descheneaus Treffer förmlich ausgepustet.

Es war also einmal mehr dem bärenstarken Ausländer des HC Thurgau vorbehalten, ein klares Zeichen für die eigene Mannschaft zu setzen. Auch wenn die restlichen drei Tore der Ostschweizer ohne direkte Hilfe des Söldner-Duos Descheneau/Braes zustande kamen, so waren die beiden Kanadier trotzdem ein steter Gefahrenherd für die Oltner.

Das konnte man von den beiden Ausländern des EHC Olten nicht wirklich behaupten. Im Gegenteil: Jay McClement zog zusammen mit seinem Block einen rabenschwarzen Abend ein und ging am Ende mit einer «Minus-3-Bilanz» vom Eis. «Das ist nicht unbedingt die Zahl, die man von seinem besten Defensivstürmer sehen will», befand Oltens Trainer Chris Bartolone.

Natürlich war McClement nicht alleine dafür verantwortlich, dass er und seine Mitspieler in diversen Situationen alt aussahen. Aber das Problem ist halt: Die Oltner Mannschaft hätte in ihrer momentanen Situation Söldner nötig, die das Team tragen und stabilisieren können. Eine Rolle, die im ersten Playoff-Spiel weder Jay McClement noch Brian Ihnacak auszufüllen vermochten.

Wieso hat Sharp nicht gespielt?

Was wiederum die Frage aufwirft, weshalb Bartolone nicht dem neu verpflichteten MacGregor Sharp eine erste Chance gab? Der Kanadier war genauso überzählig wie der von Chur geholte Alban Rexha. «MacGregor hat erst ein paarmal mit der Mannschaft trainiert. Deshalb habe ich mich entschlossen, wieder Brian und Jay das Vertrauen zu geben.

Wäre Sharp schon länger bei uns gewesen, dann hätte ich mir seinen Einsatz überlegt.» Diese Gedankenspiele wird der Oltner Trainer nun aber so oder so anstellen müssen. «Natürlich sind nach dieser Niederlage Rochaden nun eine Option für mich. Das betrifft aber nicht nur die Ausländer.»

Jay McClement, der Mann mit fast 1000 NHL-Spielen Erfahrung im Rucksack, mag sich über die Situation nicht gross den Kopf zerbrechen. «Es war für mich immer klar, dass wir mit drei Ausländern in die Playoffs gehen würden. Deshalb bin ich mir bewusst, was passieren kann.»

Der Kanadier sah trotz der Heimniederlage gegen die Thurgauer auch keinen Grund, in Panik zu verfallen: «Wir haben ein Spiel verloren, dabei einige unglückliche Treffer kassiert und selber zu wenig aus unseren Chancen gemacht.» Es passte auch, dass McClement erst zum 2:4 traf, als die Partie schon entschieden war. Das war einfach zu wenig – und viel zu spät.