Unihockey
Der Weckruf für Wiler Ersigen kommt zur richtigen Zeit

Wiler-Ersigen verlässt beim 6:7 bei den Grasshoppers das Feld in dieser NLA-Saison zum zweiten Mal als Verlierer. Die Niederlage verschlug Wiler-Trainer Johan Schönbeck gar die Sprache. Am Mittwoch warten im Heimspiel die Tigers aus Langnau.

Daniel Weissenbrunner
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Simon Bichsel, Torhüter Samuel Zimmermann, Captain Matthias Hofbauer (Mitte) und Patrick Mendelin mussten sich den Grasshoppers geschlagen geben.

Simon Bichsel, Torhüter Samuel Zimmermann, Captain Matthias Hofbauer (Mitte) und Patrick Mendelin mussten sich den Grasshoppers geschlagen geben.

Marcel Bieri

Er hustete, er entschuldigte sich, er analysierte mit heiserer Stimme. Korrekt, gefasst, wie immer. Die Niederlage an sich hatte Johan Schönbeck nicht auf die Stimmung geschlagen, aber auf die Stimme. Der Wiler-Trainer verliess das windige, regnerische Zürich mit der Erkenntnis, dass sein Team gegen die Grasshoppers technisch die feinere Klinge geführt hatte, am Ende aber – und da bezog sich Schönbeck mit in die Kritik ein – ein taktischer Fehler die Wende in dieser attraktiven Begegnung einleitete.

Diskussionen prägten die Partie

Der Reihe nach: Die zweiwöchige Meisterschaftspause hatte die Batterien der Spieler reichlich aufgeladen und auf Hochspannung gepolt. Die Grasshoppers und Wiler-Ersigen investierten ihre Energien nicht nur in die erbittert geführten Zweikämpfe, sondern verbrachten auch ausschweifend Zeit für intensive Einzel- und Gruppengespräche. Die Diskussionen entzündeten sich an der rustikalen Gangart. Adrian Zimmermann beschwerte sich bei Nico Scalvinoni für seinen Körperangriff. Michael Zürcher wiederum wies seinen Nationalmannschaftskollegen Matthias Hofbauer zurecht.

Das Engagement bewegte sich entlang an einer feinen Linie zwischen internationaler Härte und unfairen Attacken. Die Schiedsrichterinnen Corina Wehninger und Sandra Zurbuchen hatten jedenfalls alle Hände voll zu tun, um die Streithähne auseinanderzuhalten. Sie taten dies ruhig, besonnen und mit der nötigen Eloquenz.

Das Spiel aus der Hand gegeben

Im Spitzenkampf, das wurde schnell klar, ging es nicht nur darum, eine erste Duftnote in der jungen Meisterschaft abzusondern. Nein, es war bereits ein kleines Muskelspiel zwischen Mannschaften, die zum engeren Kreis der Titelanwärter zählen und die aufzeigen wollten, dass sie nicht gewillt waren, dem anderen Geschenke zu verteilen.

Wiler rettet sich in die Verlängerung

Dennoch erwiesen sich die Zürcher zunächst als grosszügige Gastgeber. Wiler-Ersigen kam durch Simon Garnier und Matthias Hofbauer zu einer einfachen 2:0-Führung. Vielleicht etwas zu einfach. Denn der souveräne Start brachte nicht die nötige Ruhe ins Spiel der Schönbeck-Truppe. GC glich noch im ersten Drittel aus und übernahm fortan das Kommando auf dem lindgrünen Parkett der Hardauhalle, die mit 450 Zuschauern für Zürcher Unihockey-Verhältnisse gut besetzt war.

Die Mannschaft von Luan Misini zog bis Ende des zweiten Abschnitts auf 6:4 davon. Daran bissen sich die Emmentaler die Zähne aus. Erst in der vorletzten Minute erzielte Patrick Mendelin den Ausgleich und rettete sein Team in die Verlängerung. Dort profitierte Linard Parli schliesslich von einem Fehler in der Wiler-Hintermannschaft und sorgte für eine Zürcher Jubelorgie.

Tigers Langnau als nächster Prüfstein

Schönbeck wollte die Niederlage nicht schönreden. Er weiss sehr wohl, dass er aus den Fehlern schnellstmöglich die entsprechenden Schlüsse ziehen muss. «Es war ein Weckruf zur richtigen Zeit.» Am Mittwoch wartet mit dem Heimspiel gegen die Tigers bereits der nächste Prüfstein.