Handball NLB
Der verlorene Punkt der Solothurner gegen die Innerschweizer

Der TV Solothurn kontrolliert fast die gesamte Partie gegen den KTV Altdorf. Souverän spielen sich die Solothurner 55 Minuten Richtung zweiten Saisonsieg. Doch dann folgen die wohl katastrophalsten und peinlichsten fünf Minuten, die im CIS je zu sehen waren.

Gaudenz Oetterli
Merken
Drucken
Teilen
NLB-Handball: Solothurn - Altdorf

NLB-Handball: Solothurn - Altdorf

Hansjörg Sahli

Trainer Marco Kurth war nach dem Spiel komplett bedient. Noch lange nach dem Abpfiff stand er kopfschüttelnd in der Halle. Die Enttäuschung sass noch tief und so war es der Humor, der die Zunge lösen musste: «Ich glaube ich buche sofort ein Ticket nach Mexiko. One way!» Es war das Einzige, was Kurth, der in seiner Karriere schon viel erlebt hat, gleich nach dem Spiel zu sagen wusste. Und auch der Rest der Solothurner Mannschaft war völlig konsterniert.

Noch immer zeigt die Anzeigetafel das Schlussresultat – 21:21. Eigentlich kein Weltuntergang gegen einen starken Gegner aus Altdorf, der die Solothurner an diesem Tag mehr als einmal in Bedrängnis brachte, vor allem in der ersten Halbzeit. Führt man sich aber die letzten fünf Minuten des Spiels vor Augen, fällt es einem schwer, sich über den einen Punkt zu freuen.

Nichts geht mehr

Die Matchuhr zeigte genau 54:57 an, als Marco Kurth nach einem Durchbruch den Treffer zur 21:15-Führung für den TVS erzielte. Sogar im torreichen Handballsport ist es quasi unmöglich, in fünf Minuten sechs Tore aufzuholen. Und das Duell zwischen Solothurn und Altdorf glich bis zu diesem Zeitpunkt eher einer 90er-Jahre-Handball Abwehrschlacht als einem modernen Offensivspektakel. So hatten sich eigentlich alle in der Halle mit einem sicheren Sieg für den TV Solothurn arrangiert.

Alle ausser den sieben Altdorfern auf dem Feld, die sich gegen die drohende Niederlage stemmten. Und den Gästen kam entgegen, dass die Solothurnern eine schon fast epische Anhäufung von Fehlern produzierten: Unachtsamkeiten in der Verteidigung, technische Fehler im Gegenstoss, Fehlschüsse frei vor dem gegnerischen Torwart, zu hastige Abschlüsse und unnötige Ballverluste.

So schafften es die Innerschweizer, bis 55 Sekunden vor Schluss auf 18:21 zu verkürzen und schalteten auf eine offensive Manndeckung um. Und es traf ein, was eigentlich niemand für möglich hielt. Altdorf erzielte in weniger als einer Minute drei Treffer, während die Solothurner ihre Fehlerorgie weiterführten und ohne Tor blieben.

Abschluss-Schwäche ablegen

Am Ende jubelten die Innerschweizer über den gewonnen Punkt, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. Verdenken kann man es ihnen nicht, wenn man sich die fast unmögliche Aufholjagd ansieht. Für die Solothurner – von Trainer über Coach bis zu jedem Spieler – hiess es hingegen Wunden lecken.

Jeder fragte sich, wie man dieses Spiel, das man so lange souverän dominiert hatte, noch aus den Händen geben konnte. Denn Chancen, um den oft benannten «Sack» zuzumachen, hatte der TVS genug, auch schon vor der Schlussphase. Am Ende scheiterte das Heimteam aber einmal mehr an der mangelnden Chancenauswertung.

Vor allem die vielen Fehlwürfe frei vor dem Tor dürften den Verantwortlichen und den Spielern zu denken geben. Aber auch das gehört für eine junge Mannschaft zum Entwicklungsprozess dazu. In einer hektischen Phase ruhig und abgeklärt zu bleiben und im Abschluss keine Nerven zu zeigen sind Fähigkeiten, die man nur in Ernstkämpfen und mit der Zeit lernt. Dabei gibt es immer Rückschläge. Die Meisterschaft hat 26 Runden, die Gelegenheit es im nächsten Spiel besser zu machen, kommt also ziemlich schnell.