Am flimmernden Horizont tauchen sie auf, die ersten Fahrer, die vom Highway durch zerklüftete Sand- und Gesteinslandschaft zurückkehren, fast 56 Meilen liegen hinter ihnen. Vom Himmel brennt erbarmungslos die Wüstensonne von Nevada. Es ist 11 Uhr vormittags, 35 Grad, die Luft so trocken, dass sie dem, der sie einatmet, schier die Kehle zuklebt.

Auf der ausgelegten Strecke wollen die Veranstalter der Ironman Weltmeisterschaft vor allem eines: Die Guten von den Besten trennen. Der Schwimmkurs ist eng gesteckt, die Athleten finden kaum Platz, um mit ihren Armen im Wasser auszuholen. Die Radstrecke ist lang. Es geht rauf und runter. Kein Rhythmus. Und auch der Laufparcours durch die Stadt Henderson, die wie ein überdimensionierter Vorort wirkt, bringt die Triathleten mit seinen ständigen Steigungen an deren Grenzen.

Mit letzter Kraft durch die Hitze

1800 Athleten kämpfen gegen die Hitze. Die Schweiz ist nahe der Schillerstadt Las Vegas gut vertreten, 51 Athleten sind gestartet, unterschiedlich gut läuft es ihnen im Rennen. Während Karin Thürig am Ende die Silbermedaille erläuft, kämpfen sich andere nach zähen Stunden nur noch mit letzter Kraft voran.

Obwohl die ersten Läufer bereits um halb sieben Uhr morgens ins Wasser gesprungen sind, ist das Rennen zur Mittagszeit noch in vollem Gang. Und einer, der da rennt, der sich die stechende Seite hält, trotzdem weiterrennt und Läufer um Läufer überholt, ist Gabriel Hopf, 24, aus Biel. Es ist erst sein zweites Rennen auf der Mitteldistanz, seine erste Weltmeisterschaft, beides in diesem Jahr. Und er liegt gut in der Zeit.

Im Wasser fällt Hopf weit zurück, es ist seine schwächste Disziplin. Doch sobald seine Füsse wieder festen Boden verspüren, beschleunigt er das Tempo. Schneller Wechsel auf das Velo. Darauf hatte er sich in der vergangenen Woche gezielt vorbereitet. In der Wechselzone stehen Ständer für 1800 Fahrräder. Schwimmkappe weg, Helm und Sonnenbrille auf - los geht's. In einer Dreiergruppe verbessert Hopf seine Position stetig, obwohl sich seine Beine ungewöhnlich schwer anfühlen.

Knapp am Diplom vorbei

Frenetisch peitschen amerikanische Zuschauer und Angehörige ihre Athleten nach vorne. Letzte Wechselzone, Helfer in farbigen Shirts nehmen die Fahrräder entgegen, schon biegt Hopf auf die Laufstrecke ein. Noch 13 Meilen. Der Uhrzeiger steht punktgenau auf halb eins, als Hopf die Ziellinie überquert, vier Stunden und 30 Minuten war er unterwegs. Platz 7 von 47 in seiner Kategorie, kein anderer Schweizer war schneller als er. Das Diplom ist zwar um Haaresbreite weg, doch Hopf weiss, viel hat nicht gefehlt.