Golf
Der zähe Bursche und der Kampf seines Lebens

Der 17-jährige Rohrbacher Mike Iff spielt für sein Leben gern Golf. Für seine LEidenschaft legt er sogar seine Ausbildung auf Eis. Nun schafft er mit der Aufnachme in die Amateur-Weltrangliste den nächsten grossen Karrieresprung.

Michael Lüthi
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Für einmal ohne Schläger und Ball: Von August bis Oktober arbeitete Mike Iff im Golfclub Wylihof als «Mädchen für alles». zvg

Für einmal ohne Schläger und Ball: Von August bis Oktober arbeitete Mike Iff im Golfclub Wylihof als «Mädchen für alles». zvg

Solothurner Zeitung

Winter, eine unnötige Jahreszeit für einen Golfer. Auch der 17-jährige Rohrbacher Mike Iff mag die kalten Monate nicht. Die Schlägerartisten fürchten den Schnee wie der Teufel das Weihwasser. Das Snowboard hat er tief unten im Keller verstaut – zu gross ist die Verletzungsgefahr. «Am Mittwoch Nachmittag gehe ich ab und zu nach Sursee zum Eishockeyspielen», erzählt der Oberaargauer. Für ihn zählt in seinem Leben im Moment sowieso nur eines: das Golfen.

«Ein sehr wichtiger Schritt»

«Ich bin sehr froh, dass noch kein Schnee liegt. So kann ich im Golfclub Wylihof immer noch auf die Driviving Range.» Am Abschlag und am Schwung, daran feilt der Youngster in den Wintermonaten. Selbst, wenn die weisse Pracht dann mal kommen wird, kann er noch auf die Driving Range. «Aber nur, solange es Bälle hat.» Auch das Putten kommt in den nächsten Monaten nicht zu kurz – im Wylihof hat es eine Indoor-Anlage.

Vor gut zwei Monaten hat der Oberaargauer bei einem internationalen Turnier in Israel den nächsten Karrieresprung geschafft. Er erreichte dort den zweiten Platz und hat damit die Aufnahme in die Amateur-Weltrangliste geschafft. So hat er ganz am Schluss sein erklärtes Saisonziel doch noch erreicht. «Das war ein sehr wichtiger Schritt. So kann Mike international an grösseren Turnieren starten und wichtige Punkte holen», sagt sein Trainer Richard Adby. Zurzeit belegt der Rohrbacher einen Weltranglistenplatz jenseits der 5000. Ziel für die nächste Saison: der Vorstoss bis auf Rang 1000.

«Er gibt nie auf»

Für Iff gibt es aber ein noch viel grösseres Ziel, einen Traum, dem er alles unterordnet. Er will Golfprofi werden. Im Moment gibt es keinen einzigen Schweizer, der mit dem Golfen anständiges Geld verdient. Mike Iff – er gehört zu den besten fünf Junioren des Landes – hat aber einen grossen Vorteil. «Er gibt nie auf. Viele bringen zu wenig Opfer für eine Profikarriere. Bei Mike ist das anders, er will das unbedingt», sagt sein Trainer.

Aber auch Richard Adby weiss, wie schwierig der Sprung zu einem guten Golfprofi ist. «Der ist riesig. Im Moment verliert Mike auf gute Golfprofis zwei bis drei Schläge pro Runde. Auf diesem Niveau ist es ganz schwierig, da näher ranzukommen.» In den nächsten drei Jahren wird sich laut Adby entscheiden, ob es Mike Iff schafft. «Wenn er bis dann nicht bis auf eineinhalb Schläge oder näher an die Profis rangekommen ist, dann hat es keinen Sinn mehr.»

Ausbildung vorerst auf Eis gelegt

Mike Iff sitzt am Küchentisch im Elternhaus. Auf seinem Laptop zeigt er die Entwicklung seiner Schwünge. Verschiedenste Kurven und Diagramme – ein Laie versteht da nur Bahnhof. Irgendwie ein krasser Kontrast. Der Golfsport will einfach nicht in die Idylle passen.

Von saftigen Wiesen und Bauernhäusern umgeben wohnen die Iffs im beschaulichen 1400-Seelen-Dorf. Da liegt es auf der Hand, dass im Dorf getuschelt und getratscht wird. Aber die Iffs erleben es ganz anders. «Gerade erst hat Mike eine Karte von einem Rohrbacher bekommen, der ihn lobte und ermunterte, unbedingt weiterzumachen», sagt Mutter Barbara.

Karriere hat Vorrang

Und Mike Iff macht weiter – und wie. Zurzeit geht er viermal pro Woche in den Kraftraum und steht drei bis viermal wöchentlich auf dem Golfplatz. Trainingslager im Tessin, der Türkei und in Spanien stehen ausserdem auf dem Programm. Die Ausbildung hat Iff – er hat in Huttwil im letzten Sommer das zehnte Schuljahr abgeschlossen – vorerst auf Eis gelegt. Denn die Karriere hat im Moment Vorrang.

Wie schon erwähnt, werden die nächsten drei Jahre entscheidend sein. Iff hat aber schon Vorstellungen von einer Ausbildung: Die Handelsschule oder Landschaftsgärtner stehen auf seiner Wunschliste ganz oben. Aber sein grösster Berufswunsch ist und bleibt Golfprofi. «Mike hat die Möglichkeiten dazu», sagt sein Trainer. Es ist ein Kampf, ein grosser Kampf, der Kampf seines Lebens.