Frauenfussball NLB

Derendingen fördert Frauenfussball

Nach dem NLA-Abstieg übernimmt Urs Bühler beim SC Derendingen.

Vieles ist neu beim Sportclub Derendingen. Wie der Klub zugunsten der Talente seine eigenen Interessen zurücksteckt.

Gerade einmal drei Spielerinnen derjenigen Mannschaft, die vor etwas mehr als einem Jahr in die Nationalliga A aufgestiegen war, befinden sich auch heute noch im Team der Derendingerinnen. Wohin es die damaligen Aufsteigerinnen gezogen hat? Nicht weniger als acht Frauen traten nach der «Highlightsaison in der NLA» zurück. Klar auch, dass man nach einem Abstieg Spielerinnen an Konkurrenten verliert.

Woher die Spielerinnen kommen, welche nun die NLB-Saison in Angriff nehmen werden? Primär aus der eigenen Jugend. Nicht weniger als neun Spielerinnen wurden auf diese Saison hin von der aufgelösten U19 (Strukturänderung SFV) oder gar der U16 ins Fanionteam berufen. Die älteste Spielerin im Kader ist die Torhüterin Martina Rytz mit Jahrgang 1994. Die jüngsten beiden wurden im Jahr 2002 geboren.

Neues Trainergespann

Und als wären so viel Wechsel nicht schon genug, hat sich auch an der Seitenlinie der SCD-Frauen einiges getan: Urs Bühler übernimmt als Cheftrainer den Posten von Urs Bachmann. Assistiert wird er dabei von Oliver Schläfli und der bisherigen Kapitänin Andrea Vögeli, welche die Abstiegssaison also noch als Spielerin miterlebte.

Für die 36-Jährige ist klar, dass die NLA-Saison zwar wie erwartet sehr schwierig war, man daraus allerdings trotzdem viel Erfahrung sammeln konnte. Aufgefallen ist ihr vor allem, dass das Niveau in der NLA doch einiges höher ist als in der NLB. «Vor 10 Jahren war der Unterschied definitiv weniger gross. Niveaumässig gesehen war die damalige NLA vergleichbar mit der heutigen NLB», blickt die ehemalige Schweizer Meisterin mit Zuchwil zurück.

Ohnehin war früher im Frauenfussball einiges anders. Als sie zum Beispiel mit 13 Jahren bei den Frauen des FC Grenchen in der 1. Liga mit dem Fussballspielen begann, musste sie eine Spezialbewilligung mit ärztlicher Bescheinigung anordnen, um überhaupt gegen das runde Leder kicken zu dürfen.

Urs Bühlers erster Kontakt mit dem Frauenfussball fand statt, als er nach zwanzig Jahren Juniorenfussball als Assistenztrainer bei den Mädchen der Regionalauswahl U13 einstieg. Rückblickend sagt er sogar, dass das Kennenlernen des Frauenfussballs das schönste Erlebnis seiner bisherigen Trainerkarriere gewesen sei, ohne dabei den Männerfussball abwerten zu wollen.

Nachdem er die Juniorinnen der Regionalauswahl U15 und der U16 trainiert hat, wird der 55-Jährige nun also bei der ersten Mannschaft das Ruder übernehmen. Er möchte mit seinem Team stets unter den ersten sechs Mannschaften platziert sein und ist nach dem Testspiel gegen den FC Aarau, welches für ihn eine Art Standortbestimmung darstellte, überzeugt, dass seine Spielerinnen dieses Ziel auch erreichen werden. Sie seien sehr gut ausgebildet worden und taktisch auf einem guten Level. Mit speziellen Einheiten wie einem Mentaltraining und einer Schulung im Bereich der Ernährung will er seinen Spielerinnen noch den Feinschliff verpassen.

Talent steht im Zentrum

Dass Mädchen aus der U16 jedoch direkt in das Kader einer NLB-Mannschaft integriert werden können, ist in diesem Falle zu einem grossen Teil der Jugendarbeit des SCD zu verdanken. In diesem Bereich will der SCD nochmals einen Schritt vorwärtsmachen – weniger sich selbst als vielmehr den Spielerinnen zuliebe, stellt der sportliche Leiter Urs Bachmann klar: «Das Talent steht im Zentrum.»

Das Ziel des Projektes sei es, die Talentförderung von Nachwuchsspielerinnen zu optimieren und sie auf den Leistungssport vorzubereiten. Dazu wurde mit dem BSC YB bereits ein grosser Partner ins Boot geholt, mit dem ein reger Austausch stattfindet. Ausserdem will Urs Bachmann eine Mannschaft namens «Team Regio Solothurn» mittelfristig in der 1. Liga etablieren.

Diese Saison wird der SC Derendingen mit Fördertrainings für die Talente beginnen, damit sich diese optimal entwickeln können. Wer weiss, vielleicht werden so in Zukunft die Ramona Bachmanns und Lara Dickenmanns der Schweizer Frauen-Nati plötzlich vermehrt aus dem Kanton Solothurn stammen.

Meistgesehen

Artboard 1